Hommage an gute Menschen

Manchmal halten dir fremde Menschen einfach die Tür auf oder lassen dir den Vortritt, wenn in der U-Bahn nur noch ein einziger Platz frei ist. Manchmal macht dir ein Kollege ein Kompliment über dein Kleid oder deine Ohrringe oder deine Frisur, selbst wenn du dich heute gar nicht besonders schön fühlst. Manchmal triffst du alte Bekannte wieder, die du jahrelang nicht gesehen hast, und du dachtest, sie hätten dich schon längst vergessen oder zumindest ganz weit hinten in einer Gedankenschublade abgelegt, aber dann freuen sie sich wahnsinnig, dich wieder zu sehen und interessieren sich wirklich ernsthaft für dich und dein Leben. Manchmal ruft ein guter Freund an, zufällig, ohne zu wissen, dass du gerade jetzt wirklich dringend einen Menschen brauchtest, dem du dein Herz ausschütten kannst. Manchmal lächeln Menschen einfach so, ohne ersichtlichen Grund, aber du bekommst davon unwillkürlich gute Laune. Manchmal sind Menschen stark und mutig und sagen ganz nebenbei ungeheuer weise Weisheiten, die du am liebsten mitschreiben würdest, um sie niemalsnie zu vergessen. Manchmal fegt ein Wort, eine Umarmung, ein Seelenblick eines guten Menschen alles Ungemach hinweg. Manchmal vergehen Tage wie im Flug, die du mit guten Menschen verbringst, weil jede Sekunde gleichzeitig ganz neu und schon ewig vertraut ist. Manchmal triffst du einen Menschen und obwohl du dich nicht lange mit ihm unterhältst, obwohl du keine tiefen Gedanken austauschst oder radikale Geheimnisse teilst, fühlst du dich diesem Menschen auf mysteriöse Weise tief verbunden, so als ob ein unsichtbares, elastisches Band euch nach langer Zeit wieder zusammen hat finden lassen. Manchmal ist ein Mensch alles, was dich noch mit der Welt verbindet. Immer sind es Menschen, wegen denen es sich zu leben lohnt.

 

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8 Kommentare zu “Hommage an gute Menschen

    • Eigentlich wollte ich unter diesem Titel eine Art Alternative zu der – zweifelsohne berechtigten – Männerbelobigung der Damen Knobloch und Ahnungslos bieten, mit einem, sagen wir, geschlechterneutralen Ansatz. Aber mein Text kam nicht über das Entwurfsstadium hinaus. Gestern hatte ich dann eine unverhoffte Begegnung mit solchen guten Menschen und schon floss ein anderer, besserer Text als der geplante. Aber den Titel fand ich trotzdem gut. Und aus vollem Herzen: Ja, wie gut, dass es diese Menschen gibt.

  1. Eine wundervolle Hommage, meine Liebe. Man möchte hinter jeden Satz ein Häkchen setzen, um seine absolute Berechtigung zu unterstreichen. Das haben Sie schön aufnotatiert. Ich würde es am liebsten zigfach kopieren und Zäune und Wände damit bepflastern…

  2. Ich liebe, dass es diese Menschen gibt. Und vor Allem ist es einfach wunderbar sich Ihnen anzuschließen. Lasst uns alle zusammen diese „netten Menschen“ sein!
    Obwohl man es oft kennt, dass das eigene Lächeln vielleicht von ignoranten Menschen verschmäht wird, oder beim Türe aufhalten kein Danke kommt. und doch gibt es auch jene, die sich wie wir, aus tiefstem Herzen darüber freuen und Ihnen damit den ganzen Tag versüßen!
    Ja! lasst uns alle zusammen diese „netten Menschen“ sein! 🙂 ❤

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