Immer mehr – aber bitte energiesparend!

Ich habe unverhofft ein paar Tage frei. Ich beschließe spontan, nach Wien zu fahren, ein Musical anzusehen, das ich seit vielen Jahren einmal sehen wollte, und eine alte Bekannte, die dorthin gezogen ist, zu besuchen. Im ICE steht auf der Anzeigetafel: „Bahncard-Kunden fahren CO2-frei.“ Meine Bahncard macht nicht, dass der Zug weniger Strom verbraucht. Meine Bahncard, die seit einiger Zeit ein grünes, Ökologie und Nachhaltigkeit suggerierendes Design hat, kann schließlich nicht zaubern. Sie kann mir nur suggerieren, dass alles besser wird, wenn ich den Zug nehme. Klar, besser für die Umwelt als eine Autofahrt ist es allemal. Am besten für die Umwelt wäre es allerdings, ich würde gar nicht fahren. Aber das lässt die Deutsche Bahn nicht mit roten, zweifelsohne energiesparenden LED-Lämpchen auf der Waggonwand anzeigen. Da, wo in den Zügen der alten Generation vermutlich einfach eine ganz extrem energiesparende Holzverkleidung war. Immer mehr und wir sind noch stolz darauf, dass es weniger ist als technisch vorstellbar. Ich sitze in Wien und tippe auf meinem Smartphone, verbrauche zum Schreiben den Strom hier und zum Speichern den Strom für Server in Kalifornien. Ich bin trotzdem hier und trotzdem schreibe und poste ich. Schöne neue Welt.

Farbspektakel

Vor kurzem war ich umzugsbedingt mal wieder im örtlichen Baumarkt, eigentlich leicht im Stress und nur auf der Suche nach ganz normaler weißer Wandfarbe, als mir diese faszinierenden Farbkarten ins Auge stachen. Rot kann ja jeder, aber „Befreiter Feuervogel“ ist gleich etwas ganz Spezielles.

Absage

Als ich mit meinem Fernstudium anfing, war ich wahnsinnig optimistisch und völlig von mir selbst überzeugt: Ich hatte den Plan, jedes Semester zwei Module abzuschließen, das ist das Arbeitspensum eines Vollzeitstudenten. Ich war mir aber sicher, dass ich das – neben meinem Vollzeitjob – auch noch hinbekomme. Ziemlich schnell, genau genommen bei der ersten Prüfungsvorbereitung, wurde mir aber klar, dass das doch etwas hoch gepokert war. Ein Modul pro Semester ist schon sehr viel Aufwand, zwei würden nicht gehen (da ich doch noch ein wenig Privatleben beanspruche). Aber dieses eine Modul im Semester, damit war ich mir sicher. Auf keinen Fall darunter, schließlich will ich auch mal fertig werden.

Und dann kam dieses Semester. Ich lernte auf einem Seminar, das ich hauptsächlich deshalb besuchte, weil es in meiner Stadt stattfand, eine nette und höchst engagierte Kommilitonin kennen, die genauso wie ich leicht in Panik gerät, wenn es um mündliche Prüfungen geht. Wir verabredeten uns spontan, zu diesem Modul, zu dem das Seminar gehörte, bei dem Dozenten, der das Seminar hielt, am selben Tag eine mündliche Prüfung zu absolvieren, um uns zumindest vorher gegenseitig beruhigen zu können. Das klang wie eine sehr gute Idee. Nur leider hatte ich mich zu diesem Modul noch kein bisschen vorbereitet, da ich eigentlich etwas anderes belegen wollte und nur durch das zufällig stattfindende Seminar dazu kam. Aber egal, das Seminar war sehr spannend und ich ganz sicher, dass ich daraus tolle Themen ziehen könnte – auch, wenn ich erst mal schlucken musste, als der Dozent uns seine Anforderungen erklärte, die im Umfang alles überstiegen, was ich bisher für Prüfungen vorbereitet hatte. Egal, wir vereinbarten trotzdem einen Termin, noch lange hin, erst Ende März, und ich war sicher, dass das alles klappen würde.

