Stille

Eine der schönsten Eigenschaften des Winters ist die Stille. Stille, die draußen ist, wenn du abends aus der U-Bahn-Station nach oben steigst und es außen kalt und windig und nieselig ist, fast niemand unterwegs außer dir, du hörst nur die Regentropfen auf deiner Kapuze und den Wind, der zwischen den Häusern pfeift und ein paar übrig gebliebene Herbstblätter über den schmutzigen Boden wirbelt. Da sind keine anderen Menschen mehr, nicht mal Autos oder die Straßenbahn, und die Stille von draußen erlaubt es deinem Kopf, die ganze Klangwelt in Beschlag zu nehmen und zu füllen mit der Musik, die gerade in deinem inneren Radio läuft, oder den mehr oder weniger kuriosen Selbstgesprächen, in denen du einem imaginären Freund von deinem Leben erzählst, oder einfach mit – Stille. Eine Leerstelle, die einfach mal leer bleibt und nicht sofort ausgefüllt werden muss, die sich vielleicht ganz langsam und allmählich füllen kann, aber eben nicht notwendigerweise. So mag ich auch kaltwindignieselige Wintertage.

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15 Kommentare zu “Stille

    • Ja, gerade in der Stadt wird die Stille zu etwas Seltenem, Kostbaren. Schnee in der Stadt hatten wir letztes Jahr nie genug für die lärmschluckende Watteschicht, aber ich setze meine Hoffnungen auf diesen Winter…

  1. Wunderbar beschrieben, und ich kann mich nur anschließen: genau das ist was, was ich an ussligen trüben Wintertagen auch mag. Zwar fehlt der Schnee für vollkommene Stille, aber ich hab die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben 🙂

  2. Die scharf konturierten Formulierungen dieses Textes sagen mir zu. Es entsteht bei der Lektüre ein geradezu plastisches Bild im Geiste. – Das zeugt von einem grundsätzlichen Verständnis für die Kunst.

    Viele Grüße,
    Ángel

  3. Meine liebste Stille ist die im Winterwald. Das ist eine Stille voll der harmonischten Klänge, die ich nicht zu hören vermag und sie dennoch aufnehme. Deine beschriebene Stille weckt Erinnerungen an eine frühere Zeit, einen früheren Ort. Stadtwinter, nein, das war nie meins. Ich will richtigen Winter! Sofort! Im Wald… Regengraufisselige Grüße, Deine Käthe.

    • Der Winterwald ist natürlich das Nonplusultra der Stille. Das habe ich bloß auf Familienbesuch, hier bei mir muss es der Stadtwinter tun. Aber ich mag die Nichtidylle und das Unperfekte hier. Trotzdem hoffe ich still und heimlich, dass zu Weihnachten der Wald hinter Mutters Haus schneebedeckt ist und ich dort zum Idyllenschnappen komme. Ein paar Tage dort reichen mir immer, um einige Zeit in der Stadt von den Naturbildern zu zehren. Wolkiggrauundvielzuwarmfürschneeige Grüße, die Deine.

      • Die Nichtidylle und das Unperfekte mögen, das zeugt von einem im Leben mittig stehenden Menschenkind, meine Liebe. Erst dann kann man sich richtig an der Idylle berauschen. Fast deucht es mich, Du könntest Dich langsam um einen neuen Namen bemühen: Lebenliebenlernenlehren.
        Eu aprecio suas palavras. Muitos abraços, levados pela chuva e vento, sua Käthe.

        • Ach meine liebe Käthe, zum Lehren bin ich noch viel zu jung und viel zu unwissend. In zwanzig, dreißig Jahren vielleicht, aber eigentlich glaube ich gar nicht daran, jemals ausgelernt zu haben. Danke jedoch für deine Wohlwarmworte, ich nehme sie mit in diesen neuen Tag.
          Eu te abraço também. Uma boa noite para te.

  4. Wie sehr ich mich doch in diesem Gedanken wieder finde. So oft ist es die Stille, die unsere Umgebung wirklich laut werden lässt, denn nichts ist so intensiv, wie nur sich selbst zu hören, die eigenen Gedanken, den Atem, den Herzschlag… Ich bin begeistert 🙂
    Liebe Grüsse 🙂

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