Abwarten und Tee trinken

Ich glaube, es ist ein Problem meiner Generation, dass wir nicht ertragen können, wenn etwas schief läuft. Dass wir, wenn andere Menschen anders denken und fühlen und handeln als wir das tun oder möchten, lieber schnell beschließen, dass das mit diesen Menschen eben nicht hat sollen sein und einen Schlussstrich ziehen, einen lauten oder einen leisen, anstatt eine Weile abzuwarten. Seid glücklich!, das haben wir von unseren Eltern mitbekommen, Geht euren eigenen Weg!, und das ist ja auch schon ein Fortschritt gegenüber einem So war es aber schon immer! oder einem Nein, sonst reden die Leute!. Aber Glück, das ist eine schwierige Sache, es gibt die kurzen Glücksmomente, die aufblitzen und dann wieder verschwinden und es gibt das tiefe Glück, von dem man erst merkt, dass man es hatte, wenn es nicht mehr da, ergo es zu spät ist. Und der eigene Weg – natürlich ist es gut und wichtig, nicht nur die ausgetretenen Pfade zu nehmen, aber wenn man immer alleine durchs Dickicht stapft, um ganz sicher den ganz eigenen Weg zu schaffen, ist das auf Dauer auch eine recht einsame Geschichte.

Jetzt ist es doch so: Wenn ein Job doof ist, wird gekündigt und ein neuer gesucht. Wenn die Stadt nicht passt, zieht man eben um. Wenn die Beziehung kriselt, wird sich lieber zeitig getrennt, dann war es wohl doch nicht der Richtige und von neuem kann Ausschau nach dem weißen Pferd samt Reiter gehalten werden. Aber Menschen sind nicht statisch, sie verändern sich, sie machen Fehler, manchmal richtig blöde, manche sehen sie ein und andere nicht, ihre Wünsche und Erwartungen und Prioritäten ändern sich, sie haben gute und mittlere und schlechte Phasen, es gibt Hochgefühle und Euphorie und an einem anderen Tag einen Tatendrang, der gerade mal bis aufs Sofa vor den Fernseher reicht. Die Kunst ist, zu unterscheiden, wo Menschen sich dauerhaft in zwei verschiedene Richtungen entwickeln und wo einer vielleicht nur einen kleinen Umweg macht. Um das herauszufinden, muss man eben manchmal eine Weile abwarten und akzeptieren, dass jetzt gerade eine nur so mittelmäßige Zeit ist, im festen Glauben daran, dass es auch wieder besser wird. Dieses Abwarten und Akzeptieren, so scheint mir, schaffen nicht viele aus der Y-Generation. Aber ob das Glück zuverlässiger kommt, wenn man ihm von hier nach dort hinterherhüpft, das wage ich zu bezweifeln.

(Gedanken, angeregt durch das sehr sehenswerte „Alle lieben George“ von Alan Ayckbourn am Nürnberger Staatstheater. Drei Paare mittleren Alters, scheinbar geordnete Kleinstadtverhältnisse; ein Freund, der durch einen Ausnahmezustand alle Beziehungen durcheinander wirbelt und alles Brodelnde an die Oberfläche bringt. Sechs Personen, die ertragen, dass der Mensch an ihrer Seite Dinge tut, die sie nicht nachvollziehen können, die sie vielleicht sogar verletzen. Drei Paare, bei denen am Ende sicher nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, die aber auf einem guten Weg zu sein scheinen.)

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Gänseblümchenblütenzupfen

Er liebt mich. Sagt er. Und ich glaube ihm, was ich keinem anderen glauben würde, was ich bei jedem anderen für Schmeichelei und Verliebtheitsrhethorik halten würde; ihm glaube ich.

Er will um mich kämpfen. Sagt er. Tut er. Er hat sich geändert, das sagt er und erzählt von den letzten Monaten, und ich bin erstaunt und ehrlich beeindruckt von den kleinen Dingen, die große Paradigmenwandel zeigen.