Das war im Oktober. Bis Ende November wollte ich meine Themen und ein Exposé dazu fertig haben, damit ich mich aufs Lernen konzentrieren könnte. Im November verschob ich meine persönliche Deadline auf Ende Dezember. Zwischen den Jahren bekam ich Panik und schrieb eine hilfesuchende Mail an den Dozenten. Der antwortete Anfang Januar sehr lapidar, dass meine gewählten Themen zwar schwierig seien, „aber wenn Sie sich das zutrauen, gerne.“ Den Satz mit der Bitte um Literaturtipps hatte er wohl überlesen. Ich setzte meine Deadline auf Ende Januar. Ich las und las und las, und je mehr ich las, umso klarer wurde mir, dass meine Themen sich für alles mögliche eignen würden, für Hausarbeiten, vielleicht sogar für Bachelorarbeiten, aber ganz sicher nicht für eine mündliche Prüfung in diesem Modul. Ich las trotzdem noch weiter, die Unibibliothek lieferte zuverlässig. Ich hatte dauernd schlechte Laune. Verspannungen. Ich war permanent müde. Ich hatte keinen richtigen Appetit, aber aß trotzdem ständig. Ich war gefrustet, weil ich zunahm. Vor allem aber, weil ich keinen Zentimeter weiter kam. Mitte Januar, die Bücher stapelten sich neben dem Sofa, aus dem Mülleimer quollen die Schokoladenpapierchen, mein Literaturverwaltungsprogramm hatte schon 16 Titel mit unzähligen Zitaten verzeichnet, aber das Exposé enthielt immer noch nicht mehr als zwei Sätze, beschloss ich eines Vormittags sehr spontan und sehr überzeugt, die Prüfung abzusagen. Meiner Kommilitonin schrieb ich als erstes, denn es war vor allem unserer gemeinsamen Verabredung geschuldet, dass ich diesen Schritt nicht schon früher ging. Dann meldete ich mich offiziell bei meinem Prüfer ab. Schließlich noch eine Absage ans Prüfungsamt, fertig. An diesem Tag, ich hatte frei, sah ich mir mehrere Folgen von „white collar“ an, nahm ein heißes Bad, fing an, „The Circle“ zu lesen und kochte etwas Leckeres zum Abendessen. Und es ging mir gut, so richtig gut. Vielleicht schaffe ich nächstes Semester ausnahmsweise mal zwei Prüfungen, ich kann ja zumindest einen Teil meiner Recherchen für eine andere Themenstellung verwenden. Und wenn nicht, dann eben nicht. Dann dauert es eben ein Semester länger bis zum Abschluss. Dafür habe ich gelernt, meinem Instinkt mehr als meinem Pflichtgefühl zu trauen. Diese Lektion ist ein Semester wert.

Zuhause

Heimat ist da, wo du kein Navi brauchst. Dachte ich mir vorhin bei der Besuchsrunde in der Gegend, in der ich immerhin über zehn Jahre verbrachte. In den Dörfchen kenne ich mich immer noch aus. 

Jetzt sitze ich in der Wohnung von Monsieur, die schon eine Weile leer steht und die er bald aufgeben wird zwecks endgültigem Zusammenziehen, in der ich heute aber übernachte, weil ich mich in der Nähe mit alten Schulfreundinnen treffen werde. Die Wohnung riecht immer noch nach ihm. Es fühlt sich heimelig an. 

Morgen fahren wir zu meiner Mutter, darauf freue ich mich schon. Ich habe in diesem Haus dort, in diesem Ort nie gelebt, trotzdem ist es wie nach Hause kommen. 

Nach Weihnachten geht es dann wieder zurück in die Stadt, in meine eigenen sechzig Quadratmeter. Mein Zuhause. Vielleicht gibt es viele Heimaten.

