Österreichisches Fundstück

Letztes Wochenende war ich auf einer Präsenzveranstaltung für mein Studium, auf dem ein österreichischer Kommilitone, gefragt nach der politischen Situation in Österreich, sinngemäß antwortete, es sei zwar prinzipiell alles besch***en, man müsse allerdings bedenken, dass Österreich kleiner als Bayern und die Situation dort deshalb trotzdem nicht wirklich relevant sei.

Von dieser Interpretationsweise mag man halten, was man will; ich habe mich jedenfalls gefreut, als ich über piqd auf eine Rede gestoßen bin, die der Schriftsteller Michael Köhlmeier anlässlich des Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Österreichischen Nationalrat hielt. Er nutzt seine Rede nicht nur, um an vergangene Gräueltaten zu erinnern, sondern auch, um vor Wiederholungen in anderer Form zu warnen. Der wohl wichtigste Satz seiner Rede: „Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem großen Schritt, sondern mit vielen kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung.“

Diese Erinnerung scheint mir sehr wichtig, hilfreich und nötig zu sein in Zeiten, in denen Ministerpräsidenten auch hierzulande munter Religionen gegeneinander ausspielen, Polizeibehörden die umfangreichsten Eingriffsrechte seit 1945 bekommen sollen, von der Bundesregierung geplant wird, Menschen in Lagern zu konzentrieren und ehemalige Minister sich öffentlich darüber echauffieren, dass Menschen rechtsstaatliche Mittel nutzen.