Erich Kästner

Die ersten wirklich dicken Bücher, die ich als lesehungrige Grundschülerin von meiner Mutter geschenkt bekam, waren zwei Bände „Kästner für Kinder“: Die Geschichten von Emil, die vom doppelten Lottchen, vom kleinen Mann und auch der kleinen Miss, die Ereignisse rund um das fliegende Klassenzimmer und den 35. Mai – was habe ich sie geliebt. Die zwei Bände verloren im Laufe der Zeit ihre Schutzumschläge, auch die Bindung schwächelt ein bisschen und die Buchrückseiten sind schon ordentlich ausgeblichen – aber sie stehen auch nach fast zwanzig Jahren und mehreren Umzügen immer noch in meinem Regal, und sie werden noch weitere Umzüge und Umbrüche miterleben, bis ich irgendwann einmal meinen Kindern daraus vorlesen kann.

Vor kurzem habe ich, teils studienbedingt, teils aus privatem Interesse, nicht nur das erste Mal einen von Kästners „Erwachsenen“-Romanen, nämlich den „Fabian“, gelesen, sondern auch eine Biographie über ihn. Und ähnlich wie damals, als ich mich intensiver mit Hannah Arendt auseinandergesetzt habe, hinterlässt mich die Lektüre einerseits schockiert – über die Umstände, in denen die Autoren lebten, leben mussten, auch wenn gerade diese beiden, Kästner und Arendt, äußerst unterschiedliche Entscheidungen trafen, dennoch beide nachvollziehbar. Andererseits ringt mir auch Kästners Lebens- und Schaffensgeschichte große Bewunderung ab – ich habe ja bekannterweise ein Faible für authentische Schreiberlinge, bei denen Lebenswerk und hinterlassene Schriften sich nicht widersprechen, sondern ergänzen. Und drittens denke ich mir regelmäßig beim Lesen aus und von der Weimarer Republik, dass wir auch heute ordentlich aufpassen müssen. Geschichte wiederholt sich spiralförmig.

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6 Kommentare zu “Erich Kästner

  1. Kästner. Wunderbar. Ich muß immer sofort an den anderen Geschichtschronisten denken, der, der in der DDR erst zum schreiben kam. Herbert Jobst. Der beschreibt in seiner Trilogie Der Findling/ Der Zögling/ Der Vagabund für mich in einzigartiger Weise diesen Zeitabschnitt. Eine dringliche Empfehlung meinerseits.
    Herzfeine Grüße, Deine Käthe, zugetan.

    • Die Titel sind mir vage vertraut, also dem Namen nach – der Name des Autors sagt mir allerdings noch nichts. In mancherlei Hinsicht merkt man den West-Ost-Unterschied doch noch. Vielen Dank für die Empfehlung, liebe Käthe, und herbstliche Herzgrüße an dich.

      • Das sind ziemliche Wälzer, ich kann Dir gerne den Zögling zum Reinschmökern mal ausleihen, meine Liebe. Kwasi so anpupillieren, ob’s denn gefällt. Herzgrüße zurück, mit Herbstwindzauselhaar.

        • Vielen Dank für das Angebot! Ich habe gestern schon mal in der Bibliothek geschaut, aber da ist Herbert Jobst völlig unbekannt. Leider fürchte ich, dass ich im Moment nicht zum zügigen Lesen käme (meine Dringendlesenliste wird immer länger). Darf ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt nochmal darauf zurückkommen? Herbstsonnige Grüße nordwärts!

  2. Na, bei Kästners Biografie, sind nicht wenige Motive seiner Kinderromane selbsterklärend. Dass er selbst als Vater eine ziemlich traurige Rolle spielte, habe ich auch erst vor kruzem in Dokumentation erfahren.
    Insofern bin ich mir mit seiner, von Ihnen so genannten, Authentizität nicht so sicher.
    Nachmittäglichjetztgleichaltmodischfotografierende Grüsse aus dem Bembelland

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