Von Begleiterinnen

Als ich 16 war, hatte ich eine Person in meinem Leben, die mir half, vor Fragen und Unsicherheiten und Ängsten und Überforderungen nicht durchzudrehen. Sie war 15 Jahre älter als ich, also damals 31 und aus meiner Sicht wahnsinnig erwachsen. Ich schrieb ihr seitenlange E-Mails, zwei-, dreimal die Woche oder noch öfters und sie antwortete auf wirklich jede Frage, gab mir so viel klugen Input und nahm sich unglaublich viel Zeit für mich. Mit 16 schätzte ich diese Beziehung und diese Person sehr, aber heute, wo ich selbst 31 bin, verstehe ich erst richtig, wie viel ich ihr abverlangt habe und wie sehr sie sich die Zeit für mich von anderen Zeitbudgets abgeknapst haben muss. Und ich stelle fest, dass 31 sein nicht automatisch heißt, erwachsen und klug zu sein. Ich wünsche mir manchmal (immer wieder – öfters – eigentlich ziemlich häufig) heute noch jemanden, dem ich all meine Fragen und Ängste bringen kann in der Hoffnung, dass die andere Person mir helfen kann, damit umzugehen. Doch heute sehe ich die Frauen in meinem Leben an, die Mentorinnenqualität hätten, und sehe in ihren Gesichtern die Zugewandtheit und die Offenheit, die ich bräuchte – aber auch die Spuren der Erschöpfung aus einem Leben, in dem die Zeit immer knapp und die To-Do-Listen immer endlos sind, von Tagen, die lieber 48 Stunden haben sollten, von zu kurz gekommenen Aufgaben und Personen und Stunden Schlaf. Und dann traue ich mich nicht, meine Sorgen auch noch darauf zu stapeln und bleibe still und helfe lieber beim Abwasch.

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