An T.

Lieber T.,

ich weiß nicht, ob du das hier lesen wirst. Du last früher regelmäßig diesen Blog, aber vielleicht tust du es nicht mehr, weil es dich nicht mehr interessiert, oder aus Selbstschutz. Ich schreibe hier und nicht persönlich an dich, weil ich keine frischen Wunden aufreißen will. Aber vielleicht findest du den Text trotzdem irgendwann, und dann hätte er sein Ziel erreicht.

Es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe. Was ich tat, war notwendig, für mich, und damit auch für uns beide, für dich, weil eine Kette immer nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied, und trotzdem war das Schlimmste, dich zu verletzen und vorher gewusst zu haben, dass ich dich verletzen werde. Der Schritt fiel mir schwer, sehr schwer, obwohl etwas in mir wusste, dass er notwendig war. Ich zögerte, weil ich dir niemals Schmerzen zufügen wollte, und tat es doch, weil es keine Alternative dazu gab. – Letztes Jahr sagtest du ähnliche Worte zu mir, und ich verstand sie nicht. Ich war erfüllt von Trauer und Schmerz und Zorn und hätte dich am liebsten angebrüllt: „Wieso siehst du nur das Dunkel und nicht das Licht, das dahinter kommt, kommen wird, kommen muss, wenn wir nur immer geradeaus gehen?“ Heute, da die Rollen umgedreht sind, weiß ich, wie du dich damals fühltest. Und wenn du mir heute meine Frage von damals stelltest, lautete die Antwort: „Weil geradeaus kein Licht mehr kommt, mein Lieber. Weil du nach rechts und ich nach links abbiegen müssen, um das Licht zu finden, oder irgendetwas, zumindest etwas anderes als diese dunkelgraue Nebeldecke, auch wenn wir es jetzt noch nicht sehen und vielleicht nicht einmal erahnen können. Aber was wir auch finden werden, es wird besser sein als das ewige Schwarz, das geradeaus vor uns liegt, selbst wenn wir das Schwarz ab und zu mit unseren Streichhölzern erleuchten können. So hell unser entfachtes Licht auch scheinen mag, das Streichholz ist schnell heruntergebrannt und dann ist es wieder finster. Und irgendwann wird die Schachtel mit den Streichhölzern leer sein.“

Ich mag dich, ich mag dich sehr. Du warst lange Zeit der wichtigste Mensch in meinem Leben, nicht nur Geliebter, sondern auch bester Freund, Weggefährte, der Mensch, der meinen Alltag teilte und meine Geheimnisse kannte. Du wirst in meinem Leben eine Lücke hinterlassen, genauso, wie ich das in deinem Leben tue. Aber die Lücken werden sich langsam schließen, so wie eine Wunde, die verheilt. Erst entsteht Schorf, und man ist versucht, daran zu kratzen, aber dann blutet es nur wieder, und der Prozess beginnt von neuem. Irgendwann wirst du es schaffen, die Wunde in Ruhe heilen zu lassen, bis die Haut wieder ganz neu und rein ist. Dann, wenn die Erinnerungen an mich, an uns, nicht mehr von Schmerz und Wehmut, sondern von Gelassenheit getragen sind.

Ich wünsche dir ganz ehrlich und aus vollem Herzen nur das Beste. Ich wünsche dir, dass du herausfindest, was du suchst, bis du dich auf den Weg machen kannst, es zu finden. Ich wünsche dir Freude und Erfolg und Menschen, die es gut meinen mit dir. Ich wünsche dir, dass du glücklich wirst.

Deine C.

Advertisements

Ein Kommentar zu “An T.

  1. Tja, das ist ein Brief, den man nicht bekommen will. Mag er auch noch so aufrichtig sein, aber die Nachricht bleibt die Gleiche. Ich hoffe, dass es T. bald so gut geht, dass er es auch (an)erkennen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s