Er will viel von mir. Im guten Sinne. Aber trotzdem, ich zögere und weiß selbst nicht genau warum. Ist es nur wegen Prinzipien? Wegen Konventionen und dem was-die-Leute-denken? Oder ist es, weil ich selbst nicht sicher bin und nicht erneut enttäuscht werden und enttäuschen möchte?

Jeden, den ich in der Zwischenzeit kennenlernte, verglich ich mit ihm. Keiner konnte ihn erreichen. Als ich einsam war, als ich herzschmerzend andere Pärchen beobachtete, war es seine Nähe, die ich vermisste. Er war präsent in meinem Leben, auch ohne ein Teil der Gegenwart zu sein. Ich sprach so oft von ihm, dass es mich selbst wunderte.

Dennoch. Irgendwo in mir ist ein Widerstreit, den ich noch nicht richtig verorten kann. „Es hat zwei Mal nicht geklappt, sinnlos, es ein drittes Mal zu versuchen.“ „Aber er ist der Eine!“ „Vielleicht kann ich mit Liebe gar nicht richtig umgehen. Vielleicht kann ich gar nicht richtig ganz und gar und dauerhaft lieben.“ „Er liebt mich jedenfalls. Das ist sicher.“ „Es ist ein großes Risiko, jemanden zu lieben. Man macht sich verwundbar, und man kann so viel leichter schwere Verletzungen verursachen, selbst wenn man das gar nicht will.“ „Dafür macht eine gute, große Liebe das Leben so viel schöner und bunter und leichter und tiefer zugleich.“ „Überhaupt, wie soll ich das denn meiner Familie und meinen Freunden beibringen, und irgendwie auch mir selbst, ich wollte nie so wankelmütig sein.“ „Aber denk an die guten Gespräche, an das federleichte Wort-Ping-Pong, das nur mit ihm geht. Denk daran, wie gut sich seine Haut anfühlt und wie es ist, wenn er dich so intensiv anschaut, dass du verlegen lächelnd den Blick senkst.“

Ich muss eine Entscheidung treffen, eine Entscheidung, an der die Zukunft – und, wer weiß?, vielleicht auch das Glück zweier Menschen hängt. Aber ich werde mir Zeit damit lassen.

Versucht.

Ich habe es versucht. Ehrlich und ernsthaft. Ich habe versucht, ihn zu lieben. Habe versucht, eine gute Freundin zu sein. Versucht, ihn genau so anzuerkennen, wie er ist. Ihn zu nehmen mit seinen Stärken und seinen Schwächen. Ich habe ihn verteidigt vor meinen Freunden und meiner Familie und vor mir selbst. Ich habe versucht, die Dinge zu tun, über die ich mich auch freuen würde. Ich habe mich interessiert für Dinge, die ich sonst nicht besonders interessant fände, weil sie ihn interessierten. Ich habe eine kleine Welt mit ihm gebaut und große Pläne geschmiedet. Aber irgendwann passte ich nicht mehr hinein in das Bild. Das Bild war schön, aber es war nicht mehr meines. Ich habe versucht, mich ihm anzupassen, mich in den Rahmen zu zwängen, aber das funktionierte nicht. Nicht auf Dauer. Also kletterte ich aus unserem Bild und ließ ihn alleine mit seinem zerbrochenen Herzen. Ich fühle mich schuldig, aber ich kann nicht zurück. Es tut mir so leid.

