Weihnachtsvorbereitungen II – Musik

Adventszeit ist Oratorienzeit – für mich jedenfalls. Vielleicht liegt diese Verknüpfung an der einzigartigen Mischung aus zarten und imposanten Klängen, an der Wucht der Musik, die in meinem Kopf stets weihnachtliche Farben – dunkelrot, tannengrün, goldglänzend – hervorruft, an dem Wunsch, sich dieses Musik in einem alten roten Samtsessel mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand anzuhören. Vielleicht ist die Verknüpfung aber auch viel banaler und hat einfach mit meiner Kinder- und Jugendzeit zu tun: In der Schule hatten wir jedes Jahr vor den Weihnachtsferien Adventskonzerte, bei denen alle Chöre, Orchester und sonstigen Musikgruppen der Schule ihr Erübtes zum Besten gaben. Der große Unterschied zwischen den Advents- und den Sommerkonzerten (die, wie der Name bereits erahnen lässt, kurz vor den großen Ferien stattfanden) war die Musikfreizeit im Dezember (die später in „Musikseminar“ umgetauft wurde, um ja nicht den Eindruck von Untätigkeit während der Schulzeit zu vermitteln): Die Chöre und das große Orchester fuhren drei Tage lang in eine Jugendherberge, nicht besonders weit entfernt, um dort von morgens bis abends drei oder vier große gemeinsame Stücke für das Konzert einzuüben. Ich sang im Chor, von der sechsten bis zur dreizehnten Klasse, und die Musikfreizeit war das Highlight des ersten Halbjahres. Drei Tage im Vierbettzimmer immer mit meinen drei besten Freundinnen, tagsüber im Chor singen, in der Mittagspause ein Spaziergang zum Café in der Innenstadt, das eine köstliche heiße Gianduja-Schokolade servierte und Schichtnougat im Block zum Verkauf anbot, abends dann die gemeinsamen Proben mit dem Orchester, die am ersten Tag meistens ziemlich ernüchternd verliefen, aber an denen man Abend für Abend Fortschritte hören konnte – herrlich. Und dann erst die Konzerte: An die hundert Menschen stehen gemeinsam auf der Aulabühne und schaffen gemeinsam einen wundervollen, dichten Klangteppich, und man selbst ist ein kleiner Teil davon. Ein wirklich erhebendes Gefühl. Ich kann mich noch genau an das erste Lied erinnern, das bei meiner ersten Musikfreizeit einstudiert wurde: „Tecum principium“ von Michael Haydn – mangels Lateinkenntnissen weiß ich bis heute nicht genau, was wir da gesungen haben, aber mitsingen könnte ich es immer noch. Mein liebstes Stück über all die Jahre ist allerdings eines aus Mendelsohn-Bartholdys „Elias“ geworden: „Alsdann wird euer Licht hervorbrechen“ ist der Schlusschor des Oratoriums und für mich der Inbegriff des Chorstückes überhaupt. Wie die einzelnen Stimmen zusammenspielen! Wie die Motive wiederholt und variiert und wieder aufgegriffen werden! Wie so wenig Text so bombastisch umgesetzt werden kann! Ich habe mich damals mitreißen lassen, als ich das Stück zum ersten Mal singend kennenlernte, und tue es auch jetzt noch jedes Mal, wenn ich es höre.

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