Winterwonderland

Als Stadtbewohnerin bin ich ja fast keinen Schnee mehr gewöhnt. Die Winter hier sind üblicherweise eher grau, nass und matschig als weiß und pulvrig. Aber heute habe ich ganz unverhofft einen richtigen Wintertag erlebt. Ein Stück Kindheitsmagie: In der unberührten Schneedecke hinterlassen wir unsere Abdrücke, stapfen nebeneinander durch den knöchelhohen Pulverschnee. Die Schuhe werden weiß, es ist kalt und nass, aber gleichzeitig scheint die Sonne auf uns und den Schnee und beleuchtet die Stille, so dass die Kälte und die Nässe und die unfreiwilligen Landungen auf dem Allerwertesten überhaupt nichts ausmachen, weil das Gesamtbild so unfassbar ruhig und stimmig ist. Es ist eine distanzierte Art von Schönheit, aber deshalb nicht weniger wertvoll als die Frühlingsblumenwiesen oder das satte Sommergrün oder die Herbstlaubmelancholie. In den letzten Jahren spürte ich den Winterzauber kaum, ob es am Stadtleben oder am Älterwerden liegt, weiß ich nicht. Aber heute, für einen kurzen Moment, kam er zurück.