Hinterbühnenblues

Ich habe einen Hinterbühnenjob. Während auf der Bühne kleine oder große Kunst gemacht wird, wuseln meine Kollegen und ich dahinter herum und sorgen dafür, dass auf der Bühne alles seinen geplanten Gang gehen kann. Wenn wir unsere Jobs gut machen, sind wir unsichtbar. Und das ist vollkommen okay. Menschen sind häufig überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass selbst bei einem kleinen Vier-Mann-Stück manchmal vierzehn Leute hinter den Kulissen beschäftigt sind, damit alles funktioniert. Und dabei ist das Vorderhauspersonal, also all die Menschen, denen man an der Kasse, an der Garderobe oder bei der Kartenkontrolle begegnet, noch nicht mit eingerechnet.

Wir Hinterbühnenarbeiter sind ein gutes Team. Wir arbeiten gerne zusammen, wir freuen uns mit den Schauspielern über eine gute Vorstellung, genauso wie wir mit ihnen gefrustet sind von einem nicht reagierenden Publikum oder einer drögen Inszenierung. Und wir sind stolz darauf, Abend für Abend beizutragen zu den Geschichten, die auf der Bühne erzählt werden. Wir sind unsichtbar, aber ohne uns würde es nicht funktionieren. Theoretisch weiß das auch jeder. Umso enttäuschender ist es, wenn im Alltag dann doch wieder zwischen „Technik“ und „Kunst“ in Hierarchieebenen unterschieden wird. Wenn der „Kunst“ zur gelungenen Premiere gratuliert wird, die „Technik“ aber leer ausgeht. Wenn die „Kunst“ beschließt, ein Vorstellungsjubiläum mit einem gemeinsamen Essen zu feiern und dabei vergisst, der „Technik“ Bescheid zu geben. Wenn sich „Künstler“ nur so lange mit „Techniker“ unterhält, bis jemand anderes von der „Kunst“ dazukommt und die „Technik“ dann keines Blickes mehr gewürdigt wird.

Es ist schade, dass diese hierarchische Unterscheidung immer wieder gemacht wird. Ja, die Kunst entsteht auf der Bühne, nicht dahinter. Aber ohne uns würde der Zauber, die Illusion, das Magische nicht funktionieren. Es gäbe keine Kostüme, keine Requisiten, keine Perücken und kein Make-Up, kein Bühnenbild, keine Beleuchtung, keinen Nebel und keine Musik. Wir bleiben gerne unsichtbar und lassen unsere Arbeit für uns wirken. Aber gleichberechtigt behandelt zu werden, das wäre schon schön.

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Verschnupft

Ich habe die Nase voll von Leuten, die behaupten, sie hätten sich um alles gekümmert und dich dann mit der Arbeit alleine stehen lassen. Ich habe keine Lust mehr auf Lügen, auf falsche Versprechungen, auf einfache Scheinlösungen. Ich mag keine Vorgesetzten, die ihre Untergebenen für ihre eigene Unorganisiertheit zusammenstauchen und keine Menschen, die dir ins Gesicht lächeln und später über dich lästern. Mich stört die Ist-mir-doch-egal-, die Nach-mir-die-Sintflut-Haltung, die Verantwortungslosigkeit bei Personen, die Verantwortung tragen. Mich nervt Kurzsichtigkeit, Konsequenzen nicht bedenken, Applaus kassieren für die harte Arbeit von anderen. Ich verzweifle an Borniertheit, auch an Fatalismus und besonders an Dummheit, an Nicht-nachdenken-wollen, an Leuten, die ihre eigenen Privilegien tunlichst zusammenhalten und sich nicht einen Deut um das Wohl anderer scheren. Gerade kommt einiges zusammen.

Gehetzt

Mein Chef ist unzufrieden, weil ich früher gehe, obwohl Überstunden angesetzt sind und ich nicht den Spätdienst für meinen kranken Kollegen übernehme. Meine Mutter findet es schade, dass ich zu ihrem Geburtstagsbesuch so spät komme und so früh wieder gehe. Mein Freund ist genervt, weil wir uns auch dieses Wochenende wieder nur kurz sehen und ich oft nicht mal Zeit zum Telefonieren habe. Ich selber bin frustriert, weil ich mich fühle, als ob ich nur noch zwischen Verpflichtungen rotiere und für das, was ich möchte, überhaupt keine Zeit mehr bleibt. Da enttäusche ich schon alle anderen, und dann bin ich nicht mal ausgeschlafen dabei? Keine Ahnung, wie ich da wieder herauskomme. Der einzige Lichtblick ist, dass erfahrungsgemäß das ganze Drama im Frühling auf mysteriöse Weise viel kleiner wird. Bleiben also nur noch drei bis vier Monate zu überbrücken. Jiiha.

Hannah, schreib doch mal strukturierter!

Mit dem Leben und dem Lieben klappt es ja ganz gut zur Zeit. Anders sieht es mit dem Lernen aus. Mein Studium, das durch Vorweihnachtsstress und diverse Tragödien für ein paar Wochen ganz tief unter dem Schrank verschwunden ist, kriecht so langsam wieder hervor und ruft nach mir. Genauer gesagt, es ruft mich dazu auf, endlich diese blöde Hausarbeit fertig zu stellen. Die über Hannah Arendt und Karl Marx. In Philosophie. Liebes Gedächtnis, sollte ich jemals wieder auf eine solche Schnapsidee kommen, erinnere mich an diesen Moment! Aber für dieses Semester ist die Philosophie-Hausarbeit da und will abgegeben werden, da nützt alles nix. Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als mich durch die „Vita activa“ zu hangeln, die durchaus interessant ist, aber leider nicht systematisch aufgebaut, sondern mit Einfällen und Anekdoten, Abschweifungen, Rück- und Vorgriffen allerorten aufwartet. Das liest sich schön, keine Frage! Aber, liebe Hannah, du hast sicher nicht an die armen Bachelor-Studenten gedacht, die fünfzig Jahre später einmal versuchen werden, aus deinen großartigen Gedankengängen eine Art Systematik herauszuquetschen und die dann auch noch mit passenden Zitaten versehen müssen. Mensch, hättest du nicht so eine unfassbar spannende Lebensgeschichte, könnte ich deiner beinahe überdrüssig werden.

Just another manic Monday

Frust auf der Arbeit, Überstunden und trotzdem nicht annähernd alles geschafft, Gefühlschaos, überfälliger Großeinkauf um eine Uhrzeit, zu der alle Berufstätigen noch schnell einkaufen, zuhause eine ungeputzte Wohnung, die wegen morgigem Besuch dringend noch bearbeitet werden möchte, ein Stapel Bügelwäsche und eine kranke Katze, die mal wieder keine Lust auf ihr übliches Futter hat, sondern nur Leckerlis fressen will. Hunger, keine Lust zum Kochen und erst recht keine Energie zum nötigen Marx-Lesen für die Philosophie-Hausarbeit. Hoffen wir, dass die Woche besser weitergeht.