Lebensentscheidung

Es ist immer schwer, ein geliebtes Wesen gehen zu lassen. Noch schwieriger ist es, wenn man die Verantwortung für dieses Wesen trägt und zu entscheiden hat, ob man es weiter leben lässt, wobei Leben Ungewissheit bedeutet wie immer, vielleicht eine zukünftige Zustandsverbesserung, vielleicht auch nur Leiden und Schmerzen, oder ob man sich zum Herrscher über Leben und Tod aufschwingt und ihm die letzte Spritze verpasst, mit dem man es von allem Schlechten, aber eben auch von allem Guten endgültig trennt. Was tun, wenn das kleine, von uns abhängige Wesen nichts sagen kann und wenig zeigt, wenn es trotz Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen sämtliche Nahrungsaufnahme komplett verweigert, aber andererseits noch teilnimmt an dem, was um es herum passiert, wenn es Nähe sucht und manchmal Distanz, wenn es sich zitternd umschaut und seinen schwachen Körper noch mühsam bewegt? Soll man es wieder und wieder zum Arzt tragen, ihm Tabletten einflößen, sich in vergebliche Heilungs- oder zumindest Linderungsversuche stürzen oder nichts tun und ihm nach außen ruhig beim Sterben zuschauen? Kleines Kätzchen, zeig mir doch, was dir gut tut. Ich bin für dich da und auch bereit, dich gehen zu lassen. Ich möchte nur das Beste für dich, hilf mir herauszufinden, was das ist.

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Parallelwelten

Mit jeder Entscheidung entsteht ein neues Universum.

In einer Welt bin ich noch mit meinem Exfreund zusammen. In einer anderen habe ich ihn nie kennengelernt. Irgendwo war ich nach dem Abitur für ein Jahr auf den Philippinen, und woanders als Aupair in Frankreich. Es gibt eine Welt, in der ich einen anderen Beruf erlernt habe und eine, in der ich eine Mappe für die Bewerbung an der Kunsthochschule abgab. In einem Universum habe ich meinen Job nach dem ersten Jahr gekündigt, um woanders neu anzufangen, in einem anderen habe ich nach der Ausbildung eine sicher-langweilige Stelle angenommen. Es gibt die Welt, in der ich meine Großtante noch einmal besucht habe, bevor sie starb, und die, in der ich dieser Freundin ehrlich sagte, dass ich ihren Freund furchtbar finde, bevor sie ihn heiratete.

Jede Entscheidung öffnet ein Universum. Aber eines ist ihnen allen gemeinsam: Die Frage, ob das hier wirklich die beste aller Welten ist.

Liebesleid

Man hätte es ja kaum gedacht, aber kaum hat sich Madame in ihrem Singledasein gemütlich eingerichtet, ist es bereits wieder in seiner Existenz bedroht. Monsieur l’Ex klopft wieder an. Und nach einem Brief, einem Gespräch, einer Nacht und einer Mail fragt sich Madame: Lasse ich ihn wieder in Kopf, Herz und Terminkalender? Schwierige Entscheidung.