Gehetzt

Mein Chef ist unzufrieden, weil ich früher gehe, obwohl Überstunden angesetzt sind und ich nicht den Spätdienst für meinen kranken Kollegen übernehme. Meine Mutter findet es schade, dass ich zu ihrem Geburtstagsbesuch so spät komme und so früh wieder gehe. Mein Freund ist genervt, weil wir uns auch dieses Wochenende wieder nur kurz sehen und ich oft nicht mal Zeit zum Telefonieren habe. Ich selber bin frustriert, weil ich mich fühle, als ob ich nur noch zwischen Verpflichtungen rotiere und für das, was ich möchte, überhaupt keine Zeit mehr bleibt. Da enttäusche ich schon alle anderen, und dann bin ich nicht mal ausgeschlafen dabei? Keine Ahnung, wie ich da wieder herauskomme. Der einzige Lichtblick ist, dass erfahrungsgemäß das ganze Drama im Frühling auf mysteriöse Weise viel kleiner wird. Bleiben also nur noch drei bis vier Monate zu überbrücken. Jiiha.

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11 Kommentare zu “Gehetzt

    • Ja, das ist ein guter Anstoß. Leider merke ich Stress immer zuallererst daran, dass ich meinen Kopf nicht mehr freibekomme für solche Augenblicke – die Gedanken flattern wie aufgeregte Vögel. Während ich auf meinen Adventskranz schaue, gehen tausend Stimmen im Kopf hin und her: du musst noch XY anrufen, klär dringend, ob AB jetzt zu Besuch kommt oder nicht, vergiss nicht, das Zugticket zu buchen, ist das Gehalt schon auf dem Konto?, wann macht die Zulassungsstelle auf und wann musst du auf Arbeit sein, um deine Überstunden zu schaffen?, du musst noch die Fotos abholen und das Loch im Pullover flicken… so geht das dann. Ich sollte das mit der Meditation noch mal gründlich üben.

      • Nein. Du solltest weniger sollen. Sei bitte freundlich zu deinen Gedanken. Du schreibst sie auf und der Druck ist weg, sie könnten weglaufen. Und dann kommen auch die erfreulichen Gedanken. Ohne Gedanken dasitzen schaffe ich selten…

  1. Oje. Das kenne ich zu genüge. Fremdgesteuert durch die Welt hetzen. Mein letztes highlight war ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt…1 h auf einem Platz stehend. Seltenheitswert. Aber es gibt sie;-)

    • Manchmal gibt es sie, ja. Ich werde gleich zum Einschlafen noch ein bisschen lesen in einem Buch, das ich nur zum Spaß lese, ohne Zusammenhang mit dem Studium – das hat schon Seltenheitswert und ist meine persönliche kleine Flucht.

  2. Liebste, das klingt gefährlich, was Du da tust. Du mußt das Neinsagen üben. Und weniger sollen, wie der famose Herr Theomix es schrub. Bewußte Freiräume Dir schaffen, die nur Dir gehören. Und wirklich nur Dir. Freund und Familie söllten das liebend gern verstehen. Nimm ein Blatt Papier und schreibe es in Großbuchstaben drauf: DER EIGENE ARSCH IST MIR AM NÄHESTEN! Pardöngsche, aber diese Beharschwortung mußte jetzt sein, ich sorge mich nämlich, weil ich es hinter mir habe. Zitternd und schweißgebadet unterm fahrenden Notsignal zu sich kommen, war kein schönes Erlebnis.
    Ich nehme Dich sachtfeste in die Arme, Deine Käthe. Das Blatt Papier kannste mir dann schicken, ich mache Dir ein Kunstwerk draus.

    • Liebe Käthe, hab Dank für deine Worte. Hinter mir liegt ein Wochenende, das zwar vollgepackt war, aber auf eine angenehme Art. Es geht schon wieder besser, abgesehen von einer lang anhaltenden Müdigkeit. Was mir etwas Sorgen macht, ist, dass ich deinen Großbuchstabenrat zumindest zur Zeit nicht umsetzen kann, oder nur halbherzig. Kollidiert wohl mit meinem Selbstbild. Aber das ist eine längerwierige Baustelle. Ich behalte die Großbuchstaben aber im Hinterkopf. Und wenn es klappt mit dem Aufschreiben und es auch so meinen, dann schicke ich es dir. Ganz bestimmt.
      Danke fürs Drücken, ich umarme innig zurück. Deine C.

      • Meine Liebe, Du hast Dir selbst schon soviel beigebracht, seit ich Deinen Lebensweg begleiten darf, Du wirst auch Dein Selbstbild noch in den richtigen Rahmen bekommen. Den eigenen Hintern zu küssen, daß schaffen nur die, die sich zu sehr verbiegen, doch ihn liebevoll zu bepuscheln, das sei uns gestattet. Eben und gerade den eigenen.
        Ich grüße Dich feinherzig, Deine Käthe.

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