Soul mate

„I seriously believed David was my soul mate.“

„He probably was. Your problem is you don’t understand what that word means. People think a soul mate is your perfect fit, and that’s what everyone wants. But a true soul mate is a mirror, the person who shows you everything that’s holding you back, the person who brings you to your own attention so you can change your life. A true soul mate is probably the most important person you’ll ever meet, because they tear down your walls and smack you awake. But to live with a soul mate? Nah. Too painful. Soul mates, they come into your life just to reveal another layer of yourself to you, and then they leave.“

(„Eat Pray Love“ by Elizabeth Gilbert)

Scheidungskinder

Die hier schon einmal thematisierte und an anderer Stelle fortgeführte Gehen-oder-Bleiben-Diskussion um die Halbwertszeit von Beziehungen hat mich daran erinnert, dass ich schon öfters Artikel wie diesen oder diesen las, in denen Studien zitiert werden, nach denen statistisch gesehen das Risiko, selbst eine gescheiterte Beziehung zu führen bzw. besser geführt zu haben, signifikant steigt, wenn sich die eigenen Eltern trennten. Nun, wenn das so ist, bin ich quasi ein unvermittelbarer Fall: Meine Eltern trennten sich, als ich 17 war. Die Eltern meiner Mutter trennten sich, als diese ein Teenager war. Die Eltern meines Vaters trennten sich nicht – führten aber eine unglückliche Ehe, zumindest aus der Sicht meiner Großmutter, die (mit Sicherheit auch dadurch beeinflusst) schon früh an Krebs erkrankte und letztlich starb. In ihren letzten Tagen sagte sie noch zu meiner Mutter, ihrer Schwiegertochter: „Mach nicht den selben Fehler, den ich gemacht habe!“ Ich entstamme also sozusagen einer Dynastie von Kindern aus unglücklichen Beziehungen. Immer waren es die Frauen, von denen eine Trennung ausging (auch wenn Großmutter diesen letzten Schritt nicht ging, vielleicht aus Angst, vielleicht aus Pflichtgefühl). Die Männer machten unter Umständen blöde Sachen, wie mit anderen Frauen zu flirten, im Extremfall ihre Frauen sogar zu betrügen oder kurzzeitig zu verlassen, vielleicht vernachlässigten sie auch einfach nur ihre Frauen und Kinder emotional, möglicherweise sogar ohne Absicht. Aber den Schritt hinaus aus der Beziehung, hinein in ein ungewisses Leben, auf sich allein gestellt und finanziell nur schlecht ausgestattet, den machten die Frauen.

Wenn es einen Glaubenssatz gibt, den ich von meiner Mutter mitbekommen habe, durch unzählige implizite und explizite Wiederholungen über die Jahre verinnerlicht, dann den: „Bewahr dir deine Unabhängigkeit! Mach dich nie von einem Mann abhängig!“ Alternativ dazu vielleicht noch die Weisheit „Beziehungen vergehen, Freundschaften bestehen“ verbunden mit der Mahnung, mich nicht zu sehr in die Zweisamkeit zu stürzen und darüber meinen Freundeskreis zu vernachlässigen. Aber sind diese Mantren das Resultat einer gescheiterten Beziehung – oder auch ein Stück weit der Grund dafür? Irgendwo habe ich einmal das Statement gelesen oder gehört, wenn in einer Beziehung die Trennung eine denkbare Option wird, dann ist die Beziehung schon gescheitert. Aber ist nicht, wenn man selbst miterlebt hat, wie die Beziehung der Eltern auseinanderbrach, eine Trennung immer eine denkbare Option? Und schließlich ist es oft genug so, dass man als Kind, selbst wenn man sich eigentlich heimlich gewünscht hätte, die Eltern wären friedlich freundlich eierkuchenmäßig bis ans Ende ihrer Tage zusammengeblieben, doch auch die Entspannung bemerkte, die sich nach der Trennung ausbreitete. All die Streitereien oder wahlweise das Anschweigen beim Abendbrot, die zum Schneiden dicke Luft im Wohnzimmer, die mühsam zurückgehaltenen Tränen der Mutter oder der Knall, wenn die Tür hinter dem Vater ins Schloss fällt – vorbei. Glückliche Eltern sind bessere Eltern, ob sie nun zu zweit oder alleine glücklich sind. Wenn man um diese Wirkung von Trennungen weiß, fällt vielleicht auch selbst der Schritt vom bisherigen, nicht mehr glücklich machenden Lebenspartner weg leichter. Wenn man weiß, dass es auch alleine weitergehen kann. Dass es immer irgendwie weitergeht. Dass Glück nicht nur in Beziehungen, sondern auch in anderen Lebensbereichen gefunden werden kann.

