Weihnachtsvorbereitungen I – Geschenke

Ich mag Weihnachten. Und ich mag Geschenke. Ich weiß, dass viele Weihnachten als Konsumterrorveranstaltung betrachten, als verachtenswertes marketinggehyptes Glitzerevent, das nichts mehr mit den Wurzeln dieses Festes zu tun hat. Das kann ich verstehen. Mich nervt es ebenfalls, dass allein die Existenz von Weihnachten von Kosmetikherstellern und Elektrofachgeschäften zum Anlass gemacht wird, um aggressive und nervige Werbung zu schalten. Auch die Busladungen voller Touristen, die Tag für Tag zwecks Weihnachtsmarkt in die Innenstadt gekarrt werden, die seit Ende August mit Lebkuchen befüllten Supermarktauslagen und die x-te Version von „Rockin‘ around the Christmas Tree“ im Radio finde ich anstrengend. Aber trotzdem: Ich mag Weihnachten. Ich mag es, im Dunkeln und Kalten über einen Weihnachtsmarkt zu schlendern und mir die Hände an einem heißen Punsch aufzuwärmen. Ich mag die Weihnachtsbeleuchtung, die die ganze Stadt in ein schönes, warmes Licht taucht. Und ja, ich mag auch Geschenke. Ich freue mich, wenn Menschen sich Gedanken darüber machen, was mir gefallen könnte. Mindestens genauso gerne, wenn nicht fast noch etwas lieber, mache ich Geschenke. Ich stöbere gern in Geschäften, ich versuche, Randbemerkungen aufzuschnappen über Dinge, die jemanden interessieren. Ich bastele, male und nähe, manchmal bis tief in die Nacht. Ich kaufe unheimlich gerne Geschenkpapier, weil ich so gerne Geschenke einpacke. Es ist mir Jahr für Jahr eine große Befriedigung, wenn sich Mitte Dezember die Päckchen in meinem Wohnzimmer stapeln – fein säuberlich sortiert, eine Tüte für die Bescherung im Familienkreise an Heilig Abend, eine für die Menschen, die ich erst später treffe, und eine letzte Tüte mit den Geschenken, die per Post auf die Reise zu ihren Empfängern gebracht werden müssen. Das Spannendste am Heiligen Abend ist, wenn die Lieben um mich herum ihre Geschenke auspacken. Habe ich den Geschmack getroffen? Ist die Überraschung gelungen?
Ich kenne einige Menschen, die Weihnachtsgeschenke für eine furchtbare Erfindung halten. Die „dieses Jahr schenken wir uns nichts“-Vereinbarungen treffen, die überhaupt finden, dass der ganze Konsum völlig gegen die Botschaft vom Gottessohn, der im Stall geboren wird, geht. Und vielleicht haben sie damit Recht. Aber ich werde weiterhin mit Vergnügen schenken und mich beschenken lassen, denn für mich geht es dabei vor allem um den Ausdruck von Wertschätzung.

Bastelwahn

Ich glaube, ich habe mich verliebt. In einen Laden. Der ist mitten in der Fußgängerzone, aber etwas versteckt in einem Hinterhof, so dass ich ihn bis zum heutigen Tag noch niemals betreten habe. Und das war wahrscheinlich gut für mein Portemonnaie.
Aber von vorne. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach Stoffmalfarbe für das Geburtstagsgeschenk meines Bruders. Und weil ich nicht so genau wusste, wo ich die in dieser Stadt finden kann, fragte ich meinen guten Freund Google, der mir die Adresse dieses Hinterhofladens verriet. Dabei handelt es sich um ein Geschäft, das Bastel- und Kreativmaterial aller Art im Sortiment führt: Von Porzellan-, Acryl-, Aquarell-, Stoff-, Glas- und Ölfarben über Strickwolle bis hin zu Leinwänden jeder Größe, Perlen und Spiegelaufkleber, Patchworkstoffe, Pappbuchstaben zum Hinstellen, überhaupt Papp- und Styroporrohlinge in allen möglichen und unmöglichen Formen, Füllwatte und Golddraht, Kettenverschlüsse und Holzfiguren, Passepartoutkarten und neonfarbene Stempelkissen, ja, sogar Styroportorsos in Lebensgröße! Ich kenne einige Menschen, die so etwas todlangweilig finden. Ich kann von solchen Läden gar nicht genug bekommen. Dabei bin ich eigentlich gar keine so große Basteltante, aber diese Geschäfte strahlen für mich eine solche kreativ aufgeladene Atmosphäre aus, dass ich am liebsten alles vergessen und mich mit Nähmaschine, Pinsel und Heißklebepistole dort häuslich einrichten würde.
Na gut, die Stoffmalfarbe, die ich wollte, habe ich bekommen. Und außerdem ein Dutzend andere Dinge. Und ganz viele Ideen, was ich in der näheren Zukunft dort vielleicht noch einkaufen könnte. Denn schließlich ist ja bald Weihnachten – Geschenkebastelei, ich komme!