Tigerstarke Fragen

Es ist schon ein bisschen her, seit dietiger von kindundweg mich für den Liebster-Award nominiert hat, aber was lange währt, wird endlich gut und so beantworte ich gerne ihre Fragen:

1. Was ist das Ziel deines Blogs?

Das ist schwierig zu sagen. Genau genommen gibt es kein wirkliches Ziel. Ich habe diesen Blog ursprünglich als Selbstmotivation für mein Studium gestartet, aber das spielt inzwischen keine nennenswerte Rolle mehr. Spannend am Bloggen sind, wie ich schnell feststellte, die Menschen, mit denen man dadurch in Kontakt kommt. Und auch wenn das Bloggen schon mal eine größere Rolle spielte und ich gerade nicht allzu häufig dazu komme, weder zum Schreiben noch zum Lesen, habe ich noch nie darüber nachgedacht, völlig damit aufzuhören – weil mein Herz an Menschen hängt, die ich vielleicht noch nie gesehen habe, aber die mich schon öfters wortgewaltig berührten und inspirierten.

2. Wie lange brauchst du durchschnittlich für einen Blog-Beitrag?

Das kommt darauf an. Meistens denke ich schon vor dem Schreiben eine Zeit lang darüber nach, formuliere im Kopf und dann kommt das Tippen und Sprachfeilen. Manchmal nehme ich mir vor, länger an einem Beitrag zu arbeiten, bin unzufrieden mit dem einen oder anderen Detail und will ihn erst mal in den Entwürfen liegen lassen, um später noch zu verbessern – aber erfahrungsgemäß bleiben solche Entwürfe dann lebenslang in diesem Status. Was also veröffentlicht wird, hat in den meisten Fällen nicht mehr als ein oder zwei Stunden Schreibzeit gebraucht.

3. An welchem deiner bisherigen Beiträge hängt dein Herz besonders?

Es ist schwierig, eine Auswahl zu treffen, aber ich mochte diesen hier sehr gerne und auch an jenem hängt mein Herz. Dieser und dieser sind in sich nur Zitate – aber welche, die ich bis heute sehr schätze.

4. Welche fünf Dinge würdest du auf die berühmte einsame Insel mitnehmen?

Rein praktisch wären das wohl Lebensmittel, Kommunikationsgeräte und Werkzeuge, aber da hier wahrscheinlich nicht die lebensnotwendigen Dinge im Fokus stehen: Papier und Stifte, meine Ukulele, Goethes Wahlverwandtschaften und (denn wann habe ich schon die Zeit dafür, wenn nicht auf der einsamen Insel?) Kants gesammelte Kritiken.

5. Was/wo ist dein “Happy-Place”?

Tatsächlich ganz klischeehaft: Dort, wo Menschen sind, die ich liebe. Ich hänge nicht so sehr an Orten. Wobei – das Meer…

6. Welches Fortbewegungsmittel bevorzugst du?

Innerstädtisch das Fahrrad, im Winter auch häufiger die U-Bahn. Bei weiteren Reisen den ICE, wobei mir auch Autofahren gelegentlich Spaß macht – aber nicht unbedingt über mehrere hundert Kilometer bei Regen, auch wenn sich das nicht immer vermeiden lässt.

7. Engagierst du dich sozial? Wenn ja, wofür?

Ich habe leider nicht so viel Zeit, wie ich gerne hätte. Aber ein Projekt, das ich finanziell und tatkräftig, wann immer ich es arrangieren kann, unterstütze, ist der Mensch-Tier-Begegnungshof Lamahausen. Dort leben an die vierzig verschiedene Tiere, Lamas, Esel, Ziegen, Schweine, Hunde, Katzen, Kaninchen, Hühner in zumindest weitgehend harmonischem Miteinander und Menschen, alt, jung, mit und ohne Behinderungen können sich dort auf Begegnungen mit Tieren auf Augenhöhe einlassen.

8. Was ist deine Lieblings-Schokoladensorte?

Je nach Tagesform Nougat oder Beinahe-Zartbitter mit 45 % Kakao.

9. Welches Buch hat dich in deinem Leben am meisten beeindruckt?

Bisher: „Eat Pray Love“ von Elizabeth Gilbert und „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren.

