Beziehungs-Wunschliste

Dinge, die ich mir in einer Beziehung wünsche: Zunächst mal Selbstverständlichkeiten. Geliebt werden. Respektiert und ernstgenommen werden.Vertrauen und Wahrhaftigkeit.

Dann, schon etwas komplizierter: Eine Atmosphäre, in der ich mich geborgen, aber nicht eingeengt fühle. Offenheit und Ehrlichkeit, auch da, wo es weh tut. Gesprächs-, Diskussions- und Kompromissbereitschaft. Ausprobierfreudigkeit und Verzicht auf das „aber bisher hat es doch auch immer geklappt, warum sollen wir etwas ändern?“. Konsequenz. Da-Sein, auch wenn es mal nicht so läuft. Alltag und Durchschnittlichkeit aushalten. Verlässlichkeit, sowohl praktisch als auch emotional. Empathiefähigkeit, angewandt auf mich und genauso auf alle anderen Menschen, mit denen man so zu tun hat – Freunde, Kollegen, Schwiegermütter und so weiter. Eine gesunde Mischung aus Rückgrat und Anpassungsfähigkeit.

Schließlich die Königsdisziplin: Ich möchte ertragen und dabei trotzdem geliebt werden, gerade dann, wenn ich mich selber ziemlich doof finde. Ich weiß, dass ich manchmal furchtbar kompliziert, launenhaft und dünnhäutig bin und dass ich dann erwarte, mir würde jeder Wunsch von den Augen abgelesen werden. Aber bitte: Versuch es wenigstens! Ich revanchiere mich auch.

Und zur Abrundung noch die Dekostreusel: Ab und zu mal Blumen mitgebracht zu bekommen, wäre nett. Ein gut vorbereitetes Überraschungspicknick im Park oder ein spontanes „Lass uns an den See fahren“ auch. „Toi Toi Toi“- oder „Gute Besserung“-SMS, wenn sie angebracht sind, und „PS: Ich liebe dich“ gerne auch mal zwischendurch. Das wäre schön.

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25 Kommentare zu “Beziehungs-Wunschliste

        • Realistisch sein, aber nicht die Hoffnung aufgeben. Ich gebe jetzt doch noch einmal meinen Senf dazu. Und ja, es ist meine subjektive Meinung, wenn ich die Punkte durchgehe. Ich werde einige Vergleiche zu Eltern-Kind Liebe machen. Mir ist dabei völlig klar, dass das ein Vergleich von Äpfel und Schnitzel ist. Und doch denke ich, dass es hilfreich ist die Perspektive zu wechseln.

