Regenstern

Es prasselt und plätschert auf dem Dach.

Da jetzt hinaus in die feuchtkalte Nachtschwärze?

Das Fahrrad ächzt und quietscht und rostet hörbar.

Der Gegenwind treibt Regen ins Gesicht.

Siehe da: Auf der Brille zaubern Tropfen aus Leuchtreklamen Sterne.

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Stille

Eine der schönsten Eigenschaften des Winters ist die Stille. Stille, die draußen ist, wenn du abends aus der U-Bahn-Station nach oben steigst und es außen kalt und windig und nieselig ist, fast niemand unterwegs außer dir, du hörst nur die Regentropfen auf deiner Kapuze und den Wind, der zwischen den Häusern pfeift und ein paar übrig gebliebene Herbstblätter über den schmutzigen Boden wirbelt. Da sind keine anderen Menschen mehr, nicht mal Autos oder die Straßenbahn, und die Stille von draußen erlaubt es deinem Kopf, die ganze Klangwelt in Beschlag zu nehmen und zu füllen mit der Musik, die gerade in deinem inneren Radio läuft, oder den mehr oder weniger kuriosen Selbstgesprächen, in denen du einem imaginären Freund von deinem Leben erzählst, oder einfach mit – Stille. Eine Leerstelle, die einfach mal leer bleibt und nicht sofort ausgefüllt werden muss, die sich vielleicht ganz langsam und allmählich füllen kann, aber eben nicht notwendigerweise. So mag ich auch kaltwindignieselige Wintertage.

Freitag der 13. reloaded

Letzte Woche hatten wir einen Freitag den 13. – und mir ist nichts blödes passiert, im Gegenteil hatte ich sogar einen ziemlich schönen Tag. Tja, dafür hat mich das Pech (und meine persönliche Schusseligkeit) heute ordentlich eingeholt: Ich hatte morgens verschlafen und war dementsprechend müde und hektisch, als ich das Haus verließ, in der Tasche unter anderem etwas zu essen für die Mittagspause, und darunter unter anderem ein Erdbeerjoghurt. Ich nehme mir seit zwei Jahren mindestens zweimal die Woche einen Joghurt mit und bislang sorgte der noch nie für Störungen im Betriebsablauf. Bis heute. Heute holte ich im strömenden Regen mein Fahrrad aus dem Fahrradraum, stellte es wie immer auf den Hof, die Tasche bereits auf dem Gepäckträger, und drehte mich um, um die Tür abzuschließen. Während ich nicht hinsah, fiel dummerweise das Fahrrad um (war wohl etwas schief geparkt, und das stabilste Rad ist es ohnehin nicht). Ich fluchte bereits innerlich, weil mir in einer ähnlichen Situation schon mal die Handbremse kaputt ging. Die funktionierte aber noch, was mich freute. Schnell zur Arbeit geradelt – und da haben wir den Salat: Als ich nach der Zugangskarte für unseren Hochsicherheitseingang (naja, fast) greifen wollte, griff ich stattdessen in – genau, richtig geraten – Erdbeerjoghurt! Durch den Sturz war der Becher geplatzt und der Joghurt hatte sich in der ganzen Tasche verteilt. Über meine Lunchbox und die Wasserflasche, über Kalender und Geldbeutel, Kugelschreiber, Taschentücher, Minzbonbondose, Kopfhörerkabel und den Brief, den ich eigentlich auf dem Heimweg einwerfen wollte. Also verbrachte ich die erste halbe Stunde meiner Arbeitszeit mit dem Säubern meines gesamten Tascheninhalts und der Handtasche selbst. Da kommt Freude auf! Weiter ging der Tag dafür relativ ereignislos grau, womit er perfekt zu dem Wetter vor dem Fenster (wechselnd hell- und dunkelgrau mit jeweils passenden Regenmengen) passte. Mmh. Gestern war auch schon so ein blöder, nasser, irgendwie ganz und gar unschöner Tag. Wenn das jetzt der neue Herbst ist und es bis schätzungsweise Mai 2014 so weiter geht, werde ich noch zur waschechten Pessimistin.

