Vom Alleinsein

Beim letzten Mal hatte ich Angst vor dem Alleinsein. Aber ich lernte: Auch damit kann ich zurecht kommen. Deshalb habe ich mir dieses Mal vorgenommen, das Alleinsein ganz bewusst zu erleben. Heute war ich wandern, in einer Gegend, die nicht weit weg liegt, in der ich aber noch nie war. Wandern ist eine gute Alleine-Beschäftigung. Man läuft alleine und trifft trotzdem immer wieder andere Menschen auf dem Weg. Es ergab sich sogar, dass ich eine kurze Wegstrecke gemeinsam mit jemandem lief, den ich zufällig traf und nach dem Weg fragte. Ich weiß nicht einmal seinen Namen, aber wir unterhielten uns gut. In der S-Bahn auf dem Heimweg sprach mich ein Mann an, dessen Gesicht mir vage bekannt vorkam; es stellte sich heraus, dass wir eine Zeit lang im selben Unternehmen, aber in völlig unterschiedlichen Bereichen arbeiteten. Auch mit ihm unterhielt ich mich auf eine angenehme Art. Am Abend beschloss ich spontan, ins kleine Programmkino um die Ecke zu gehen und mir „A long way down“ anzusehen. Ich rechnete schon damit, die Einzige zu sein, die sich an einem Sonntag Abend bei schönem Wetter ins Kino setzt und tatsächlich waren nur wenige Besucher dort – unter anderem aber eine nette Kollegin, die ganz in meiner Nähe wohnt und die ich trotzdem noch nie einfach so traf. Der Film war schön und wir konnten sogar noch ein Stückchen des Nachhauseweges gemeinsam gehen. So war also selbst der ausgesprochene Alleine-Tag doch noch gefüllt mit Begegnungen, durchgehend positiver und unaufdringlicher Natur. Das macht mir Mut für die kommende Zeit.