Vom Alleinsein

Beim letzten Mal hatte ich Angst vor dem Alleinsein. Aber ich lernte: Auch damit kann ich zurecht kommen. Deshalb habe ich mir dieses Mal vorgenommen, das Alleinsein ganz bewusst zu erleben. Heute war ich wandern, in einer Gegend, die nicht weit weg liegt, in der ich aber noch nie war. Wandern ist eine gute Alleine-Beschäftigung. Man läuft alleine und trifft trotzdem immer wieder andere Menschen auf dem Weg. Es ergab sich sogar, dass ich eine kurze Wegstrecke gemeinsam mit jemandem lief, den ich zufällig traf und nach dem Weg fragte. Ich weiß nicht einmal seinen Namen, aber wir unterhielten uns gut. In der S-Bahn auf dem Heimweg sprach mich ein Mann an, dessen Gesicht mir vage bekannt vorkam; es stellte sich heraus, dass wir eine Zeit lang im selben Unternehmen, aber in völlig unterschiedlichen Bereichen arbeiteten. Auch mit ihm unterhielt ich mich auf eine angenehme Art. Am Abend beschloss ich spontan, ins kleine Programmkino um die Ecke zu gehen und mir „A long way down“ anzusehen. Ich rechnete schon damit, die Einzige zu sein, die sich an einem Sonntag Abend bei schönem Wetter ins Kino setzt und tatsächlich waren nur wenige Besucher dort – unter anderem aber eine nette Kollegin, die ganz in meiner Nähe wohnt und die ich trotzdem noch nie einfach so traf. Der Film war schön und wir konnten sogar noch ein Stückchen des Nachhauseweges gemeinsam gehen. So war also selbst der ausgesprochene Alleine-Tag doch noch gefüllt mit Begegnungen, durchgehend positiver und unaufdringlicher Natur. Das macht mir Mut für die kommende Zeit.

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6 Kommentare zu “Vom Alleinsein

  1. Der entscheidende Satz steht für mich gleich am Anfang: Sich etwas bewusst machen, etwas bewusst erleben. Wenn man sich etwas bewusst macht, hat man meist schon die halbe Lösung für ein Problem, kann entspannter damit umgehen und u.a. so einen schönen Tag erleben. Gefällt mir sehr gut – das hat etwas tröstliches, ruhiges und lässt mich lächelnd weitermachen. 🙂

  2. Nun, es hat sich schon in Deinen vorherigen Einträgen danach angehört, dass eure Beziehung (mal wieder) auf Trennung hinausläuft. Es scheint, als ob eine gewisse Abgeklärtheit damit einher geht. Gut so. Und noch besser, dass Du die Zeit bewusst nutzt, um Dinge anzugehen und Deine Freiheit zu genießen. Lass noch mal richtig die Sau raus. Beim nächsten Mann (wer immer das sein wird) kann es gleich ernst werden und ruckzuck bist Du verheiratet, hast 3 Kinder, Haus, Garten, etc. Und nach einer durchwachten Nacht, weil Dein Mann geschnarcht hat oder Dein jüngstes Kind geweint hat, dann wirst Du Wehmut haben nach Deiner Singlezeit und nur Du bestimmt hast was gemacht wird. Der Wehmut wird so oder so kommen. Aber es macht einen Unterschied, ob Du das Gefühl hast etwas verpasst zu haben oder nicht. Tob Dich aus.

      • Da „Austoben“ nicht gesetzlich definiert ist, sollte es jeder so machen wie sie oder er es mag. Alles andere bringt nichts. Selbstbestimmung ist der richtige Ausdruck. Mach Dir am besten eine Liste mit Dingen, die Du gerne machen willst.
        BTW, wenn Du gerne wanderst, kennst Du die Kontaktanzeigen im DAV-Magazin. Da sind Kracher dabei, da lachst Du Dich schlapp.

        • Das mit der Liste ist eine gute Idee.
          Das Wandern habe ich erst neu für mich entdeckt, von daher kenne ich das Magazin nicht… aber Kontaktanzeigen, egal wo, lese ich immer gerne, das ist besser als jede Satireseite. (Mein Favorit waren immer die im „Sonntagsblatt“, das ist die Zeitung vom Bistum Würzburg – zum Schießen!)

          • Kontaktanzeigen sind wahrlich immer lustig. Ich versuche sie immer zu dechiffrieren. Leider erfahre ich nie, ob ich Recht habe. Ist wie bei den Hotelbeschreibungen (zentrale Lage, Meerseite, junges Publikum, aufstrebende Region, etc).
            Kontaktanzeigen in einem Kirchenblatt habe ich noch nie gesehen, allerdings lese ich unser Kirchenblatt auch nie. Ich glaube wir haben noch eines vom Bistum bekommen, immer nur von der Gemeinde. Die Gemeinde ist allerdings so klein, dass da bestimmt keiner eine Anzeige schalten würde, da man schnell wüsste, um wen es geht.

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