Die Liste – Woche 2

1. Alleine in den Urlaub fahren, an einen Ort, an dem ich noch nie war.

2. Ein Wochenende lang nur tun, worauf ich gerade Lust habe, und nicht an Verpflichtungen denken.

3. Portugiesisch lernen.

Siehe letzte Woche. Ich versuche, jeden Tag zumindest ein kleines bisschen zu üben. Duolingo sagt, ich könnte inzwischen immerhin 385 Worte.

4. Lesen. Ganz viel lesen, all die Bücher, die bislang unbeachtet im Regal stehen. (2 von 10)

Ich bin dran. Immerhin zwei Bücher habe ich geschafft: „Die Sterne von Paris“ von Idwal Jones, ein Koch-Roman, den ich zu Weihnachten geschenkt bekam, und „Der Eid der Kreuzritterin“ von Ricarda Jones, eine einigermaßen vorhersehbare, aber kurzweilige historische Liebesgeschichte. Angefangen habe ich mit „Über die Revolution“ von Hannah Arendt, was ich mir zu Weihnachten wünschte und bekam, aber – wegen zeitweiliger hausarbeitsbedingter Arendt-Überflutung – noch nicht in Angriff nahm. Es ist sowieso schöner, Bücher dann zu lesen, wenn man es nicht muss.
Um diesen Punkt auf der Liste übrigens irgendwann einmal abzuhaken, habe ich mir ein messbares Ziel gesetzt: Ich möchte zehn Bücher lesen, wobei unter diese Zählung nur solche Bücher fallen, die ich nicht wegen des Studiums lese, sondern aus Privatvergnügen.

5. Meine Studienbriefe nicht nur als abzuspeichernde Informationen betrachten, sondern als Einladung, in eine spannende Wissenswelt zu tauchen.

Das kriege ich tatsächlich zur Zeit ganz gut hin. Ich mag die Momente, in denen es „klick“ macht, weil Verbindungen hergestellt werden. Einen solchen Moment hatte ich witzigerweise bei der Lektüre des besagten Historienschinkens aus Punkt 4, weil in diesem an einer Person die Standesproblematik dargestellt wird, also ein junger Mann, der zwar talentiert ist und das Zeug zu einem guten Ritter hätte, aber leider im falschen Stand – also als Knecht – geboren wurde und entsprechend keine Chance hat, seine Talente einzusetzen und damit bessere bzw. weitreichendere Chancen im Leben zu bekommen. Nun habe ich einen kompletten Studienbrief, in dem es um die ständische Ordnung Alteuropas geht – und ging bei der Kitschlektüre dann gleich im Geiste durch, inwieweit die Darstellung dort den tatsächlichen historischen Gegebenheiten entspricht. Auf diese Art und Weise geht das Wissen doch viel leichter und angenehmer ins Hirn als durch schnödes Auswendiglernen.

6. Freunde einladen. Besuch bekommen, Zeit mit lieben Menschen verbringen.

Leider nein.

7. Briefe und E-Mails schreiben. Telefonieren. Kontakte pflegen.

Geburtstagsgrüße an eine alte Bekannte habe ich geschrieben und eine nette Antwort zurückbekommen, außerdem eine lange Mail von einer anderen alten Freundin. Außerdem habe ich zwei liebe Menschen versucht, anzurufen, aber niemand war zuhause. Naja, zumindest der gute Wille war da.

8. Scheu überwinden und auf fremde Menschen zugehen. Den ersten Schritt machen.

Das… habe ich mich doch noch nicht getraut.

9. Etwas Verrücktes tun. Wildfremde Leute zu einem Picknick einladen. Aufs Operndach klettern und einen Freudenschrei ausstoßen. Ein Bayernticket kaufen und mich in den nächsten Zug setzen, ganz egal wo er hinfährt.

Keine Verrücktheiten diese Woche, jedenfalls keine größeren und erwähnenswerten.

10. Trinken. Flirten. Dinge nicht ernster nehmen, als sie sind. Leichtigkeit lernen.

Getrunken habe ich. Daraus entsprang zwar weder ein Flirt noch eine grundlegende Leichtigkeit, sondern tiefschürfende Gespräche über den freien Willen, Phobien, Massentierhaltung und Schlupflöcher in den Regeln für Bio-Bauernhöfe… aber immerhin war es ein netter Abend mit netten Kollegen.

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12 Kommentare zu “Die Liste – Woche 2

  1. Portugiesisch? Interessante Sprache. Bei uns steht Chinesisch (Mandarin) auf dem Plan. Das wird für einen kommenden Urlaub sicher helfen. Vor den Kanji-Zeichen haben wir keine Angst.

    Und wieso habe ich den letzten Blog von dir verpasst? WordPress ist schon manchmal komisch.

    • Nun ja, die Idee sowohl zur Liste als auch die wöchentlichen Statusupdates habe ich dem geschätzten Herrn Guinness zu verdanken… aber es ist eine spannende Herausforderung, sich auf die selbst gesetzten Punkte dann auch in Wirklichkeit einzulassen.

  2. So, jetzt hast Du bald die „einfachen“ Aufgaben durch.8 und 9 sind doch auch zu schaffen. Einfach in den Zug setzen, irgendwohin fahren und dort nach der nächsten Sehenswürdigkeit und/oder Cafe fragen. Wenn sympathisch einfach fragen, ob er/sie mit einen Cafe trinken will. Wenn nicht sympathisch, dann einfach hinsetzen und die Leute beobachten. Ein großer Spaß.

    Du bist auf einem guten Weg.

    • Guten Morgen 🙂 Ich meinte natürlich: Was war denn der Grund dafür, dass Du Deine Kontakte vernachlässigt hattest? Weil – wenn Du den „ausmerzen“ oder reduzieren könntest, dann würde das ja auch helfen. Und jetzt hole ich mir noch einen Kaffee. 🙂

      • Ich hoffe, der Kaffee hat gemundet. 🙂 Es gab mehrere Gründe für weniger (aktive) Kontakte in meinem Leben: Ich bin vor zweieinhalb Jahren berufsbedingt aus der Gegend, in der ich aufwuchs, gut 200 km weggezogen, in eine Stadt, in der ich lediglich einen losen Bekannten hatte. Kurz danach zog auch meine Familie 100 km weg (nicht in meine Richtung), so dass ich in der „alten Heimat“ keinen Anlaufpunkt mehr habe, von wo aus ich gelegentlich auch mal alte Freunde treffen könnte, zumal von denen auch ein großer Teil durch Studium und Beruf quer über Deutschland verteilt ist. Dann begann ich kurz vor meinem Umzug eine Beziehung, die dann zur Fernbeziehung wurde und der als solche die meisten meiner Wochenenden gewidmet waren (wobei erschwerend hinzukam, dass ich einen Job habe, in dem ich häufig abends und am WE arbeiten muss, was Treffen ohnehin verkompliziert) – mein Partner war also definitiv No. 1 auf der Liste der Menschen, mit denen ich Freizeit verbrachte. Jetzt scheiterte die Beziehung und mir fehlen eben stabile freundschaftliche Beziehungen in dieser Stadt. Naja, und ich bin halt nicht so gut im Auf-andere-zugehen. Deshalb diese Liste und der selbst hervorgerufene und erwünschte Gruppenzwang durch euch Leser. 🙂

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