Lesen und gelesen werden

Die letzten Wochen waren mit Lesen und Schreiben reich gefüllt, auch wenn sich das im Blog nicht widerspiegelte. Ich sitze nach wie vor an meiner Hausarbeit, die langsam Form und zu viel Länge annimmt – wenn ich fertig mit dem Schreiben bin, ist wohl erst einmal Kürzen angesagt. Dazwischen habe ich zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal den „Nachtzug nach Lissabon“ gelesen und war schlichtweg begeistert von dieser Geschichte, vom Drang zum Aufbruch, von der Macht der Sprache, von den philosophisch-theologisch-moralischen Fragen, die nicht an Aktualität verlieren, von der Suche nach sich selbst. Mit Monsieur, der mir das Buch ausgeliehen hatte, wurde ich jedoch nicht einig darüber – obwohl wir beide Literatur sehr schätzen und uns beiden auch eine gewisse Sprachqualität wichtig ist, ist das das einzige Thema, bei dem wir wohl nie Geschmacksgemeinsamkeiten finden werden. Nichtsdestotrotz fahren wir diese Woche zusammen zur Leipziger Buchmesse, weil sich vor einiger Zeit ein überraschendes Türchen öffnete: Ein Roman von Monsieur wurde gerade veröffentlicht, des Thema wegens unter Pseudonym, trotzdem ist er natürlich stolz wie Bolle und ich, quasi als Muse und Vorablektorin, gleich mit. Et voilà – die SeitenSprünge! Ein erotischer Roman, entstanden aus dem Kopfschütteln über all die zweit- und drittklassigen Geschichten, die im Gefolge der fünfzig Grauschattierungen nicht nur auf dem Markt, sondern gleich sehr präsent in den Eingangsbereichen der großen Buchhandlungen landeten. Das können wir besser, dachten wir uns, und nun ist das Resultat tatsächlich in Buchform erschienen – ein gutes Gefühl. Der Messebesuch in Leipzig wird dann auch meine erste Buchmesse sein, über die ich nicht nur von Lust, Laune und dem Zufall getrieben spaziere, sondern dieses Mal habe ich mich im Vorfeld über Veranstaltungen und Messestände informiert, den Hallenplan ausgedruckt, mit Anmerkungen versehen und ein straffes Programm geplant, an dessen Ende ich wahrscheinlich einfach in den Zug fallen und bis nach Hause durchschlafen werde. Aber zuerst freue ich mich sehr auf Leipzig, auf die Messe, auf Monsieur und meine Beste, die ich dort ebenfalls treffe, und harre gespannt der Dinge, die da kommen werden.

Weg damit!

In den letzten vier Wochen kam ich nicht gerade regelmäßig zum Bloggen. Das hatte auch einen Grund: Eine Hausarbeit mit dem furchtbar sperrigen Titel „Die Bestimmung des Verhältnisses von Leben und Arbeit bei Hannah Arendt und Karl Marx“. Im Prinzip beschäftigte mich diese Arbeit schon seit Ende September, so richtig akut aber erst in den letzten Wochen, in denen dann ganz offiziell die Bearbeitungsfrist lief. Zwischenzeitlich bin ich wegen des Themas schon geistig Amok gelaufen, wünschte Marx zum Teufel und fühlte mich trotzdem selbst fast wie eine angehende Kommunistin, als ich die Bibliothek mit „Das kommunistische Manifest“ so wie „Das Kapital“ Band eins bis drei unter dem Arm verließ. Aber jetzt – welch Freiheitsgefühl – ist die Arbeit im Briefkasten, sowohl im realen wie auch zur Plagiatsprüfung im virtuellen, und morgen nutze ich vielleicht das gute Wetter, um mit einer großen Tasche voller Bücher zur Unibibliothek zu radeln und ohne Bücher, dafür mit einem einem Umweg über die Eisdiele wieder zurückzufahren. Bis das neue Semester anfängt – also noch zwei Wochen lang – gönne ich mir eine kleine Uni-Pause und mache all die Dinge, die ich mir in der letzten Zeit verkniffen habe: Die erste Staffel von „Paradise“ fertig gucken, die zugeschnittene Hose fertig nähen, „Anna Karenina“ endlich fertig lesen, in all den schönen Blogs stöbern, die ich völlig vernachlässigt habe, noch eine ganze andere Reihe Bücher, die durch Weihnachten und Geburtstag im Regal gelandet sind, lesen – und wenn ich mit dem ganzen Freizeitstress durch bin, freue ich mich vielleicht sogar wieder auf Studienbriefe.

