Ansichtssache

Vor einer Weile kam ich schlecht gelaunt, unlustig und überhaupt einfach nicht gut drauf in die Arbeit. Ein Raum, in dem ein Teil meiner Arbeit stattfindet und den Kollegen aus verschiedenen Abteilungen nutzen, war vollgestellt mit allerlei Kram, der am Tag davor noch nicht dort stand. Ich war davon genervt und begrüßte eine Kollegin, die kurz nach mir ankam, mit einem „Oooh, das ist alles wieder so voll hier“ – in der Erwartungshaltung, sie würde in mein Lamento einstimmen. Stattdessen lächelte sie mich an und sagte: „Ach, wir schaffen das trotzdem, meinst du nicht?“

Manchmal ist es einfach eine Frage der Betrachtungsweise. Schaue ich das an, was mich nervt, suche ich danach, was andere vielleicht falsch gemacht haben, oder mache ich einfach das Beste aus dem, was mir zur Verfügung steht? Manchmal braucht es einen anderen Menschen, der einen aus einer eingefahrenen Haltung oder auch nur einer schlechten Stimmung herausschubst. Jener Kollegin bin ich jedenfalls sehr dankbar für ihren kleinen feinen Satz, der mich daran erinnert hat, dass ich ein äußerst glücklicher Mensch bin, wenn mein größtes Problem ein paar herumstehende Dinge sind.

Freitag der 13. reloaded

Letzte Woche hatten wir einen Freitag den 13. – und mir ist nichts blödes passiert, im Gegenteil hatte ich sogar einen ziemlich schönen Tag. Tja, dafür hat mich das Pech (und meine persönliche Schusseligkeit) heute ordentlich eingeholt: Ich hatte morgens verschlafen und war dementsprechend müde und hektisch, als ich das Haus verließ, in der Tasche unter anderem etwas zu essen für die Mittagspause, und darunter unter anderem ein Erdbeerjoghurt. Ich nehme mir seit zwei Jahren mindestens zweimal die Woche einen Joghurt mit und bislang sorgte der noch nie für Störungen im Betriebsablauf. Bis heute. Heute holte ich im strömenden Regen mein Fahrrad aus dem Fahrradraum, stellte es wie immer auf den Hof, die Tasche bereits auf dem Gepäckträger, und drehte mich um, um die Tür abzuschließen. Während ich nicht hinsah, fiel dummerweise das Fahrrad um (war wohl etwas schief geparkt, und das stabilste Rad ist es ohnehin nicht). Ich fluchte bereits innerlich, weil mir in einer ähnlichen Situation schon mal die Handbremse kaputt ging. Die funktionierte aber noch, was mich freute. Schnell zur Arbeit geradelt – und da haben wir den Salat: Als ich nach der Zugangskarte für unseren Hochsicherheitseingang (naja, fast) greifen wollte, griff ich stattdessen in – genau, richtig geraten – Erdbeerjoghurt! Durch den Sturz war der Becher geplatzt und der Joghurt hatte sich in der ganzen Tasche verteilt. Über meine Lunchbox und die Wasserflasche, über Kalender und Geldbeutel, Kugelschreiber, Taschentücher, Minzbonbondose, Kopfhörerkabel und den Brief, den ich eigentlich auf dem Heimweg einwerfen wollte. Also verbrachte ich die erste halbe Stunde meiner Arbeitszeit mit dem Säubern meines gesamten Tascheninhalts und der Handtasche selbst. Da kommt Freude auf! Weiter ging der Tag dafür relativ ereignislos grau, womit er perfekt zu dem Wetter vor dem Fenster (wechselnd hell- und dunkelgrau mit jeweils passenden Regenmengen) passte. Mmh. Gestern war auch schon so ein blöder, nasser, irgendwie ganz und gar unschöner Tag. Wenn das jetzt der neue Herbst ist und es bis schätzungsweise Mai 2014 so weiter geht, werde ich noch zur waschechten Pessimistin.