          1. Geliebt werden – Das ist alles und nichts. Jeder definiert es anders. Die Perle liebt Dich anders als Deine Mutter Dich lieben würde. So ist es auch in Beziehungen. Es gibt den Sender und den Empfänger
          2. Respektiert und ernstgenommen werden – Dazu hatte mich schon geäußert. Es ist für mich der wichtigste Punkt und da gibt es meiner Meinung nach auch nicht so viel Definitionsbandbreite wie bei der Liebe
          3. Vertrauen – Das bildet sich über die Jahre. Natürlich hätte man es gerne vom ersten Moment an, aber so richtig kommt es erst über die Jahre. Entsprechend sehe ich es eher als Folge und nicht so sehr als Voraussetzung. Daher habe ich es auch von der Wahrhaftigkeit „getrennt“.
          4. Wahrhaftigkeit – Ich interpretiere das einfach als Authentizität, um es von Nr. 7 abzugrenzen. Je früher jeder sein wahres Gesicht zeigt, um so besser. Ich denke, dass hier ein Großteil der Probleme entsteht. Man sollte ehrlich zu sich selbst sein. Wenn ich lieber zu Hause auf dem Sofa sitze, dann werde ich mit einem Party-Tier nicht langfristig glücklich sein, auch wenn ich das für 6 Monate toll finde.
          5. Geborgenheit – Sehe ich als Folge von 3. und 1. an. Erst wenn ich 100% Vertrauen kann, kann ich mich auch geborgen fühlen. Denk an die Perle. Sie liebt Dich und vertraut Dir zu 100% und entsprechend sind Deine Arme der beste Platz der Welt.
          6. Offenheit – „Normalerweise“ hilft die Verliebtheit am Anfang, dass man viele Dinge offen angeht. Wenn man einige Erfolgserlebnisse hatte, dann wird es auch weiter so gehen. Ich verweise aber auf Nr. 4 und bleibe bei dem Beispiel Couch Potatoe. Wenn ich mit der neuen Flamme nur in die Clubs gehe, um ihr zu gefallen, dann wird es irgendwann vorbei sein. Dann wird keine Offenheit da sein, um auch noch den 20. Club auszuprobieren.
          7. Ehrlichkeit – Diese muss von Anfang gegeben sein, denn ansonsten wird sich nie Vertrauen ergeben. Man muss am Anfang einer Beziehung bestimmt nicht jede Schandtat offenlegen, die man jemals gemacht hat. Ich persönlich bin ein Freund von „ich will alles wissen, aber nicht alles hören“. Entsprechend kann man „Details“ weglassen, aber man darf nicht bewusst lügen.
          8. Gesprächs-, Diskussions- und Kompromissbereitschaft – Hier sehe ich einen großen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Das wird man meiner Meinung nach nicht „lösen“ können im Sinne, dass eine Position sich durchsetzt. Aber beide Seiten können es so weit nach vorne bringen, dass man gut damit leben kann.
          9. Ausprobierfreudigkeit und Verzicht auf das “aber bisher hat es doch auch immer geklappt, warum sollen wir etwas ändern?” – Dieser Punkt ist harte Arbeit und harte Verhandlung. Da ist mir selbst noch nichts richtig Gutes eingefallen. Es läuft letztlich stark auf Kompromisse hinaus, aber eine lange Beziehung ist ein permanenter Kompromiss.
          10. Konsequenz – Wo hört der Kompromiss auf und fängt die Konsequenz an? Bzw. ist es Konsequenz oder Starrsinn? Konsequenz kann auch der Ausprobierfreudigkeit entgegen stehen.
          11. Da-Sein, auch wenn es mal nicht so läuft – Siehe Nr. 3 und Nr. 5. Zu wissen, dass der andere alles stehen und liegen lässt wenn etwas sein sollte ist ein sehr schönes Gefühl. Aber es ist auch eine Verantwortung den Notfall nicht auszurufen, weil die Milch leer ist.
          12. Alltag und Durchschnittlichkeit aushalten – Das ist meiner Meinung nach die Königsdisziplin. Das ist harte Arbeit. Das ist Kilometer 30-41 bei einem Marathon. Wenn man sich eine Beziehung wie ein Konto vorstellt, dann sind Dinge wie Liebe, Vertrauen, Geborgenheit Kontoeingänge. Man muss zwar investieren, aber man bekommt immer mehr zurück. Alltag und Durchschnittlichkeit hingegen sind Ausgaben. Wenn man nicht genügend Guthaben hatte, dann ist das Konto ruckzuck überzogen. Hinzu kommen die „Kredithaie“, die einem ein sorgenfreies Leben vorgauckeln. Ja, man weiß, dass deren „Zinsen“ noch höher sind, als bei der Kontoüberziehung, aber es wäre doch so schön, wenn man das….Es ist und bleibt harte Arbeit, aber so wie es im richtigen Leben auch eine Steuerrückzahlung oder vielleicht einmal eine Sonderzahlung gibt, so gibt es auch im Beziehungskonto immer wieder überraschende Einzahlungen, die das Konto ausgleichen oder ins Plus heben.
          13. Verlässlichkeit, sowohl praktisch als auch emotional – Siehe 3, 5, 7 und 11. Hier sollten sich beide aber auch einig sein, wie sie das interpretieren. Für den einen bedeutet es 15 Minuten zu früh zu sein und für den anderen nicht mehr als 15 Minuten zu spät zu sein.
          14. Empathiefähigkeit, angewandt auf mich und genauso auf alle anderen Menschen, mit denen man so zu tun hat – Freunde, Kollegen, Schwiegermütter und so weiter – Siehe Nr. 4. Jeder sollte authentisch sein. Man kann sich zu einem gewissen Grad anpassen, aber irgendwann ist Schluss. Da greift man auch einmal zur Notlüge und täuscht Arbeit vor, wenn es wieder zur Verwandschaft oder zu Freunden von ihr oder von ihm geht. Als Partner weiß man aber auch was man dem jeweils anderen zumuten kann. Auch das ist wieder Kompromissbereitschaft. Wenn ich weiß, dass der andere mir etwas „gut schreibt“, dann muss ich es nicht einfordern, da es von alleine kommt. Wenn ich weiß, dass der Besuch bei der Tante dazu führt, dass der Partner mit zur Party bei den alten Studienfreunden kommt, dann haben beide etwas gewonnen.
          15. Eine gesunde Mischung aus Rückgrat und Anpassungsfähigkeit – Siehe 10
          16. Königsdisziplin: Ich möchte ertragen und dabei trotzdem geliebt werden, gerade dann, wenn ich mich selber ziemlich doof finde. Ich weiß, dass ich manchmal furchtbar kompliziert, launenhaft und dünnhäutig bin und dass ich dann erwarte, mir würde jeder Wunsch von den Augen abgelesen werden. Aber bitte: Versuch es wenigstens! Ich revanchiere mich auch. – Siehe Harry und Sally so ziemlich gegen Ende des Films:
          Harry: „Ich liebe Dich dafür, daß Dir kalt ist, wenn draußen 25 Grad sind. Ich liebe Dich dafür, daß Du anderthalb Stunden brauchst, um ein Sandwich zu bestellen. Ich liebe Dich dafür, daß Du eine Falte über der Nase kriegst, wenn Du mich so ansiehst. Ich liebe Dich dafür, daß ich nach einem Tag mit Dir Dein Parfum immer noch an meinen Sachen riechen kann. Und ich liebe Dich auch dafür, daß du der letzte Mensch bist, mit dem ich reden will, bevor ich abends einschlafe. Und das liegt nicht daran, daß ich einsam bin und das liegt auch nicht daran, daß Silvester ist. Ich verrat Dir, warum ich heute Abend hierher gekommen bin: Wenn man begriffen hat, daß man den Rest des Lebens zusammen verbringen will, dann will man, daß der Rest des Lebens so schnell wie möglich beginnt.“
          Sally: „Siehst Du?! Das ist wieder ganz typisch für Dich, Harry! Du sagst solche Sachen und damit machst Du es mir unmöglich Dich unendlich zu hassen.“
          17. Blumen mitgebracht zu bekommen, wäre nett. Ein gut vorbereitetes Überraschungspicknick im Park oder ein spontanes “Lass uns an den See fahren” auch. “Toi Toi Toi”- oder “Gute Besserung”-SMS, wenn sie angebracht sind, und “PS: Ich liebe dich” gerne auch mal zwischendurch. Das wäre schön. – Wie schon vorher erwähnt geht es in beide Richtungen. Ja, Männer machen sich selten etwas aus Blumen, aber die Überraschung weiß jeder Mensch zu schätzen.