Hannah, schreib doch mal strukturierter!

Mit dem Leben und dem Lieben klappt es ja ganz gut zur Zeit. Anders sieht es mit dem Lernen aus. Mein Studium, das durch Vorweihnachtsstress und diverse Tragödien für ein paar Wochen ganz tief unter dem Schrank verschwunden ist, kriecht so langsam wieder hervor und ruft nach mir. Genauer gesagt, es ruft mich dazu auf, endlich diese blöde Hausarbeit fertig zu stellen. Die über Hannah Arendt und Karl Marx. In Philosophie. Liebes Gedächtnis, sollte ich jemals wieder auf eine solche Schnapsidee kommen, erinnere mich an diesen Moment! Aber für dieses Semester ist die Philosophie-Hausarbeit da und will abgegeben werden, da nützt alles nix. Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als mich durch die „Vita activa“ zu hangeln, die durchaus interessant ist, aber leider nicht systematisch aufgebaut, sondern mit Einfällen und Anekdoten, Abschweifungen, Rück- und Vorgriffen allerorten aufwartet. Das liest sich schön, keine Frage! Aber, liebe Hannah, du hast sicher nicht an die armen Bachelor-Studenten gedacht, die fünfzig Jahre später einmal versuchen werden, aus deinen großartigen Gedankengängen eine Art Systematik herauszuquetschen und die dann auch noch mit passenden Zitaten versehen müssen. Mensch, hättest du nicht so eine unfassbar spannende Lebensgeschichte, könnte ich deiner beinahe überdrüssig werden.

Zweierlei Hausarbeit

Heute ist mein freier Tag. Eigentlich wollte ich den ja damit verbringen, fleißig an meiner Philosophie-Hausarbeit zu schreiben – es wäre schön, die noch vor Weihnachten abgeben zu können, und auch die Sekundärliteratur aus der Unibibliothek darf ich ja nicht ewig behalten. Es wäre also durchaus an der Zeit, mich darum zu kümmern. Aber weil Frau Doktor Professorin seit einer Woche nicht auf meine Mail mit dem Exposé antwortet und ich somit seither quasi in der Luft hänge, gab es heute keine philosophischen Ergüsse. Dafür einen sauberen Fußboden, ordentlich in den Schrank sortierte Wäsche, geputzte Fenster, der Müll ist runtergebracht und das Ceranfeld von Kalkflecken befreit. Eben Hausarbeit ohne Philosophie.

Deadline

Noch zwei Wochen. Dann fängt mein heiß ersehnter Urlaub an. Und dann ist die Hausarbeit fällig, deren Frist seit einem Monat läuft und für die ich schon gefühlt ein halbes Jahr recherchiert habe, so dass mir das Thema so langsam dreifach verdaut aus den Ohren wieder herauskommt. Nachdem ich es nicht hinkriege, mich wirklich an einem freien Tag mal hinzusetzen und mehrere Stunden dran zu bleiben, arbeite ich eben jeden Tag ein Stündchen, oder ein halbes Stündchen, oder für wie viel Zeit ich meinen inneren Schweinehund eben anketten kann. Inzwischen rückt aber unterschwellig die Panik näher, dass ich die Arbeit doch nicht fertig bekomme, dass sie völlig unstrukturiert ist, dass im Grunde nur Banalitäten aneinandergereiht sind, dass der Professor mich durchfallen lassen muss. Und zu all diesem, vermutlich größtenteils selbst fabrizierten Stress kommen noch die anderen Dinge, die ich dringend noch bis in zwei Wochen erledigt haben muss: Das Geschenk zum Geburtstag meines Patenkindes will noch angefertigt werden, die Wohnung grundgereinigt, die Katze kurz vor dem Urlaub aufs Neue mit Cortison versorgt, ich mit der von meiner Ärztin kürzlich dringend angeratenen MMR-Impfung, ach, und dann müssen noch Wäscheberge gewaschen, Bücher in verschiedene Bibliotheken zurückgebracht und alle organisatorischen Details für den Urlaub geplant werden. Das wird ein Spaß.