Weihnachtsvorbereitungen IV – Krippe

Als wir Kinder klein waren, war es Tradition, dass unsere Mutter an einem der Adventswochenenden die alte Krippe herausholte und mein Bruder und ich sie aufstellen und bestücken durften. Zuallererst wurde das Holzhäuschen aufgestellt; dann mussten wir Moos aus dem Garten oder aus dem Wald beschaffen, um damit den kahlen Holzboden etwas hübscher und weicher zu gestalten. Im Stall fand die Krippe ihren Platz, außerdem gab es noch ein Lagerfeuer für draußen, einen eingezäunten Weideplatz für die Schafe und einen Stapel mit Feuerholz, der in einer Ecke überdachten Platz fand. Zum ursprünglichen Krippenpersonal gehörten die wichtigsten Figuren, also das Jesuskind, Maria und Josef, der Engel, Hirten und Schafe, die drei Könige. Letztere wurden weiter weg aufgestellt, weil sie bis zum sechsten Januar schließlich noch den weiten Weg über den Wohnzimmerschrank bewältigen mussten, bis sie schließlich beim Christkind ankommen durften… Ich weiß nicht, ob mein kleiner Bruder am Krippenaufbau genauso viel Spaß hatte wie ich, aber für mich war dieses Prozedere ein fester Bestandteil des Advents und ein wesentlicher Schritt auf das Weihnachtsfest zu, und ich legte einen außerordentlichen Ehrgeiz an den Tag, wenn es darum ging, das kuscheligste Moos zu finden, den Abstand zwischen den einzelnen Teilen schön zu bemessen und die Krippe ganz genau in der Mitte des Stalls aufzubauen.

Das Grundgebäude dieses Krippenszenarios existiert immer noch in Mamas Weihnachtskiste. Von den Figuren sind allerdings schon einige kaputt gegangen oder anderweitig verschwunden. Dafür sind neue Figuren und Elemente hinzugekommen: Inzwischen wohnt in unserem kleinen Holzstall eine bolivianische heilige Familie aus Ton, und auch ein getöpfertes Paar aus Ochs und Esel ist eingezogen. Die drei Könige werden von einem Pinguin begleitet, zwischen den Schafen weiden Lamas. Die Schäfer haben kein Lagerfeuer mehr, aber immerhin einen Brunnen, und weil von irgendwoher eine Holzbrücke den Weg in unsere Weihnachtskiste gefunden hat, gibt es auch immer einen Fluß aus einem blauen Halstuch in der Nähe. Der ernste Erzengel ist abgelöst worden durch einen etwas zerzausteren, fröhlichen und buntgewandeten Juniorengel mit Wäscheklammer an den Füßen, und goldene Sterne zeigen jetzt den Hirten und Königen den Weg zum Kind. Vieles hat sich geändert, nur eines ist gleich geblieben: Das Aufbauen und Bestücken der Krippe bleibt mein Ressort. Inzwischen wird die Krippe erst am 24. aufgebaut, wenn ich komme, und Jahr für Jahr habe ich beinahe kindlichen Spaß daran, das selbe Geschehen mit den selben Figuren immer wieder ein wenig abgewandelt, aber so perfektionistisch wie eh und je aufzubauen.

Krippe2012

 

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Weihnachtsvorbereitungen III – Weihnachtspost

Auch außerhalb der Adventszeit bin ich ein großer Fan von handgeschriebenen Karten und Briefen. Im Zeitalter der E-Mails und SMS sind sie selten geworden, aber ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich zwischen Werbung und Rechnungen auch einen richtigen, persönlichen Brief von einem lieben Menschen aus dem Briefkasten fischen kann. Was das Schreiben angeht, bin ich ein großer Postkartenfan – ein schönes Bild, ein passender Spruch und hinten genügend Platz für eine „Ich hab gerade an dich gedacht“-Notiz mit vielen Grüßen, das geht auch mal zwischendurch. In der Vorweihnachtszeit hingegen richtet sich bei mir die meiste Post an Menschen, die eben nicht regelmäßig von mir hören, aber die mir trotzdem wichtig sind, selbst, wenn wir uns schon Jahre nicht mehr gesehen haben. Weihnachten ist dann ein guter Anlass, um ein kleines Lebenszeichen hinauszuschicken und ein „Auch wenn du weiter weg bist, ich denke an dich“. Auf meiner diesjährigen Adressatenliste stehen grob überschlagen etwa zehn Menschen; aber meistens bin ich gerade mitten im Schreiben, wenn mir einfällt, wen ich noch alles vergessen habe, wer in dieser Familienzeit einsam ist und sich sehr über eine Karte freuen würde, von wem ich schon eine Ewigkeit nichts mehr gehört habe. Und wenn dann einige Tage später bei mir ein Brief im Briefkasten liegt oder das Telefon klingelt, weil mir jemand sagt, dass ihn meine Post sehr gefreut hat, ist das der schönste Lohn.

