Hochzeiten

Nun ist es also so weit: Die erste Hochzeitseinladung aus meinem Freundeskreis flatterte ins Haus. Bei der letzten Hochzeit, auf der ich eingeladen war, war ich neun Jahre alt und stolz wie Otto, dass ich die Kerze meines Onkels und der frischgebackenen Tante in die Kirche tragen durfte. Seither sind einige Jahre vergangen, in denen in der Elterngeneration allenfalls Scheidungen zelebriert wurden, und wir, wir waren doch noch Kinder. Jetzt sind wir das nicht mehr, woran mich die Einladung gemahnt. Tatsächlich ist diese nun heiratende Freundin nicht die allererste Braut im weiteren Bekanntenkreis; ein paar weitere junge Frauen und Männer sind bereits unter der Haube, aber mit niemandem davon war ich zum Hochzeitszeitpunkt noch enger als auf Facebook befreundet. Das anstehende Ereignis kommt näher an mich heran und löst merkwürdig ambivalente Regungen aus: Einerseits freue mich mich natürlich sehr für meine Freundin, die große Liebe gefunden zu haben, und ich freue mich auch auf das Hochzeitsfest und darüber, dass sie bei den Einladungen überhaupt an mich dachte, weil unser Kontakt durch große räumliche Distanz auch nicht mehr so gut ist, wie er einmal war. Andererseits bin ich auch ein klein wenig neidisch auf ihr Glück, das ist total blöd, das weiß ich, aber dieses Gefühl ist eben auch da, kombiniert mit diesem leicht diffusen Angstgefühl, als Single und noch dazu dort vermutlich kaum jemand kennend am Ende mich betrinkend an der Bar zu landen, weil um mich herum lauter exklusive Pärchengespräche geführt und Pärchendinge gemacht werden, bei denen ich alleine völlig nutzlos bin. (Auch das wird nicht passieren, sonst würde ich meine Freundin völlig falsch einschätzen, aber trotzdem bleibt leichtes Unbehagen.)

Und wenn sie dann mal verheiratet sind, dann… heiraten bestimmt bald die nächsten, es gäbe da schon ein paar vielversprechende Kandidaten. Und dann kommen die ersten Kinder, und Treffen scheitern nicht mehr wegen Unistress oder Auslandssemester, sondern wegen dem fehlenden Babysitter „und Anni hat doch immer diese schlimmen Koliken, und dann schreit sie die ganze Nacht, da muss ich wirklich zuhause bleiben“. Und wenn man sich doch mal besucht, geht es immer nur um die Kinder, und sollte ein Gespräch doch mal ein anderes Thema tangieren, fängt bestimmt gerade das Baby zu weinen an oder das Kleinkind muss daran gehindert werden, sämtliche Küchenschubladen auszuräumen, „und wenn du schon mal da bist, könntest du vielleicht mal kurz auf Maximilian aufpassen, damit ich die Waschmaschine ausleeren kann?“

Das Allermerkwürdigste an dieser Vorstellung ist allerdings, dass sie mich gleichzeitig furchtbar gruselt, während ich insgeheim den kitschig-spießigen Wunsch habe, selbst mal so eine Zukunft zu haben.

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11 Kommentare zu “Hochzeiten

  1. Alles hat seine Zeit und wenn’s soweit ist, ist es einfach und selbstverständlich. Man sollte nur nix erzwingen wollen oder herbeisehnen. Und die Zeit bis dahin genießen, einschließlich die Veränderungen im Freundeskreis 🙂

  2. Einige Weisheiten zum Thema Hochzeiten und was danach kommt:

    1) Es kann nie zu viele Single Frauen auf Hochzeiten geben. Es werden bestimmt einige Single Männerfreunde des Bräutigams da sein. Ob Du da den Mann Deines Lebens findest sei einmal dahin gestellt, aber Du wirst wahrscheinlich Spaß haben. Und wenn nicht, dann hast Du eine schöne Geschichte für Deine treuen Leser

    2) Es werden Hochzeiten kommen. Es werden Scheidungen kommen. Es werden 2. Hochzeiten kommen. Wahrscheinlich auch irgendwann 3. Hochzeiten, aber da war ich noch nicht eingeladen.