10. Hast du schon mal eine Elfe gesehen?

Nein, jedenfalls keine mit Flügeln.

11. An welchem Ort wärst du genau jetzt am liebsten?

Tatsächlich bin ich gerade in diesem Moment in meiner kuschelig-warmen Wohnung mit dem Dezemberregen vor dem Fenster sehr zufrieden.


Ich werde keine elf neuen Blogger nominieren, hinterlasse aber elf neue Fragen – wer Lust hat, kann sie sich gerne nehmen und beantworten, ich bin gespannt darauf!

  1. Wie wichtig sind dir Rituale?
  2. Assoziierst du mit „Weihnachtszeit“ eher Entspannung oder Stress?
  3. Siehst du positiv in die Zukunft?
  4. Wann hast du das letzte Mal geweint?
  5. Würdest du an deinem gegenwärtigen Leben gerne etwas verändern?
  6. Glaubst du an einen Gott?
  7. Welche ist deine Lieblings-Jahreszeit und warum?
  8. Welche Rolle spielt Musik für dich?
  9. Was würdest du gerne noch lernen?
  10. Machst oder bekommst du lieber Geschenke?
  11. Wann hast du das letzte Mal jemandem einen handschriftlichen Brief geschrieben?

Regenstern

Es prasselt und plätschert auf dem Dach.

Da jetzt hinaus in die feuchtkalte Nachtschwärze?

Das Fahrrad ächzt und quietscht und rostet hörbar.

Der Gegenwind treibt Regen ins Gesicht.

Siehe da: Auf der Brille zaubern Tropfen aus Leuchtreklamen Sterne.

Mein Land

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich bin froh, Deutsche zu sein – weil das heißt, in Sicherheit und relativem Wohlstand zu leben, weil ich noch nie Angst um mein Leben haben musste, weil das Recht hier zwar manchmal mühsam ist und lange dauert, aber für jeden gleichermaßen gilt, weil ich als Frau genau die selbe Wertschätzung und Bildung erfahren durfte und darf wie mein Bruder, weil ich meiner Religion nachgehen darf und genau so ihre Regeln schleifen lassen oder meinen eigenen Maßstäben anpassen, weil ich sagen und schreiben kann, was ich denke, ohne mich vor Repressalien fürchten zu müssen, weil ich wirklichen Hunger nur aus Erzählungen meiner Großmutter kenne.

Ich bin Tochter einer Deutschen und eines Deutschen. Ich spreche und schreibe fehlerfreies Deutsch, ich kenne mich mit der hiesigen Geschichte, Politik und den vielen ungeschriebenen Regeln aus. Außerdem bin ich weiß, heterosexuell und gebildet. Das alles zusammen ergibt ziemlich gute Chancen, hier ein gutes Leben führen zu können. Das freut mich natürlich. Aber ich möchte mehr: Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der auch Menschen, die nicht weiß, heterosexuell, gebildet, mit deutschem Pass und deutscher Abstammung sind, ein ebenso gutes Leben führen können. Ich möchte, dass meine dunkelhäutigen Cousins nicht andauernd nach ihrer Herkunft gefragt werden. Ich möchte, dass mein Bruder und sein Freund nicht wieder von ihrer Vermieterin gewarnt werden, doch besser die Fensterläden zu schließen, wenn sie vorhaben, sich in der Wohnung zu küssen. Ich möchte, dass die Freundin meines Cousins nicht genervt behandelt wird, weil ihr Deutsch noch nicht perfekt ist und ihr manchmal Vokabeln fehlen. Ich möchte, dass meine Schulfreundin in ihrem Rollstuhl ohne Probleme überall hinkommt, wo sie hinkommen will. Ich möchte, dass mein Freund sich nicht für seinen Atheismus rechtfertigen muss und ich mich nicht für meinen Glauben. Ich möchte, dass das Kind, das meine Cousine und ihre Frau adoptieren wollen, nicht bemitleidet wird, weil es keinen Papa hat.

