Einfach anfangen

An diesen nasskaltgrauen Herbsttagen ist es gefühlt immer am schönsten, einfach drin zu bleiben, sich die Decke über den Kopf zu ziehen und mit einer Tasse heißem Tee auf dem Sofa zu lümmeln. Aber manchmal ist es doch gut, trotz Regenwetter aufzubrechen und den Winterschlaf noch ein bisschen zu verschieben. Und alles wird besser mit dem richtigen Soundtrack dazu.

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Novemberblues

November, du alter Schlingel! Du weißt vermutlich schon, dass ich dich nicht gerade sympathisch finde. Wenn du näher rückst, bringst du im Allgemeinen Kälte, Dunkelheit, trübes Wetter und Vorweihnachtsstress mit. Dieses Jahr hast du es besonders gut gemeint und außerdem noch ein kaputtes Auto und Überstunden en masse dabei – herzlichen Dank auch. Aber gerade, als ich endgültig mit dieser Woche und eigentlich dem ganzen Monat abschließen und ihn unter der Kategorie „Möff“ einsortieren wollte, beschertest du mir noch schnell einen Lichtblickmoment, oder besser: einige PeterLichtBlickMinuten, die einen rundum doofen Tag doch noch versöhnlich ausklingen ließen. November, du Schlawiner, vielleicht bekommst du doch noch eine zweite Chance.

Herbstfahrt

Eben war alles noch bunt. Vor mir der Himmel kräftigblau, links und rechts sausten rotorangegoldene Laubwälder vorbei, gemischt mit Tannengrün und satten Erdtönen. Auf einmal sind keine Farben mehr da. Plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchte eine große grauweiße Wolke auf, die nun das Rot und das Blau, das Grün, das Orange und vor allem das leuchtende Sonnengold verschlingt. Ich bin mitten in ihr. Nirgends sehe ich etwas anderes als eine graue Mauer, die sich wie von Zauberhand immer hundert Meter von mir entfernt befindet, egal wie schnell ich mich auf sie zu bewege. Es fühlt sich absurd an, dass trotzdem alles weitergeht wie gewohnt. Die anderen Autos bremsen nicht, sondern fahren unverdrossen im selben Tempo weiter, obwohl die Mauer doch auch vor ihnen steht. Ich sehe sie vor mir verschwinden im gräulichfeuchten Watteweiß und ahne lediglich, dass ich für die Fahrer hinter mir ein ähnliches Bild abgeben muss.

Und auf einmal, so schnell, wie sie gekommen war, verschwindet die Wolke. Wie mit einem Plopp ist da wieder Licht. Blau. Grün. Rot. Orange. Lediglich an der Seite sieht man noch ein wenig weiße Watte, die von außen so viel friedlicher aussieht als von innen. Was für ein gutes Gefühl! Es ist ein kleines Aufatmen der Seele, wenn man dem Nebel entkommt und sich wieder an der klaren Herbstluft erfreuen kann.

Als mich die nächste Wolke umschlingt, bin ich ruhiger. Dieses Mal weiß ich: Auch hinter ihr wird wieder die Sonne hervorblitzen.

Frei

Ich erinnere mich an einen Tag, es muss Spätsommer oder Frühherbst gewesen sein. Ich war bei meiner Familie und wurde von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Es war still im Haus, nur meine Mutter war schon auf den Beinen, die einzige Frühaufsteherin der Familie. Ich zog mich an und ging mit den beiden Hunden spazieren. Es war kühl, windig, nicht unangenehm, sondern frisch. Die Sonne blinzelte, aber wärmte noch nicht richtig. Ich trug meine grüne Regenjacke und hatte in jeder Hand eine Hundeleine. Die Hunde waren ausgeschlafen, bewegungsfreudig, sie tänzelten um mich herum, ich hatte Mühe, die Leinen immer entwirrt zu halten. Außer uns war niemand unterwegs, selbst die Kühe auf der Weide blickten noch ganz verschlafen drein. Wir liefen, die Hunde schnupperten ausgiebig an Bäumen, Grasbüscheln und Holzstapeln, dann rannten wir. Links ein weißer Wirbelwind und rechts ein grauer, in der Mitte der grüne Regenjackenfarbklecks, bergab, immer weiter, dem Wind getrotzt und der Sonne entgegen. Lange habe ich mich nicht mehr so frei gefühlt wie in diesem Moment.

Drachenfliegen

Drachen1Heute war ich mal wieder zu Besuch bei meiner Familie. Anlass war ein Geburtstag, der gebührend mit Gästen zum Mittagessen und Kaffeetrinken gefeiert wurde – aber vormittags hatten mein Bruder und ich noch ein, zwei Stunden Zeit zur freien Verfügung. Meine Familie wohnt in einer ziemlich abgelegenen und hohen Lage in einem Mini-Dorf in der Rhön , das heißt: viele freie Flächen und noch viel mehr Wind. Und da kam Brüderchen auf die grandiose Idee, die alten Drachen vom Dachboden zu holen und steigen zu lassen. Nach kleinen Startschwierigkeiten, ich habe das vermutlich mindestens seit zehn Jahren nicht mehr gemacht, funktionierte es dann auch richtig gut (mit meinem Anfängerdrachen sowieso und auch Brüderchen hatte nach einer Weile den Dreh mit seinem Lenkdrachen raus). Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir fest vorgenommen habe, meinem kleinen Patensohn auch mal einen Drachen zu schenken und mit ihm steigen zu lassen. Aber weil der Kleine gerade erst das Laufen gelernt hat und es bis zur Drachenzeit bei ihm wohl noch etwas dauert, kaufe ich mir halt für die Zwischenzeit einfach selber einen.

