Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
– Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.

Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht
Und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, daß ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchen Tagen erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.

Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freue mich, daß ich… Daß ich mich freu.

(Mascha Kaléko)

Sommerferien

Den aufmerksamen Leserinnen und Lesern dürfte nicht entgangen sein, dass hier gerade weniger los ist als normalerweise. Der Grund dafür ist einfach: Mein Sommerurlaub hat letzte Woche begonnen und ich kurve bereits durch die Weltgeschichte. Mein Kopf füllt sich mit neuen Eindrücken, doch um es mit Goethe zu sagen: ach! allein es fehlt die Zeit, um diese Eindrücke auch adäquat zu verschriftlichen. Von daher wird es im August hier eher tröpfeln als fließen – aber es geht weiter, versprochen!

Euch allen einen schönen Sommer wünscht
die Lebenliebenlernende

Lachen

Vor kurzem bekam ich eine Mail von einer Person aus meiner Vergangenheit, die ich sehr wertschätze, auch wenn unsere Lebenswege unterschiedlich verlaufen. Unter anderem schrieb sie über mich: „dein frisches Lachen – selbst wenn du traurig bist“. Das war nicht das erste Mal, dass mich jemand über mein Lachen charakterisierte. Aber das erste Mal, dass jemand explizit die traurige Seite erwähnte. Das brachte mich zum Nachdenken. Ich lache gerne, ich lache viel. Manchmal laut heraus, häufiger still in mich hinein. Ich lache über gute und über schlechte Witze, über Situationskomik, über Wortspiele, über unzählige Szenen in meinem Kopfkino, bei Gedanken an schöne Dinge und gute Erinnerungen. Ich lache aber auch, wenn ich in einer Diskussion nicht mehr weiter weiß, prophylaktisch, um eventuell entstehende Konflikte zu entschärfen, wenn ich mich unwohl in meiner Haut fühle, wenn ich angespannt bin, wenn ich verzweifelt bin. Gelegentlich geht das Lachen dann mit Tränen einher oder gar in einen Heulkrampf über.

Ein Biologe würde mein Lachen wohl als Übersprungshandlung bezeichnen. Und ich frage mich: Was hat es zu bedeuten, dass dieses reflexhafte Verhalten sich bei mir ausgerechnet als Lachen äußert? Ich könnte ja genauso gut wie andere Menschen auch meine Nervosität ausdrücken, indem ich mich räuspere, mich an der Nase kratze, den Blick zur Decke wende, im Raum auf und ab gehe oder dergleichen Dinge mehr. Aber ich lache. Lachen ist, so unter anderen Menschen, erst einmal ein gutes Signal. Es symbolisiert Freundlichkeit, Offenheit, man gesellt sich eher zu lachenden als zu grimmig dreinblickenden Menschen. Bei lachenden Menschen fühlt man sich wohl, sie verbreiten gute Laune und eine herzliche Atmosphäre. Vor ihnen hat man keine Angst, und sie ermuntern dazu, selbst mitzulachen, die eigene Anspannung fallen zu lassen.
Und genau das ist wahrscheinlich der Grund für mein beinahe permanentes Lachen: Der Versuch, eine freundlich-friedliche Atmosphäre zu schaffen, in der Konflikte möglichst gar nicht erst entstehen. Ich bin harmoniebedürftig, beinahe schon -süchtig und definitiv konfliktscheu. Ich startete schon mehrere Versuche, mal ernster zu bleiben. Seriöser aufzutreten. Statt freundlich, wissend, spitzbübisch, mitfühlend, neckend, heiter, unschuldig oder anders zu lächeln, einfach mal die Mundwinkel unten zu lassen. Hat nie geklappt. Spätestens wenn so ein richtiger Alphamensch – also so einer, dessen Präsenz man schon auf zehn Meter Abstand beinahe physisch spürt – dazu kommt, schalten meine Gesichtsmuskeln wieder in den automatischen Freundlichkeitsmodus, völlig egal, ob das gerade zu meiner Stimmung passt oder nicht. Und ich befürchte, ich muss damit einfach leben. Vielleicht schaffe ich es mal, in ein paar (oder mehr) Jahren, reicher an Lebenserfahrung und etwas erwachsener aussehend, den Lächelschalter willentlich umzulegen. Aber ein Alphamensch werde ich wohl nie werden.