Frei von Peinlichkeiten

Heute hatte ich Besuch von meinem Papa. Mein Papa ist ein netter Mensch, aber er hat eine Eigenschaft, die viele – inklusive mir – gelegentlich an ihm stört: Er macht im Allgemeinen, was er gerade möchte. Unabhängig von den Menschen um ihn herum. Das dörfliche „was sollen da die Leute sagen“ ist ihm – zumindest in den meisten Situationen – ziemlich egal. Das ist vermutlich nicht die schlechteste Lebenseinstellung, wenn auch eigentlich nur als Single zu verwirklichen; für die Menschen, die mit ihm zusammen sind, ist das häufig relativ anstrengend.

In meiner Stadt war heute Altstadtfest, und abends spielte die französische Gruppe „Paris la nuit“ (übrigens sehr zu empfehlen!). Dorthin wollten wir nach einem gemütlichen Bummel durch die Stadt gehen, das war der Plan. Leider begann es eine Dreiviertelstunde vor OpenAir-Konzertbeginn furchtbar zu schütten. Vor dem heftigsten Regen schützten wir uns in einem Bierzelt, aber auch zum Beginn des Konzertes regnete es noch Bindfäden. Trotzdem sagte mein Papa: „Lass uns doch zumindest mal dort vorbei gehen.“ Am Konzertort war die Band offenbar gerade unschlüssig, ob sie das Spielen anfangen sollten oder nicht. Außer uns waren noch zwei oder drei Frauen im vorderen Bereich und ein paar wenige Menschen, die im Eingangsbereich offensichtlich darüber diskutierten, ob sie nun im Regen Musik anhören wollten oder nicht. Mein Papa ging zielstrebig nach vorne bis zum Bühnenrand, ich ihm hinterher. Unterdessen hatte sich die Band zum Beginn formiert. Mal anhören, wie die so klingen. Und sie klangen gut! Aber im Regen, mit total durchnässten Stoffturnschuhen auf einem Betonboden, auf dem das Wasser teilweise bereits stand, noch Aufmerksamkeit auf die Musik richten? Das Problem mit dem im-Wasser-stehen löste mein Papa, indem er eine der nassen Bierbänke, die dort standen, aber von niemandem benutzt wurden, einfach umdrehte und sich darauf stellte. Gute Idee, wäre ich nicht drauf gekommen. Und hätte ich mich auch nicht getraut. Aber so standen wir beide nun im Regen auf der umgedrehten Bierbank einen guten Meter von der Bühne entfernt. Papa tanzte und sang ziemlich laut mit, obwohl er kein Wort französisch versteht. Peinlich, fand ich. Aber nachdem ich nun mal da war und man das beste aus der Situation machen musste, tat ich das, was mir am passendsten erschien: Ich tanzte einfach auch. Das hätte ich mich in einer anderen, wie ich angepassten Begleitung niemals getraut. Aber es war prima! Ich hatte großen Spaß dabei und als das Konzert nach knapp anderthalb Stunden vorbei war, hatte ich fast vergessen, dass meine Füße klatschnass sind. Zwischenzeitlich konnte man sogar mal den Schirm weglegen und sich so noch viel freier bewegen, das war richtig gut. Und die Sängerin reichte mir während des Konzertes ihren Fotoapparat mit der Bitte, ein paar Bilder von ihnen zu machen. Nach dem Konzert bedankte sie sich fürs Fotografieren und dafür, dass wir ganz vorne standen und tanzten. Dinge, die mir erst peinlich oder zumindest unangenehm waren und zu denen ich mich erstmal überwinden musste. Aber ich lerne daraus: Peinlich wird etwas erst, wenn es dir selbst peinlich ist. Und: Was du peinlich findest, finden andere Leute möglicherweise cool. Also sollten wir alle mal das blöde „Uuuuh, das mache ich nicht, das ist doch voll peinlich!“ aus unserem Vokabular streichen und stattdessen einfach machen, was uns gefällt. Und wer weiß, vielleicht wird genau das dann ja ein neuer Trend…?