Herbstsonne

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Ich bin ein Frühlingskind. Es gibt nichts Schöneres als die ersten warmen Tage im März oder April, wenn man die Jacke wieder offen lassen kann, die Mütze abnimmt und sich die Frühlingssonne auf den Kopf scheinen lässt.
Den Herbst mag ich nicht so sehr. Wenn man langsam auf die dicke Jacke und die gefütterten Schuhe umsteigen muss, wenn der Regenschirm in der Handtasche die Sonnenbrille ersetzt und man das Fahrrad zur Reparatur bringt, weil man jetzt merkt, dass der Dynamo irgendwann im Sommer kaputt gegangen sein muss. Das ist nicht meine Zeit.
Aber manchmal – manchmal gibt es auch im Herbst Frühlingsmomente. Gestern war so ein Tag. Es hatte zwei Wochen lang abwechselnd geregnet oder eisiger Wind geweht, und es machte keinen Spaß, das Haus zu verlassen. Aber dann kam der Tag gestern. Die Sonne verteilte ihre leisen Strahlen über der Stadt, der Himmel hatte diese Farbe, die er nur an einem außergewöhnlich schönen Herbsttag annimmt, die Luft war mild und angenehm und die Menschen auf einmal kollektiv besser gelaunt. Und ich? Ich fuhr mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause und war, obwohl ich einen ziemlich miesen Vormittag hatte, dank des Wetters so fröhlich gestimmt, dass ich auf der Kreuzung, inmitten des Verkehrslärms um mich herum, laut „Yabbadabbadoo“ rief. Es hörten wohl nicht viele, und die, die es taten, sahen mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank, aber das kümmerte mich nicht. In diesem Moment war ich einfach glücklich. (Und da merkt man erst wieder, was für eine hauchdünne, kurzlebige Angelegenheit das Glück doch ist.) Danach ging ich kurz nach Hause, um meine Katze zu versorgen, und setzte mich anschließend noch für eine Dreiviertelstunde auf eine Parkbank in einer kleinen Grünfläche in der Nachbarschaft. Vielleicht waren das die letzten bewusst wahrgenommenen Sonnenstrahlen des Jahres. Ich habe sie genossen.

Freitag der 13. reloaded

Letzte Woche hatten wir einen Freitag den 13. – und mir ist nichts blödes passiert, im Gegenteil hatte ich sogar einen ziemlich schönen Tag. Tja, dafür hat mich das Pech (und meine persönliche Schusseligkeit) heute ordentlich eingeholt: Ich hatte morgens verschlafen und war dementsprechend müde und hektisch, als ich das Haus verließ, in der Tasche unter anderem etwas zu essen für die Mittagspause, und darunter unter anderem ein Erdbeerjoghurt. Ich nehme mir seit zwei Jahren mindestens zweimal die Woche einen Joghurt mit und bislang sorgte der noch nie für Störungen im Betriebsablauf. Bis heute. Heute holte ich im strömenden Regen mein Fahrrad aus dem Fahrradraum, stellte es wie immer auf den Hof, die Tasche bereits auf dem Gepäckträger, und drehte mich um, um die Tür abzuschließen. Während ich nicht hinsah, fiel dummerweise das Fahrrad um (war wohl etwas schief geparkt, und das stabilste Rad ist es ohnehin nicht). Ich fluchte bereits innerlich, weil mir in einer ähnlichen Situation schon mal die Handbremse kaputt ging. Die funktionierte aber noch, was mich freute. Schnell zur Arbeit geradelt – und da haben wir den Salat: Als ich nach der Zugangskarte für unseren Hochsicherheitseingang (naja, fast) greifen wollte, griff ich stattdessen in – genau, richtig geraten – Erdbeerjoghurt! Durch den Sturz war der Becher geplatzt und der Joghurt hatte sich in der ganzen Tasche verteilt. Über meine Lunchbox und die Wasserflasche, über Kalender und Geldbeutel, Kugelschreiber, Taschentücher, Minzbonbondose, Kopfhörerkabel und den Brief, den ich eigentlich auf dem Heimweg einwerfen wollte. Also verbrachte ich die erste halbe Stunde meiner Arbeitszeit mit dem Säubern meines gesamten Tascheninhalts und der Handtasche selbst. Da kommt Freude auf! Weiter ging der Tag dafür relativ ereignislos grau, womit er perfekt zu dem Wetter vor dem Fenster (wechselnd hell- und dunkelgrau mit jeweils passenden Regenmengen) passte. Mmh. Gestern war auch schon so ein blöder, nasser, irgendwie ganz und gar unschöner Tag. Wenn das jetzt der neue Herbst ist und es bis schätzungsweise Mai 2014 so weiter geht, werde ich noch zur waschechten Pessimistin.