Professorenplausch

So ein Fernstudium ist ja per definitionem eine einsame Angelegenheit. Um das ein bisschen zu ändern, Gesprächspartner zu finden und Motivationstiefs zu überwinden, haben wir hier einen kleinen Stammtisch, angehende Kulturwissenschaftler und Philosophen treffen sich einmal monatlich zur gemütlichen Runde im Bistro. Durch diverse Zufälle lief einem der Kommilitonen vor kurzem ein emeritierter Professor jener unserer fünfhundert Kilometer entfernten Fernuni über den Weg, und irgendwie wurde daraus eine Einladung zu gemeinsamem Essen und Diskussionsrunde – Was würde Kant zur Flüchtlingsdebatte sagen? – mit eben jenem Philosophieprofessor, Herr B.. Ich machte mich ganz unbedarft auf den Weg, in Erwartung einer größeren Runde und eines sympathischen, mittelerfolgreichen Ex-Professors. Tatsächlich waren wir nur zu viert und der Professor B. durchaus sympathisch, allerdings nicht nur mittelerfolgreich, sondern mit Koryphäencharakter, und als ich im Nachhinein feststellte, dass es über ihn nicht nur eine Wikipedia-Seite gibt, sondern diese auch noch ganz ohne Trivia reichlich gefüllt ist, erschien es mir erst recht merkwürdig, dass ich nur eine halbe Stunde zuvor noch mit diesem Mann in der U-Bahn gesessen und über Urlaubsziele geplauscht hatte. Und obwohl wir ja nur einen Abend miteinander verbrachten, ich nur einen winzigen Ausschnitt von ihm kenne und er noch weniger von mir, hat diese Begegnung und vor allem die völlige Unvoreingenommenheit und Aufgeschlossenheit eines sehr klugen, erfolgreichen Mannes gegenüber uns Studenten mir einen gerade wirklich notwendigen Motivationsschub gegeben, mich auf meine anstehende Klausur vorzubereiten, die mir derzeit ziemlich fest im Nacken sitzt. Bei der Klausur müssen wir Fragen zu einem von vornherein feststehenden Kurs und zu einem weiteren aus der Auswahl von drei Kursen beantworten; welcher der dreien es sein wird, wurde heute bekannt gegeben. Geschrieben hat ihn Professor B..

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Home, sweet home

Ich bin wieder zuhause! Naja, noch nicht ganz zuhause. Aber nur noch 250 km statt 3000 km entfernt und somit schon glückliche Überlebende des Rückfluges. (Ja, ich weiß, dass das statistische Risiko, auf den restlichen Kilometern bei einem Autounfall zu sterben, viel größer ist als das, mit dem Flugzeug in den Atlantik zu krachen. Trotzdem… ich bin immer froh, wenn ich wieder auf dem Erdboden stehe.) Demnächst gibt es also auch wieder mehr Lesefutter. Das heißt, eigentlich müsste ich dringend für meine Klausur in der nächsten Woche lernen. Aber ich kenne mich gut genug, um mit Sicherheit sagen zu können, dass ich trotzdem gelegentlich Lernpausen zum Bloggen verwenden werde. Und für Urlaubsendmelancholie. Denn eigentlich wäre ich ja gestern lieber auf der Insel geblieben als ins regnerische Deutschland zu fliegen. Aber man muss nun mal das Beste aus dem machen, was man hat, und wenn das heute Fotosortiererei und das Nerven der Familie mit allzu ausführlichen Reiseberichten ist, dann ist das eben so.

Klausurenpanik

Noch eine Stunde, bis ich mich auf den Weg zur Prüfung mache. In meinem Kopf ist alles ein bisschen matschig, zumindest fühlt es sich so an, aber ich hoffe einfach, dass die passenden Erinnerungen wieder auftauchen, wenn ich die Klausur vor mir liegen habe. Mein Magen macht, was er will – dagegen gibt es Argentum nitricum in Globuli-Form, bei Magen-Darm-Problemen in Folge von Nervosität vor wichtigen Terminen kann ich das nur empfehlen. In der Küche steht schon zusammengestellt mein Vorrat für die Klausur; Kokoschips fürs nervöse Knabbern, Schokoriegel für die schnelle Zuckerzufuhr und ein kleines Fläschen guter alter Rotbäckchensaft, der mich kurz vor Beginn der Klausur hoffentlich mit allerlei gesunden Inhaltsstoffen hochpusht. Und natürlich eine Flasche Wasser. Ansonsten: Studentenausweis, Personalausweis, Anmeldebestätigung und funktionierende Stifte. Puuuh, bald geht es los. Drückt mir die Daumen!

