Stille

Eine der schönsten Eigenschaften des Winters ist die Stille. Stille, die draußen ist, wenn du abends aus der U-Bahn-Station nach oben steigst und es außen kalt und windig und nieselig ist, fast niemand unterwegs außer dir, du hörst nur die Regentropfen auf deiner Kapuze und den Wind, der zwischen den Häusern pfeift und ein paar übrig gebliebene Herbstblätter über den schmutzigen Boden wirbelt. Da sind keine anderen Menschen mehr, nicht mal Autos oder die Straßenbahn, und die Stille von draußen erlaubt es deinem Kopf, die ganze Klangwelt in Beschlag zu nehmen und zu füllen mit der Musik, die gerade in deinem inneren Radio läuft, oder den mehr oder weniger kuriosen Selbstgesprächen, in denen du einem imaginären Freund von deinem Leben erzählst, oder einfach mit – Stille. Eine Leerstelle, die einfach mal leer bleibt und nicht sofort ausgefüllt werden muss, die sich vielleicht ganz langsam und allmählich füllen kann, aber eben nicht notwendigerweise. So mag ich auch kaltwindignieselige Wintertage.