Aber andererseits sind alle Scheidungskinder, die ich kenne (was etwa 50 % meines gleichaltrigen Freundeskreises entspricht), an sich zutiefst romantisch veranlagt, Menschen, die daran glauben, dass es so etwas wie die große Liebe wirklich gibt und die bestenfalls aus den Fehlern ihrer Eltern lernen, auf jeden Fall aber alles besser als diese machen wollen. Bei manchen sieht es aus, als ob sie das schaffen werden, bei manchen ist zumindest meine Prognose negativ, aber wir sind alle noch einigermaßen jung und ein abschließendes Urteil darüber muss noch mindestens 30 bis 40 Jahre warten. Ich habe mal gehört, dass Kinder aus gescheiterten Beziehungen sich häufig Partner suchen, die sie unbewusst an ein Elternteil erinnern. Tatsächlich hatte mein Exfreund in gewisser Hinsicht Ähnlichkeiten mit meinem Vater, auch wenn er das immer entrüstet weit von sich schob. Umgekehrt gab es vielleicht auch ein paar Parallelen zwischen mir und seiner Mutter, die ebenfalls schon seit vielen Jahren geschieden ist. Jetzt könnte man natürlich tiefenpsychologische Erklärungsversuche starten (in etwa so: wir wuchsen beide bei unseren Müttern auf, haben beide ein viel engeres Verhältnis zu den Müttern als zu den Vätern, von daher ist es kein Wunder, dass ich ihn, der mich an meinen Vater erinnerte, verließ, während er, den ich an seine Mutter erinnerte, mich nicht aufgeben möchte). Aber ich bin auch skeptisch, wenn es darum geht, alle aktuellen Lebensereignisse auf frühere Erlebnisse zurückzuführen; ich glaube durchaus an 1. den freien Willen und 2. die Fähigkeit, Dinge zu verarbeiten (auch wenn man sein Päckchen natürlich immer mit herum trägt, aber es muss nicht zwangsläufig immer beeinflussen). Letztendlich ist es wohl eine Kombination aus verschiedensten Faktoren, die zu den Entscheidungen führt, die wir treffen. Ergründen kann man diese Kombination nur gelegentlich und im Einzelfall  – aber es ist spannend, darüber nachzudenken.

Bennetsche Gedankengänge

Neulich, ein Gespräch unter Frauen. Thema: Männer. Im Allgemeinen und einer im Speziellen.

„Könntest du dir denn vorstellen, was mit ihm anzufangen, so beziehungsmäßig?“

„Naja, er ist attraktiv, das schon. Und ein netter Typ. Ein guter Freund. Höflich, aufmerksam, und sehr zärtlich. Aber irgendwie… nee.“

„Nee?“

„Nee, irgendwie passt das nicht. Ich mag ihn, aber er und ich, das würde auf Dauer nicht gut gehen. Und er will ja gerade sowieso keine Beziehung.“

Traurig, dass mir erst rückblickend auffällt, dass in dem ganzen Gespräch kein einziges Mal das Wörtchen „Liebe“ auftauchte. Dass „Liebst du ihn denn?“ nicht im Fragenkatalog und „Aber ich liebe ihn eben nicht“ nicht in den Begründungen vorkam. Gut, dass das Bauchgefühl diesen Mangel wenigstens früher bemerkte als der Kopf.

Für immer?

