Turbulente Ruhe

Es ist jetzt einen guten Monat her, dass mein Studium auch ganz offiziell abgeschlossen ist und ich damit theoretisch das erste Mal seit sechseinhalb Jahren keine Verpflichtungen mehr habe, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme. Das ist nach wie vor ein verrücktes Gefühl, denn ich kann schlecht damit umgehen und neige dazu, unproduktiv vor Facebook oder in mich wütend machenden Kommentarspalten zu versacken. Deshalb habe ich mir selbst ein paar Aufgaben gestellt: Ein großes Ziel ist es, mit dem Studienabschluss einen neuen Job zu finden. Dafür schreibe ich nun fleißig Bewerbungen (verbringe aber auch unnötig viel Zeit auf Xing und Co); möchte meine Photoshop-Kenntnisse auffrischen und ausbauen; trotz des Suchtpotentials mehr auf Instagram und Twitter aktiv werden, da viele für mich interessante Jobs Social-Media-Kenntnisse voraussetzen; und dann habe ich spontan auch noch eine Rolle in einer studentischen Theaterinszenierung einer guten Freundin angenommen. Ach, und in zwei Monaten veranstaltet meine Tanzschule einen großen Ball, zu diesem Anlass will ich mir endlich mal wieder ein schönes, elegantes Kleid nähen (und entwerfen, und konstruieren). Ich merke also: Zum entspannten Nichtstun bin ich nicht geboren.

Weg damit!

In den letzten vier Wochen kam ich nicht gerade regelmäßig zum Bloggen. Das hatte auch einen Grund: Eine Hausarbeit mit dem furchtbar sperrigen Titel „Die Bestimmung des Verhältnisses von Leben und Arbeit bei Hannah Arendt und Karl Marx“. Im Prinzip beschäftigte mich diese Arbeit schon seit Ende September, so richtig akut aber erst in den letzten Wochen, in denen dann ganz offiziell die Bearbeitungsfrist lief. Zwischenzeitlich bin ich wegen des Themas schon geistig Amok gelaufen, wünschte Marx zum Teufel und fühlte mich trotzdem selbst fast wie eine angehende Kommunistin, als ich die Bibliothek mit „Das kommunistische Manifest“ so wie „Das Kapital“ Band eins bis drei unter dem Arm verließ. Aber jetzt – welch Freiheitsgefühl – ist die Arbeit im Briefkasten, sowohl im realen wie auch zur Plagiatsprüfung im virtuellen, und morgen nutze ich vielleicht das gute Wetter, um mit einer großen Tasche voller Bücher zur Unibibliothek zu radeln und ohne Bücher, dafür mit einem einem Umweg über die Eisdiele wieder zurückzufahren. Bis das neue Semester anfängt – also noch zwei Wochen lang – gönne ich mir eine kleine Uni-Pause und mache all die Dinge, die ich mir in der letzten Zeit verkniffen habe: Die erste Staffel von „Paradise“ fertig gucken, die zugeschnittene Hose fertig nähen, „Anna Karenina“ endlich fertig lesen, in all den schönen Blogs stöbern, die ich völlig vernachlässigt habe, noch eine ganze andere Reihe Bücher, die durch Weihnachten und Geburtstag im Regal gelandet sind, lesen – und wenn ich mit dem ganzen Freizeitstress durch bin, freue ich mich vielleicht sogar wieder auf Studienbriefe.