In einer solchen Gesellschaft könnte ich nicht nur sagen: Ich bin froh, Deutsche zu sein – sondern sogar: Ich bin stolz, Deutsche zu sein.

Zwischenbemerkung

Es ist ruhig hier in diesem Blog, ruhiger als mir lieb ist. Ich konnte das für ein paar Wochen auf eine wichtige Klausur schieben, Einführung in die theoretische Philosophie, für die sehr viel zu lernen war – doch jetzt ist die Klausur geschrieben, das Leben hat zumindest fürs Erste wieder einen beschaulicheren Gang eingeschlagen und hier gibt es trotzdem keine neuen Beiträge. Dabei ist es nicht so, dass ich keine Lust hätte zu schreiben oder keine Ideen. Es passieren oft genug kleine Dinge, ich besuche Veranstaltungen, treffe Menschen, erlebe Sachen, über die ich ein paar Sätze verlieren könnte. Dann fange ich in meinem Kopf an zu schreiben – da klingt es noch ganz gut -, aber spätestens, wenn die Buchstaben aus dem Kopf in die PC-Tastatur fließen und schwarz auf weiß auf dem Bildschirm erscheinen, erscheint es mir a) uninteressant und belanglos und b) völlig deplatziert in einer Welt, in der Tag für Tag für Tag große, dramatische Dinge passieren, in der sich jede Situation stündlich ändern zu scheint (mal abgesehen von denen, die zu ändern richtig wichtig wäre), in der Schwarz und Weiß schon längst unzähligen Graustufen gewichen sind, deren Helligkeitsgrade nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Ich glaube, dass ich ein zumindest ansatzweise politischer Mensch bin. Dennoch schreibe ich nicht gerne über Politisches, weil die Dinge im Allgemeinen kompliziert sind und umso komplizierter, je einfacher die Stammtischparolen dazu klingen. Auch deshalb gab es hier schon lange keine Texte mehr – weil mir die Alltagserlebnisse zu banal erscheinen und die großen gesellschaftlichen Entwicklungen, die mich beschäftigen, zu komplex sind, als dass ich mir anmaßen würde, dazu einen Text zu schreiben, der meinen eigenen Ansprüchen genügt.

Zur Zeit lese ich viel. Weil ich gerne lese und schon lange nicht mehr dazu kam, aber auch, weil es so vieles gibt, worüber ich mehr wissen will. Und obwohl ich mir immer wieder vornehme, erst wieder neue Bücher zu kaufen, wenn die zuhause alle gelesen sind, breche ich diesen Vorsatz ebenso regelmäßig – wie etwa dieses Wochenende, als ich zufällig auf ein Buch von Navid Kermani gestoßen bin. Ich hatte von diesem Autor schon viel gehört, einige Artikel und Interviews gelesen, die mir gut gefallen hatten, also nahm ich auch das Buch kurzentschlossen mit: „Wer ist Wir?  – Deutschland und seine Muslime“. Auch wenn in meiner Ausgabe bereits ein Anhang mit seiner Rede zum Anschlag auf Charlie Hebdo vorhanden ist, ist der eigentliche Text schon sechs oder sieben Jahre alt – das heißt, er wurde lange vor den aktuellen Flüchtlingsdebatten formuliert. Dennoch – oder auch gerade deshalb, weil er auf keinen einzelnen Anlass Bezug nimmt – ist er gerade jetzt sehr spannend: Es geht um das Zusammentreffen von Kulturen, um Identität(en), um den Umgang mit Konflikten (die unvermeidlich sind, wo Unterschiedliches aufeinandertrifft), um Bereicherung durchs Überdentellerrandschauen und lässt sich sowohl eher theoretisch als Lobpreis von Aufklärung und Demokratie als auch praktisch als Anleitung zum friedlichen Zusammenleben lesen. So oder so drückt Navid Kermani wortgewandter und wesentlich fundierter aus, was ich gerne sagen und schreiben würde. Deshalb bleibt mir jetzt nur noch, aufzufordern: Leute, lest dieses Buch!