Ich bin zur Zeit ernsthaft am Zweifeln, ob das mit der großen Liebe für immer und ewig wirklich eine gangbare Option ist oder nicht doch nur ein Marketingschwindel, der uns daran hindern soll, vorschnell zu verbittern. Gut, dass meine Beziehung kürzlich zerbrach, so what, ich bin erst Mitte Zwanzig, das war mein erster richtiger Freund, wäre ja auch unverschämt großes Glück gewesen, gleich auf Anhieb den Hauptgewinn zu ziehen. Da ist schon noch Luft nach oben. Aber wenn ich mich mal eine Generation darüber umsehe: all die Paare in meinem Bekanntenkreis, plusminus fünfzig, ein bis zwei Kinder, Eigenheim, jeder macht sein Ding, klassisches Muster, jetzt werden die Kinder, der verbindende Kitt, langsam flügge und schmerzlich wird man sich bewusst, dass die gemeinsamen Themen sich auf „Aber du hast versprochen, diese Woche die Hecke zu schneiden!“ und „Ist die Milch schon wieder alle?“ reduziert haben. Hinzu kommen natürlich noch all diejenigen, die die Fahrtrichtung schon früher erkannt und die Trennung bereits hinter sich gebracht haben. Ich war immer eine große Romantikerin. Liebe auf den ersten Blick, das war nicht so mein Ding, eher die Jane-Austen-Nummer, in der die junge, hübsche Hauptdarstellerin zufällig diesen großen, unhöflichen Typen mit dem markanten Gesicht kennenlernt, gleich bei ihrem ersten Zusammentreffen mit ihm aneinander gerät und trotzdem ist dem geneigten Zuschauer klar, dass spätestens nach 120 Minuten das gemeinsame Happy End folgt. Das war immer mein Wunschbild. Inzwischen mache ich mir ernsthaft Gedanken darüber, ob „friends with benefits“ ein dauerhaft umsetzbares Konzept ist. Aber wohl eher nicht, nicht langfristig, nicht für mich, jedenfalls. Das wird spätestens bewusst, wenn in dieser kitschigen BBC-Produktion nach vier Stunden Drama er zu ihr fährt und sie zu ihm, und natürlich verfehlen sie sich, aber beim Halt an einem Bahnhof in der Mitte treffen sich die beiden Züge, sie sehen sich sofort, treffen sich auf dem Bahnsteig und nach kurzem Gespräch folgt der obligatorische Kuss, der in Wirklichkeit zu dieser Zeit in dieser Gesellschaft so undenkbar gewesen wäre, alles geht gerade noch einmal so gut aus, und ich sitze vor dem Fernseher und bemerke erst beim Abspann, dass sich meine Hand ins Fell meiner Katze gekrallt hat und ich beinahe zwanghaft das kleine schnurrende Lebewesen an meiner Seite streichle und herze und an mich drücke, um dieses fast schon schmerzhafte Schmetterlingsgefühl in der Magengrube zu katalysieren. Vielleicht ist „für immer“, die wirklich gute, befriedigende Variante davon, seltener als ein Sechser im Lotto. Aber ich werde trotzdem danach suchen.

Boote in der Nacht

Liebe kann vieles, doch manchmal ist Liebe nicht genug.
Glaube ist stark, doch manchmal ist Glaube Selbstbetrug.
Wir wollten Wunder, doch sie sind nicht geschehn.
Es wird Zeit, dass wir uns endlich eingestehn:
Wir sind wie zwei Boote in der Nacht
Jedes hat sein eig’nes Ziel und seine eigene Fracht.
Wir begegnen uns auf dem Meer, und dann fällt der Abschied uns schwer.
Doch was uns treibt, liegt nicht in uns’rer Macht.
Wir sind wie zwei Boote in der Nacht
Jedes hat sein eig’nes Ziel und seine eigene Fracht.
Wir begegnen uns auf dem Meer, und sind mehr allein als vorher.
Warum wird uns das Glück so schwer gemacht?

(„Boote in der Nacht“ aus dem Musical „Elisabeth“)

An T.

Lieber T.,

ich weiß nicht, ob du das hier lesen wirst. Du last früher regelmäßig diesen Blog, aber vielleicht tust du es nicht mehr, weil es dich nicht mehr interessiert, oder aus Selbstschutz. Ich schreibe hier und nicht persönlich an dich, weil ich keine frischen Wunden aufreißen will. Aber vielleicht findest du den Text trotzdem irgendwann, und dann hätte er sein Ziel erreicht.

