Der Grund für Homosexualität ist eine kaputte Leber.

Eher zufällig stieß ich heute auf eine NDR-Dokumentation, in der der ein Reporter sich in den homophoberen Kreisen in diesem Lande aufhält und dort allerlei Weisheiten erfährt. Homosexuelle seien wie Kälber mit zwei Köpfen, kommt in der Natur vor, soll aber nicht so sein. Neunzig Prozent der Frauen fänden es eklig und abstoßend, wenn sich zwei Männer küssen. Homosexualität könne vielfältige Gründe haben – von Missbrauch in der Kindheit bis zu einem Leberschaden, den man aber durch eine Entgiftungskur beheben könne; auch Beten alle zehn Minuten und eine Dämonenaustreibung könnten helfen. Schwule und Lesben seien im Grunde arme Seelen, denen geholfen werden müsse und die einsehen müssten, dass ihr abnormales Treiben nur das Symptom einer Krankheit sei.

Mir fiel beim Ansehen im Minutentakt die Kinnlade herunter. Was denken diese Leute denn? Denken die überhaupt? Kennen die irgendeinen homosexuellen Menschen persönlich oder sprechen sie nicht mit ihnen aus Angst, sich anzustecken? Am schlimmsten die, die ihre homophobe Einstellung dann noch mit Gott begründen. Ich bin Christin, weil ich die Grundidee dieser Religion sehr gut finde, aber wenn ich solche Aufnahmen sich Christen nennender Menschen höre, die allen Ernstes behaupten, es sei widernatürlich und frevelhaft, sich vom selben Geschlecht angezogen zu fühlen, aber man könne das „wegbeten“ – dann ist das Fremdschämen allererster Güte. Ich glaube an einen Gott, der die Menschen liebt und der möchte, dass es ihnen gut geht und sie sich auch untereinander lieben – aber ob man die Liebe in einer Paarbeziehung nun an einen Mann oder eine Frau verschenkt, wen interessiert das, so lange es auf Gegenseitigkeit beruht? Gott bestimmt nicht. Und auch hier auf Erden braucht sich niemand darüber aufzuregen, dass die Heidi mit der Heike schläft und nicht mit dem Peter – denn das geht nur die Heidi und die Heike etwas an. Und mal ganz ehrlich, was ist so schlimm daran, wenn Heidi und Heike in der Fußgängerzone händchenhaltend schaufensterbummeln und Klaus und Dieter sich beim Abendessen in der Pizzeria küssen? Ich würde allen Empörten, Dummschwätzern, Ekligfindern, Naturpropagierern, Bibelwörtlichnehmern, Schwulenheilern wünschen, sie würden einmal morgens aufwachen und nicht mehr zur Mehrheit gehören. Sondern einen gleichgeschlechtlichen Partner lieben. Eine andere Hautfarbe haben. Oder im Rollstuhl sitzen. Und dann raus auf die Straße, einmal durch die Stadt, ein Eis essen und bemerken, wie es sich anfühlt, von Leuten angestarrt oder gar blöd angequatscht zu werden. Nur weil man nicht so ist wie die Mehrheit. Aber trotzdem ganz normal.

Advertisements

11 Kommentare zu “Der Grund für Homosexualität ist eine kaputte Leber.

  1. Solche Aussagen bringen mich auch in Rage…ich weiß gar nicht, ob ich mir diesen Bericht anschauen werde, denn er lässt mich wütend und fassungslos zurück, das weiß ich jetzt schon…

  2. Was ist den das für ein Geist der solch krudes Zeug zum besten gibt. Da dreht es mir ja fast das Hirn um.
    Und das in einer NDR Doku? Nicht zu fassen !

    • Oh, falls ich das nicht deutlich genug machte: Der Reporter, selbst schwul, distanziert sich sehr deutlich von allen diesen Ansätzen. Es ist ein Versuch, herauszufinden, warum Leute so denken, der aber letztendlich ergebnislos verläuft, weil es einfach nicht nachvollziehbar ist.

  3. Ich habe die Doku gestern gesehen und war danach erst Mal sprachlos..
    Diese Frau, die behauptete, 90% aller Frauen fänden es ekelhaft, wenn Männer sich küssen…
    Diese andere Frau, die meinte, es wäre schade, dass der Reporter schwul ist.. Schade, er hätte doch eine nette Frau glücklich machen und so schöne Kinder haben können..
    Diese Richtlinien zum Blutspenden, wo doch viele verzweifelte Menschen auf einen passenden Spender warten..
    Diese Vorurteile, die keiner auszusprechen wagte..
    Diese ganzen Menschen, die alles als abnormal ansehen, was nicht mehrheitlich auf die Menschen zutrifft.. Ja, du hast ganz recht, sie sollten einmal morgens aufwachen und nicht mehr zur Mehrheit gehören.

  4. Ohne die Sendung gesehen zu haben (ich werde es nachholen), klappt mir beim Lesen schon die Kinnlade herunter. Wie kann man denn sich küssende Menschen ekelig finden. Ist einer der innigsten Anblicke die es gibt. Wurscht, ob beide Bartstoppeln undoder Lippenstift tragen. Es ist zum Haareausraufen.

  5. Du schreibst mir aus dem Herzen.
    Ich finde es unglaublich, was den Homophoben noch so alles einfällt.

    Und diese Leute halten sich bestimmt für tolerant 😦
    Dabei sollten sie mal bei sich selbst anfangen, also sich in Selbstreflexion üben!!!

    Ich bin froh, dass meine Eltern nie über Sex redeten, so konnten sie mir wenigstens kein negatives Bild vermitteln.
    Die Leiterin meines Kindergartens war lesbisch, sie war über 60 Jahre mit der Gemeindeschwester zusammen. Für uns Kinder war es ganz normal. Die beiden waren sehr beliebt und viele haben geholfen, als sie sich ein Häuschen bauten.

    Ich freu mich über jedes verliebte Pärchen, egal ob homo oder hetero. 🙂

  6. Meine beste Freundin – selbst lesbisch – nahm es mit Humor. Sie meinte, wenn sie das nächste Mal keinen Bock zum Arbeiten hat, ruft sie einfach an und sagt: Ich bin krank. Wird so schnell nicht wieder. Ich bin homosexuell.
    Ich glaub, das ist einfach das einzige was man dazu sagen kann, wenn man nicht weinen will..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s