Es geht weiter

Dieser Januar ist anstrengend. Schön, aber anstrengend. Viele private Termine, Geburtstagssausen, Menschen treffen, dazu dringende Studienabgabefristen und mal wieder eine Menge Krankheitsfälle im Kollegenkreis. Deshalb ist dies ein Lebenszeichen und eine Entschuldigung für meine temporäre Abwesenheit im WordPress-Universum (ich lese etappenweise, dann gestapelt; nur zum Schreiben und Kommentieren reicht es gerade nicht). Gestern dann blätterte ich in einer freien Minute in meiner Lieblingszeitschrift und fand dort das Zitat, das mich sofort ansprach und das jetzt – und auch sonst – einfach passt.

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Gehetzt

Mein Chef ist unzufrieden, weil ich früher gehe, obwohl Überstunden angesetzt sind und ich nicht den Spätdienst für meinen kranken Kollegen übernehme. Meine Mutter findet es schade, dass ich zu ihrem Geburtstagsbesuch so spät komme und so früh wieder gehe. Mein Freund ist genervt, weil wir uns auch dieses Wochenende wieder nur kurz sehen und ich oft nicht mal Zeit zum Telefonieren habe. Ich selber bin frustriert, weil ich mich fühle, als ob ich nur noch zwischen Verpflichtungen rotiere und für das, was ich möchte, überhaupt keine Zeit mehr bleibt. Da enttäusche ich schon alle anderen, und dann bin ich nicht mal ausgeschlafen dabei? Keine Ahnung, wie ich da wieder herauskomme. Der einzige Lichtblick ist, dass erfahrungsgemäß das ganze Drama im Frühling auf mysteriöse Weise viel kleiner wird. Bleiben also nur noch drei bis vier Monate zu überbrücken. Jiiha.

Genug

Heute habe ich genug. Oder besser, zu viel. Der übliche Vorweihnachtsstress hat in den letzten Tagen seinen Höhepunkt erreicht, in der Arbeit häuft es sich, in den vergangenen vier Wochen sind drei Menschen in meinem näheren Bekanntenkreis gestorben, ich war innerhalb nicht mal einer Woche auf zwei Beerdigungen, heute musste ich meine Oma zu Grabe tragen und direkt von der Beerdigung aus in die Arbeit fahren, wo durch unvorhersehbare Zwischenfälle noch einmal alles viel turbulenter war als normalerweise. Eine Sollbruchstelle an meinem Körper fängt wieder an, Probleme zu machen, die Hormone kommen erschwerend hinzu und meine Haut ist ein willkommenes Zuhause für Stresspickel. Ich würde mich am liebsten auf den Boden werfen und „Es reicht!“ schreien. Mich in meiner Wohnung verkriechen, schlafen, mit der Decke bis zum Kinn vor dem Fernseher sitzen. Völlig unzweckmäßige Dinge tun wie all die Bücher lesen, die ich in diesem Jahr gekauft oder geschenkt bekommen habe und mangels Zeit noch nicht angetastet habe, mir irgendetwas Schönes nähen, ganz ohne konkreten Trage-Anlass, massenweise Filme schauen – auch im DVD-Regal tummeln sich noch ungesehene Schätze -, neue Rezepte ausprobieren, ohne „währenddessen kann ich noch dies und das tun“-Hintergedanken meine Katze streicheln.

Aber nein. Ich bin pflichtbewusst und äußerst anständig. Also mache ich brav mit bei dem Puppenspiel und denke im Stillen: Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis der erste Faden reißt.

Deadline

Noch zwei Wochen. Dann fängt mein heiß ersehnter Urlaub an. Und dann ist die Hausarbeit fällig, deren Frist seit einem Monat läuft und für die ich schon gefühlt ein halbes Jahr recherchiert habe, so dass mir das Thema so langsam dreifach verdaut aus den Ohren wieder herauskommt. Nachdem ich es nicht hinkriege, mich wirklich an einem freien Tag mal hinzusetzen und mehrere Stunden dran zu bleiben, arbeite ich eben jeden Tag ein Stündchen, oder ein halbes Stündchen, oder für wie viel Zeit ich meinen inneren Schweinehund eben anketten kann. Inzwischen rückt aber unterschwellig die Panik näher, dass ich die Arbeit doch nicht fertig bekomme, dass sie völlig unstrukturiert ist, dass im Grunde nur Banalitäten aneinandergereiht sind, dass der Professor mich durchfallen lassen muss. Und zu all diesem, vermutlich größtenteils selbst fabrizierten Stress kommen noch die anderen Dinge, die ich dringend noch bis in zwei Wochen erledigt haben muss: Das Geschenk zum Geburtstag meines Patenkindes will noch angefertigt werden, die Wohnung grundgereinigt, die Katze kurz vor dem Urlaub aufs Neue mit Cortison versorgt, ich mit der von meiner Ärztin kürzlich dringend angeratenen MMR-Impfung, ach, und dann müssen noch Wäscheberge gewaschen, Bücher in verschiedene Bibliotheken zurückgebracht und alle organisatorischen Details für den Urlaub geplant werden. Das wird ein Spaß.

Präklausurale Belastungsstörung

Morgen in einer Woche ist es wieder so weit: Die nächste Klausur steht an, dieses Mal heißt das zu prüfende Modul „Einführung in die Literaturwissenschaft“. Seit ungefähr drei Monaten trage ich permanent kleine Karteikartenstapel mit dem auswendig zu lernenden Glossar mit mir herum – mit der Folge, dass die Karten in meiner Handtasche immer mehr aussehen, als wären sie im Dauergebrauch, und das ganz ohne, dass ich die Begriffe ebenso gut beherrsche -, und seit etwa einem Monat ist die Panik akut. Sämtliche Literatur, die nicht irgendwie klausurrelevant ist, sondern lediglich der Unterhaltung dient, habe ich konsequent verdrängt; davon ausgenommen sind Zeitungen und Zeitschriften, was die Sache nicht besser macht, denn im Moment habe ich sowohl ein „Spiegel“- als auch ein „Die Zeit“-Probeabo laufen. Und damit kann man eine ganze Menge Lesezeit fabrizieren. Die schmale Zeitspanne, die zwischen Arbeit, Haushalt, Zeitungslektüre, Schlaf- und Informationsbedürfnis noch bleibt, fülle ich zur Zeit mit der Lektüre einer außerordentlich gut gelungenen Literaturgeschichte aus der Stadtbibliothek („Geschichte der deutschen Literatur“ in sechs Bänden, herausgegeben von Joachim Bark und Dietrich Steinbach im Klett-Verlag), die nicht nur die Autoren und ihre Werke, sondern auch die zeitgeschichtlichen Umstände sehr detailliert ausleuchtet. Inzwischen sehe ich im Epochenbereich schon klarer; fehlen nur noch Literaturtheorien, Textanalyse, Literaturrrecherche und Grundbegriffe der Rhetorik, Editionswissenschaft, Lyrik- und Dramenanalyse. Ich geh dann mal wieder lernen.