Es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe. Was ich tat, war notwendig, für mich, und damit auch für uns beide, für dich, weil eine Kette immer nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied, und trotzdem war das Schlimmste, dich zu verletzen und vorher gewusst zu haben, dass ich dich verletzen werde. Der Schritt fiel mir schwer, sehr schwer, obwohl etwas in mir wusste, dass er notwendig war. Ich zögerte, weil ich dir niemals Schmerzen zufügen wollte, und tat es doch, weil es keine Alternative dazu gab. – Letztes Jahr sagtest du ähnliche Worte zu mir, und ich verstand sie nicht. Ich war erfüllt von Trauer und Schmerz und Zorn und hätte dich am liebsten angebrüllt: „Wieso siehst du nur das Dunkel und nicht das Licht, das dahinter kommt, kommen wird, kommen muss, wenn wir nur immer geradeaus gehen?“ Heute, da die Rollen umgedreht sind, weiß ich, wie du dich damals fühltest. Und wenn du mir heute meine Frage von damals stelltest, lautete die Antwort: „Weil geradeaus kein Licht mehr kommt, mein Lieber. Weil du nach rechts und ich nach links abbiegen müssen, um das Licht zu finden, oder irgendetwas, zumindest etwas anderes als diese dunkelgraue Nebeldecke, auch wenn wir es jetzt noch nicht sehen und vielleicht nicht einmal erahnen können. Aber was wir auch finden werden, es wird besser sein als das ewige Schwarz, das geradeaus vor uns liegt, selbst wenn wir das Schwarz ab und zu mit unseren Streichhölzern erleuchten können. So hell unser entfachtes Licht auch scheinen mag, das Streichholz ist schnell heruntergebrannt und dann ist es wieder finster. Und irgendwann wird die Schachtel mit den Streichhölzern leer sein.“

Ich mag dich, ich mag dich sehr. Du warst lange Zeit der wichtigste Mensch in meinem Leben, nicht nur Geliebter, sondern auch bester Freund, Weggefährte, der Mensch, der meinen Alltag teilte und meine Geheimnisse kannte. Du wirst in meinem Leben eine Lücke hinterlassen, genauso, wie ich das in deinem Leben tue. Aber die Lücken werden sich langsam schließen, so wie eine Wunde, die verheilt. Erst entsteht Schorf, und man ist versucht, daran zu kratzen, aber dann blutet es nur wieder, und der Prozess beginnt von neuem. Irgendwann wirst du es schaffen, die Wunde in Ruhe heilen zu lassen, bis die Haut wieder ganz neu und rein ist. Dann, wenn die Erinnerungen an mich, an uns, nicht mehr von Schmerz und Wehmut, sondern von Gelassenheit getragen sind.

Ich wünsche dir ganz ehrlich und aus vollem Herzen nur das Beste. Ich wünsche dir, dass du herausfindest, was du suchst, bis du dich auf den Weg machen kannst, es zu finden. Ich wünsche dir Freude und Erfolg und Menschen, die es gut meinen mit dir. Ich wünsche dir, dass du glücklich wirst.

Deine C.

Liebe ist… wie Fernsehserien

Wir sind wie Ted und Robin: Verstehen uns prima, aber passen doch nicht recht zusammen. Wir sind wie Moray und Denise: Wollen beide nur das Beste, aber scheitern immer wieder an Perfektionismus und Konkurrenzdenken. Wir sind wie Jeff und Britta: Das Begehren ist größer als die Alltagskompatibilität. Wir sind wie Kate und Dave: Haben ambitionierte Pläne, nur leider in unterschiedliche Richtungen. Wir sind wie Penny und Leonard: Können nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander. Gibt es eigentlich auch Serienpärchen mit Happy End?