    3) Selbst wenn jetzt die Schwangerschaften und die Babys kommen sollten, so werden die Mütter bestimmt alles in die Wege leiten, damit sie zu Jahrgangstreffen, etc. kommen können. Das ist für die Mütter die „Flucht“ aus dem Alltag.

    4) Ich denke jeder von uns hat insgeheim „Angst“ vor Hochzeit, Familie, Spießigkeit in der der negativen Form und wünscht sich trotzdem die positive Form

    Du wirst eine Menge Spaß haben.

    • Vielen Dank für deine Weisheiten 🙂 Das Kinderding ist mir aufgefallen bei meiner jüngsten Tante, die keinen allzugroßen Altersunterschied zu mir hat und vor wenigen Jahren -langersehnt – zwei Kinder bekam. Früher habe ich immer einen Teil meiner Ferien mit dieser Tante verbracht, wir hatten viel Spaß, gute Gespräche und schöne Erlebnisse. Wenn ich sie jetzt besuche, freuen wir uns natürlich immer noch, uns zu sehen, aber die Kids stehen selbstverständlich voll im Mittelpunkt. Und selbst wenn wir mal kinderlos etwas unternehmen – und die Kinder währenddessen perfekt vom Papa betreut werden -, geht es immer um sie, es gibt kaum ein anderes Gesprächsthema und alle zehn Minuten wird das Handy gecheckt, ob nicht doch zwischenzeitlich irgendwas passiert ist. Das finde ich ehrlich gesagt etwas anstrengend. Aber vielleicht werden ja nicht alle so. Oder es werden gerade doch alle so, inklusive mir selbst, dann fällt es keinem mehr auf…

      • Du musst Dir den richtigen Mann suchen und ihm dann auch vertrauen. Wenn ich mir die Mütter im Bekanntenkreis anschaue, dann schaffen es die allermeisten ganz gut, wenngleich die Kinder auch älter sind. Ich kenne allerdings auch zwei Fälle, wo die Mütter der Meinung sind, dass nur sie und niemand sonst sich um die Kinder kümmern kann. Da bekomme ich zuviel, obwohl ich gar nicht betroffen bin.

        • Das stimmt, Gluckenmütter sind ziemlich anstrengend. Meine war zum Glück nicht so und ich kenne genügend abschreckende Beispiele, um hoffentlich selbst keine Glucke zu werden. Was das mit dem richtigen Mann angeht: Dein Wort in Gottes Ohr!

          • Auch bei den Männern ist mein Eindruck, dass die Ausfälle eher die Ausnahme statt die Regel sind. Im direkten Umfeld gibt es jedoch einen, der wahrscheinlich kein einziges seiner drei Kinder je gewickelt hat. Allerdings bekommt er schon so viele dumme Sprüche von den anderen Vätern reingedrückt, dass seine Frau gar nichts mehr sagen muss.
            Von daher müsstest Du schon großes Pech haben eine Niete zu ziehen. Und selbst dann ist es auch nur ein Aspekt.

  3. Zu Hochzeiten hatte ich lange eine ganz eigene Meinung. Ich hielt sie für Klischee pur. Ein überholtes und ewig gestriges Modell. Und dann habe ich Yuki geheiratet. Ganz einfach so. 😉 Hab Spaß, genieße die Feier. Lass dich einfach von der Freude treiben.

  4. Als bei mir die ersten heirateten und Kinder bekamen gruselte mich das auch.. Ich dachte mir das ist Spießig und kitschig… Und eigentlich will ich doch selber auch nur kitschig heiraten und einen süßen Fratz neben mir liegen haben der einen Nachts 3 Uhr weckt aber einem am nächsten Tag doch wieder zum lachen bringt…

    Und wenn der Wunsch fertig gedacht ist dann denke ich mir wieder: Ach scheiße.. braucht vielleicht doch kein Mensch und der ganze Heiratswahn nervt mich!

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