Funktioniert.

Eigentlich geht es doch immer nur darum: zu funktionieren. Sei eine gute Tochter, eine leidenschaftliche Geliebte, eine beste Freundin, eine fröhliche Kollegin. Sei nicht: schlecht gelaunt, zu spät, unausgeschlafen, nicht vorbereitet, unkonzentriert. Du hast doch ein gutes Leben, was willst du noch? Du hast eine Familie, einen Partner, Freunde, du hast eine Wohnung, ein Auto, einen Job, du bist gesund. Da ist die Freundin, die betrogen und verlassen wurde, da ist die Kollegin mit dem Autounfall. Menschen werden unterdrückt und bombardiert und gefoltert und ertrinken im Mittelmeer. Du kannst doch nicht in deiner Stadtwohnung in zentraler Lage die Nachrichten schauen und danach noch ernsthaft über deine Situation jammern! Nein, du hast ein gutes Leben, und dafür muss man eben auch mal etwas tun. Also reiß dich zusammen, steh früh auf, erledige deine Arbeit, sei nett und höflich und zuvorkommend, lästere nicht über andere, biete Älteren deinen Platz in der U-Bahn an, kaufe Bio, fahre nicht schwarz, telefoniere mindestens wöchentlich mit deiner Mutter, denk an den Geburtstag deiner Großtante, unternehme regelmäßig und bestens gelaunt Dinge mit deinen Freunden, sei zugleich sexy und zärtlich und wild für deinen Liebsten, gieß die Blumen, mache Sport, trink nicht zu viel, koche frisch. Funktioniere. Ist doch gar nicht so schwierig.

Liebe ist…

Man hat große Vorstellungen von Liebe. Liebe, das ist dieses eine, wahre, großartige Gefühl, das dich automatisch befällt, wenn dieser eine besondere Mensch in deiner Nähe ist, dieses Gefühl, das dich alles andere vergessen und alle schnöden Alltagssorgen klein aussehen lässt. Liebe ist ein aufdringliches Gefühl, etwas, das alle anderen Emotionen überdeckt. Sie kommt mit einem Knall und auf einmal ist sie da, ganz groß, raumfüllend, so dass man sich fragt: was war eigentlich vorher da?

Aber ich frage mich: Ist das die einzige Form von Liebe, dieser divenhafte Auftritt und der permanente Ausnahmezustand? Oder kann Liebe auch wachsen, aus einer zarten Sympathie, einer sanften Zuneigung? Kann man jemanden lieben, auch wenn man seine Macken und Ecken und Kanten kennt und sieht und sich immer wieder daran stößt? Kann man Liebe auch pflanzen wie einen kleinen Setzling, sie hegen und pflegen und nach einigen Jahren vor einem ausladenden und schattenspendenden Baum stehen? Kann es Liebe geben, auch wenn das Verliebtsein gänzlich abgeflaut ist? Wenn die tausend kleinen und großen Alltagsnotwendigkeiten wieder ihren Weg in den Vordergrund gefunden haben, funktioniert das Konzept von Liebe dann noch?

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre schon fünfzig Jahre älter und könnte auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Und über all diese Gedanken nur milde lächeln und meinen Enkeln von der Zeit erzählen, als ich noch so jung war wie sie.

Just another manic Monday

Frust auf der Arbeit, Überstunden und trotzdem nicht annähernd alles geschafft, Gefühlschaos, überfälliger Großeinkauf um eine Uhrzeit, zu der alle Berufstätigen noch schnell einkaufen, zuhause eine ungeputzte Wohnung, die wegen morgigem Besuch dringend noch bearbeitet werden möchte, ein Stapel Bügelwäsche und eine kranke Katze, die mal wieder keine Lust auf ihr übliches Futter hat, sondern nur Leckerlis fressen will. Hunger, keine Lust zum Kochen und erst recht keine Energie zum nötigen Marx-Lesen für die Philosophie-Hausarbeit. Hoffen wir, dass die Woche besser weitergeht.

Urlaubsreif

Tage wie den heutigen braucht man nicht unbedingt. Nur leider kommen sie so häufig vor, dass man eigentlich nicht drumherum kommt. Vormittags über der Hausarbeit für die Uni brüten, die schlimmsten Ecken im Haushalt anpacken (heute: das Katzenklo), schnell etwas zu Mittag herunterschlingen, dann in die Arbeit, sich mit anstrengenden Kollegen herumschlagen, später Mist bauen und sich freuen, dass die Kollegen noch mehr Mist gebaut haben, so dass meiner gar nicht mehr auffällt, spätabends nach Hause kommen, von einer hungrigen und genervten Katze empfangen werden, auf dem Weg zum Katzenfutter feststellen, dass ich morgen dringend neues kaufen muss und sich außerdem der Abwasch in der Küche so stapelt, dass kaum mehr Geschirr im Schrank sein dürfte, trotzdem viel zu geschafft sein, um sich darum heute noch zu kümmern, sich stattdessen mit dem fast leeren Nutellaglas und einem Löffel vor den PC setzen, von Facebook auf banale bis bescheuerte Youtube-Videos weitergeleitet werden und sie trotzdem anschauen, irgendwann später übermüdet ins Bett fallen, ohne wie geplant noch die Gymnastikübungen für eine schöne Figur und weniger Rückenschmerzen gemacht zu haben, deshalb ein schlechtes Gewissen haben, dennoch schnell einschlafen und morgen zu spät und immer noch müde aufwachen. Ich bin wirklich reif für den Urlaub, aber sowas von.

Ein ganz normaler Dienstag

Heute war ein ganz normaler Tag: Früh aufstehen, arbeiten, nach der Arbeit noch schnell bei Aldi vorbei, Einkäufe die vielen Treppen hochschleppen, dann kurz vor den PC und Mails checken, Wäsche zum Waschsalon bringen (mangels eigener Waschmaschine dank einem furchtbar geplanten Badezimmer), Abwasch vom Vortag erledigen, Abendessen kochen, essen, mit meinem Freund telefonieren, Wäsche wieder abholen und aufhängen, und schon ist es Viertel nach acht. Duschen muss ich auch noch, und außer einer halben Stunde am PC und einem Telefonat habe ich heute noch nichts gemacht, was ich nur gemacht habe, weil ich es wollte. Wo ist nur das Leben hin?