Weihnachtsvorbereitungen II – Musik

Adventszeit ist Oratorienzeit – für mich jedenfalls. Vielleicht liegt diese Verknüpfung an der einzigartigen Mischung aus zarten und imposanten Klängen, an der Wucht der Musik, die in meinem Kopf stets weihnachtliche Farben – dunkelrot, tannengrün, goldglänzend – hervorruft, an dem Wunsch, sich dieses Musik in einem alten roten Samtsessel mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand anzuhören. Vielleicht ist die Verknüpfung aber auch viel banaler und hat einfach mit meiner Kinder- und Jugendzeit zu tun: In der Schule hatten wir jedes Jahr vor den Weihnachtsferien Adventskonzerte, bei denen alle Chöre, Orchester und sonstigen Musikgruppen der Schule ihr Erübtes zum Besten gaben. Der große Unterschied zwischen den Advents- und den Sommerkonzerten (die, wie der Name bereits erahnen lässt, kurz vor den großen Ferien stattfanden) war die Musikfreizeit im Dezember (die später in „Musikseminar“ umgetauft wurde, um ja nicht den Eindruck von Untätigkeit während der Schulzeit zu vermitteln): Die Chöre und das große Orchester fuhren drei Tage lang in eine Jugendherberge, nicht besonders weit entfernt, um dort von morgens bis abends drei oder vier große gemeinsame Stücke für das Konzert einzuüben. Ich sang im Chor, von der sechsten bis zur dreizehnten Klasse, und die Musikfreizeit war das Highlight des ersten Halbjahres. Drei Tage im Vierbettzimmer immer mit meinen drei besten Freundinnen, tagsüber im Chor singen, in der Mittagspause ein Spaziergang zum Café in der Innenstadt, das eine köstliche heiße Gianduja-Schokolade servierte und Schichtnougat im Block zum Verkauf anbot, abends dann die gemeinsamen Proben mit dem Orchester, die am ersten Tag meistens ziemlich ernüchternd verliefen, aber an denen man Abend für Abend Fortschritte hören konnte – herrlich. Und dann erst die Konzerte: An die hundert Menschen stehen gemeinsam auf der Aulabühne und schaffen gemeinsam einen wundervollen, dichten Klangteppich, und man selbst ist ein kleiner Teil davon. Ein wirklich erhebendes Gefühl. Ich kann mich noch genau an das erste Lied erinnern, das bei meiner ersten Musikfreizeit einstudiert wurde: „Tecum principium“ von Michael Haydn – mangels Lateinkenntnissen weiß ich bis heute nicht genau, was wir da gesungen haben, aber mitsingen könnte ich es immer noch. Mein liebstes Stück über all die Jahre ist allerdings eines aus Mendelsohn-Bartholdys „Elias“ geworden: „Alsdann wird euer Licht hervorbrechen“ ist der Schlusschor des Oratoriums und für mich der Inbegriff des Chorstückes überhaupt. Wie die einzelnen Stimmen zusammenspielen! Wie die Motive wiederholt und variiert und wieder aufgegriffen werden! Wie so wenig Text so bombastisch umgesetzt werden kann! Ich habe mich damals mitreißen lassen, als ich das Stück zum ersten Mal singend kennenlernte, und tue es auch jetzt noch jedes Mal, wenn ich es höre.

Trauer die Zweite

Dieses Jahr büßt der Advent einiges von seiner wärmend-heimeligen Grundstimmung ein, die er sonst hat oder haben sollte. Nach dem Todesfall in der letzten Woche betrifft mich das Thema nun noch etwas direkter: Gestern starb meine Oma. Meine Omi, die so oft auf mich aufgepasst hat, als ich noch klein war, die unzählige Stunden mit mir auf Spielplätzen verbracht hat, die im Schlafzimmer einen Süßigkeitenschrank hatte und dem kleinen gnäschigen Mädchen alle kulinarischen Sonderwünsche erfüllt hat. Oma, von der ich den Sturkopf und das Faible für Kreuzworträtsel geerbt habe, die für mich und die ganze Familie Wollsocken im Übermaß gestrickt hat und ohne die ich meinen Führerschein nie hätte bezahlen können. Oma, die in den letzten Jahren immer mehr abgebaut hat, die täglich unzählige verschiedene Sorten Tabletten nehmen musste, die am Ende kaum mehr laufen konnte und ihre letzten Wochen in einem Krankenhausbett verbrachte. Das letzte Mal besucht habe ich sie fünf Tage vor ihrem Tod. Sie sah schlecht aus, abgemagert, Schläuche überall, ihr Gesicht eingefallen und kaum noch zu erkennen. Doch in Erinnerung behalten werde ich sie anders: Sitzend in ihrem Lieblingssessel, in den Händen die klappernden Stricknadeln und im Aschenbecher auf dem Wohnzimmertisch die Zigarette, von der sie regelmäßig zog.

Tschüss, liebe Oma. Es geht dir jetzt sicher besser. Wir werden uns wiedersehen.

Herrenkalender

Der Dezember naht und mit ihm die Tage, an denen man gleich nach dem Aufstehen und noch vor dem Frühstück zum Adventskalender huscht, auf den Türchen oder Säckchen oder Päckchen nach der passenden Ziffer sucht und gespannt auspackt, was eine liebe Person (oder ein Großkonzern stellvertretend für die liebe Person, je nachdem) für uns ausgesucht hat. Und weil Adventskalender genauso wie Blogbeiträge eine tolle Sache sind und man von beidem eigentlich nicht genug haben kann, haben sich die Damen vom Herrengedeck eine schöne Aktion einfallen lassen, Gastbeiträge von einer ganzen Reihe illustrer Schreiberlinge gesammelt und damit einen 24-türigen Herrenkalender gefüllt. Ab dem 1.12. gibt es beim Klick auf das Bild also täglich etwas Neues zu entdecken – die Herren und Damen AutorInnen freuen sich über jeden Besuch!

herrenkalender