Auf Wiedersehen

LisaTschüss, kleines Kätzchen. Danke für die Zeit mit dir. Ich hoffe, ich habe die richtige Entscheidung für dich getroffen. Aber nach diesen Tagen, nach dieser Nacht glaube ich, dass jede weitere Stunde für dich nur noch eine Quälerei gewesen wäre.

Ich hab dich sehr lieb, kleine alte Dame, das weißt du, ja? Und wenn du über die Regenbogenbrücke marschiert bist, grüß doch Omi und Omama von mir. Und den alten Rocky und das Wusel-Fin, die warten bestimmt schon auf dich. Ich komme auch bald nach. Für mich dauert es bis dahin vermutlich noch eine Weile, aber für dich ist es nur ein Wimpernschlag. Tschüss, Kleines, und auf Wiedersehen.

Lebensentscheidung

Es ist immer schwer, ein geliebtes Wesen gehen zu lassen. Noch schwieriger ist es, wenn man die Verantwortung für dieses Wesen trägt und zu entscheiden hat, ob man es weiter leben lässt, wobei Leben Ungewissheit bedeutet wie immer, vielleicht eine zukünftige Zustandsverbesserung, vielleicht auch nur Leiden und Schmerzen, oder ob man sich zum Herrscher über Leben und Tod aufschwingt und ihm die letzte Spritze verpasst, mit dem man es von allem Schlechten, aber eben auch von allem Guten endgültig trennt. Was tun, wenn das kleine, von uns abhängige Wesen nichts sagen kann und wenig zeigt, wenn es trotz Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen sämtliche Nahrungsaufnahme komplett verweigert, aber andererseits noch teilnimmt an dem, was um es herum passiert, wenn es Nähe sucht und manchmal Distanz, wenn es sich zitternd umschaut und seinen schwachen Körper noch mühsam bewegt? Soll man es wieder und wieder zum Arzt tragen, ihm Tabletten einflößen, sich in vergebliche Heilungs- oder zumindest Linderungsversuche stürzen oder nichts tun und ihm nach außen ruhig beim Sterben zuschauen? Kleines Kätzchen, zeig mir doch, was dir gut tut. Ich bin für dich da und auch bereit, dich gehen zu lassen. Ich möchte nur das Beste für dich, hilf mir herauszufinden, was das ist.

Katzenwunder

Wie bereits bekannt, lebe ich bereits seit zwölf Jahren mit einer Katze zusammen. Ein manchmal verspieltes, manchmal verschlafenes, gelegentlich sehr quirliges und häufig kuschelbedürftiges Tier, das mir ab und zu die Tage versüßt (Wenn sie auf meinen Schoß springt und schnurrt. Wenn sie wie eine Prinzessin auf dem schönsten Sofakissen liegt. Wenn sie mir um die Beine streicht, um gefüttert zu werden, und dann Leckerlis aus der Hand frisst.) und das ich ab und zu auch am liebsten aus dem Fenster werfen würde (Wenn sie nachts um drei auf einmal ihre wilden fünf Minuten bekommt, die leider häufig länger als fünf Minuten dauern und bei denen sie wie bescheuert durch die Wohnung rennt, extrem laut miauend, versteht sich. Wenn sie sich aufs Sofa erbricht, nur weil ich ihr gerade keine Aufmerksamkeit schenke. Wenn sie jedes Mal aufs Neue auf meinen Küchentisch springt, obwohl ich es ihr immer wieder verbiete.).