Präklausurale Belastungsstörung

Morgen in einer Woche ist es wieder so weit: Die nächste Klausur steht an, dieses Mal heißt das zu prüfende Modul „Einführung in die Literaturwissenschaft“. Seit ungefähr drei Monaten trage ich permanent kleine Karteikartenstapel mit dem auswendig zu lernenden Glossar mit mir herum – mit der Folge, dass die Karten in meiner Handtasche immer mehr aussehen, als wären sie im Dauergebrauch, und das ganz ohne, dass ich die Begriffe ebenso gut beherrsche -, und seit etwa einem Monat ist die Panik akut. Sämtliche Literatur, die nicht irgendwie klausurrelevant ist, sondern lediglich der Unterhaltung dient, habe ich konsequent verdrängt; davon ausgenommen sind Zeitungen und Zeitschriften, was die Sache nicht besser macht, denn im Moment habe ich sowohl ein „Spiegel“- als auch ein „Die Zeit“-Probeabo laufen. Und damit kann man eine ganze Menge Lesezeit fabrizieren. Die schmale Zeitspanne, die zwischen Arbeit, Haushalt, Zeitungslektüre, Schlaf- und Informationsbedürfnis noch bleibt, fülle ich zur Zeit mit der Lektüre einer außerordentlich gut gelungenen Literaturgeschichte aus der Stadtbibliothek („Geschichte der deutschen Literatur“ in sechs Bänden, herausgegeben von Joachim Bark und Dietrich Steinbach im Klett-Verlag), die nicht nur die Autoren und ihre Werke, sondern auch die zeitgeschichtlichen Umstände sehr detailliert ausleuchtet. Inzwischen sehe ich im Epochenbereich schon klarer; fehlen nur noch Literaturtheorien, Textanalyse, Literaturrrecherche und Grundbegriffe der Rhetorik, Editionswissenschaft, Lyrik- und Dramenanalyse. Ich geh dann mal wieder lernen.

Heureka!

Es ist vollbracht – und war dann irgendwie doch gar nicht so schlimm wie erwartet. Megamäßig aufgeregt und superduperpünktlich kam ich an und sah schon eine Dame in den Vierzigern (Menschen, die ich kenne, hätten sie mit „Teilzeitmutti“ umschrieben) vor dem Hörsaal sitzen und warten, da wusste ich, ich bin hier richtig. Da aber nicht nur KuWi dort geschrieben wurde, sondern auch Psychologie (und dank Fernunterrichtskonzept ist Hagen die einzige Uni Deutschlands, die das NC-frei anbietet), war ich nicht mal die Allerjüngste dort. Etwas verwirrt hat mich lediglich, dass bereits nach einer Dreiviertelstunde (von vier!) die erste ihre Klausur abgab… aber gut, vielleicht war die richtig schlau und richtig schnell schreibend, wer weiß. Jetzt jedenfalls bin ich echt erleichtert, freue mich drauf, erstmal keine philosophischen Argumente mehr auswendig lernen zu müssen, freue mich außerdem, weil ich jetzt zumindest einige historische Persönlichkeiten mehr habe, deren exakte Geburtsdaten ich weiß (weil das nämlich voll hilfreich beim „Wer bin ich“-spielen im Auto ist) und bin schon sehr gespannt darauf, in einigen Wochen das Ergebnis zu bekommen. Und jetzt wird erst mal virtuell angestoßen (in echt ist leider keiner da): Cheers!

Klausurenfieber

Heute steht das Lernen in der Prioritätenliste ganz oben. Ich habe heute Urlaub vom normalen Job genommen, und in gut zwei Stunden werde ich in einem fremden Unigebäude sitzen und meine erste Klausur auf Universitätsniveau schreiben. Das mit dem Fernstudium ist schon eine tolle Sache, aber in solchen Situationen denke ich manchmal, ich hätte doch einfach ganz normal studieren sollen. Aber gut, die Umstände sind jetzt so, wie sie sind, und ich habe mich ja auch selber so entschieden.

Meine Vorbereitung ist… okay. Es könnte perfekter sein, sogar wesentlich perfekter, und mir als Perfektionistin macht das zu schaffen. Aber da muss ich mich wohl einfach der Realität beugen und sagen: Es ist das, was machbar war. Und hoffen, dass der Fokus auf den Themen liegt, die mir liegen.