Genau dieses kleine Wundertier verhielt sich letzte Woche sehr anders und besorgniserregend, so dass wir die Tierärztin aufsuchten, die einen inoperablen Tumor in der Magenwand diagnostizierte. Die einzige Therapiemöglichkeit: Cortisonspritzen, so lange wie sie darauf anspricht, und wenn das nichts mehr hilft, sanfte Erlösung aka Einschläfern aka Töten aus Mitleid. Nach dieser Diagnose war nicht nur das Kätzchen in einem furchtbaren Zustand, sondern auch ich. Über Leben und Tod eines anderen Lebewesens zu entscheiden – wer bin ich denn, mir das anzumaßen? Und woher weiß ich, ob sie leben oder sterben will, wie stark ihre Schmerzen sind, wie stark der Durchhaltewille? Trotzdem war ich mehrfach kurz davor, sie zum letzten Mal in die Tierklinik zu fahren. Trotz Infusionen und Cortison wirkte sie zeitweilig wie eine bloße Puppe – keine Bewegungen, kein Laut, nur der beißende Geruch nach krankem Tier. Aber: Sie hat überlebt. Sie lag einen Tag nur furchtbar apathisch herum, brauchte zwei weitere Tage, in denen sie sich lediglich ein bisschen bewegte und kläglich miaute – und dann kam der Tag, an dem sie mich Sonntag Morgen um sechs Uhr weckte und ich mich das erste Mal in meinem Leben in so einer Situation darüber freute, dass zu dieser nachtschlafenen Uhrzeit ein Katzenkörper über mein Gesicht streifte. Weiterhin kamen die Tage, an denen ich mich das erste Mal über permanentes Miauen vor der Tür und den Geruch nach Katzenhinterlassenschaften freute. Heute, genau eine Woche nach der katastrophalen Diagnose, liegt sie auf meinem Schoß, macht ab und zu einen Ausflug zum Futternapf und beschwert sich lautstark, wenn ich nicht das mache, was sie gerne hätte. Hoffentlich hat sie noch eine gute Zeit.

Leben in Bildern

Vor ein paar Wochen fand ich – dank Facebook, das zwar tagtäglich massenweise Müll hervorbringt, aber gelegentlich auch Schätze zu Tage treten lässt – eine wunderbare Website, die ich gerne mit euch teilen möchte: www.exocomics.com ist ein unglaublich niedlich gemachter Webcomic, der inzwischen schon fast 250 Episoden umfasst – wobei „Episoden“ das falsche Wort ist, denn eigentlich steht jeder einzelne Comicstrip für sich, lediglich die Charaktere bleiben die selben: Li, die Künstlerin selbst, ihr Freund Jordan und die Katze Shoelace. Meine Favoriten: Nr. 16, die im Weltraum spielt, Nr. 47, in der Li für einen Muffin sogar die Naturgesetze bricht und Nr. 180, die einfach wunderschön gemacht ist. Manchmal frage ich mich dabei allerdings, ob die Autorin in meine Fantasie schauen kann… auf jeden Fall aber kann sie ihre Ideen auf eine absolut tolle Art und Weise ausdrücken!

Katzenjammer

Ich bin stolze Besitzerin – nein, falsch: Mitbewohnerin einer noch viel stolzeren Katze. Wenn ich telefoniere, denken die Leute am anderen Ende der Leitung, ich hätte ein Baby, weil sie so laut und herzzerreißend schreien kann. Besucher finden es süß, wenn sie sich erst nicht traut, näher heran zu kommen und dann schwuppdiwupps so viel Platz auf dem Sofa einnimmt, dass sie nicht mehr darauf passen.

Ich mag meine Katze auch sehr gerne. Wir sind seit mehr als zehn Jahren ein richtig gutes Team, und außerdem eignet sie sich prima, um Ausreden glaubwürdig erscheinen zu lassen und um neue Bekannte auf Herz, Nieren und Unkompliziertheit (und Tierhaarallergie) zu testen. Aber manchmal… manchmal verspüre ich den starken Drang in mir, sie aus dem Fenster zu werfen. So zum Beispiel heute Nacht: Es ist ein ganz normaler Spätsommerabend, ich gehe zur ganz normalen Uhrzeit ins Bett, weil ich am nächsten Morgen früh aufstehen muss. Klein-Kätzchen schläft mit im Bett und kuschelt sich erstmal auch schnurrend an mich – wie schön, ein Tier bei sich zu haben, das einen liebt, denke ich noch. Doch kaum eingeschlafen und mich selig meinen Träumen hingebend, fängt der Spaß an: Das kleine Tier, das so zerbrechlich wirkt, fängt auf einmal an, putzmunter zu werden und gibt mit einer enormen Energie ein lautes „Maaaau“ von sich. Aber nicht nur einmal, nein; so geht es jetzt fast die ganze Nacht. Zwischendurch gönnt sie mir ein paar Unterbrechungen, aber die reichen gerade mal zum vorsichtigen Wieder-Einschlafen. Alle Gegenmaßnahmen (Katze fest in den Arm nehmen und zwangskuscheln. Katze anfauchen. Ohropax in die Ohren.) wirken nur bedingt bis gar nicht, so dass ich schließlich beschließe, sie einfach aus dem Schlafzimmer auszusperren. Jetzt noch die Ohren mit regenbogenfarbenen Schaumstoffstöpseln gegen das gedämpfte Miauen verschließen, und dann, endlich… klingelt der Wecker. Mist.