          Eine Beziehung ist Arbeit und Kompromisse machen. Die Kunst besteht darin rechtzeitig heraus zu finden, ob es sich lohnt die Arbeit zu investieren. Und Kompromisse zu machen, mit denen beide Seiten leben können und langfristig gemeinsam mehr erreichen.

          • Musste am Ende feststellen, dass er etwas groß geraten ist. Hatten wir nicht schon einmal diesen Vorgarten verwüstet? Ich hoffe wir haben keine Bewährung mehr offen.

          • Wow. Lieber Herr Guinness, vielen Dank für diesen fabulösen Kommentar, die geschätzte Frau Knobloch hat das mit den Herzchen schon sehr treffend vorweggenommen. Und keine Sorge wegen des Vorgartens, ihr Durchpflügen bereitet ihn umso besser für die Frühlingsblumenpracht vor.
            Inhaltlich muss ich das erst einmal sacken lassen (zumal um diese Uhrzeit), allerdings nicht wegen geplanter Widerrede, sondern zwecks Verinnerlichung Ihrer sehr überzeugenden Gedankengänge. Es ist schön, dazu auch einmal aus männlicher Perspektive zu lesen.
            Eine gute Nacht wünscht die Lebenliebenlernende

          • Danke, das freut mich, dass interessante Gedanken dabei waren.

            Willst Du vielleicht stattdessen meinen Rasen vertikutieren? Der hätte es sehr nötig und ich habe keine Lust.

  1. Ich finde, dass dies eine ganz famose Wunschliste ist, die meiner Meinung nach absolut realistisch ist. Am besten gefällt mir folgender Teil:

    „Da-Sein, auch wenn es mal nicht so läuft. Alltag und Durchschnittlichkeit aushalten. Verlässlichkeit, sowohl praktisch als auch emotional. Empathiefähigkeit, angewandt auf mich und genauso auf alle anderen Menschen, mit denen man so zu tun hat – Freunde, Kollegen, Schwiegermütter und so weiter. Eine gesunde Mischung aus Rückgrat und Anpassungsfähigkeit.“

    Dazu Respekt. Respekt ist der wichtigste Punkt. Solange Du Deinen Partner respektierst wirst Du die obigen Dinge auch machen und Dein Partner ebenso. Man wird vielleicht keine Blumen bekommen (wie oft hast Du Deinem Partner Blumen geschenkt?) aber das ist nebensächlich, wenn man dafür Respekt bekommt. Es geht immer in beide Richtungen und es bedeutet auch einmal Dinge aushalten zu können, die einem nicht gefallen.

    • Dinge aushalten, die einem nicht gefallen. Das finde ich wichtig. Keine Rosinenpickerei. (Das mit den Blumen ist natürlich eine symbolische Geste. Aber gelegentlich hat so ein Symbol eine starke Wirkung. Und tatsächlich hat Monsieur von mir noch keine Blumen bekommen, weil ich weiß, dass er mit Blumen – im Gegensatz zu mir – wenig anfangen kann. Aber in diesem Fall kann man Blumen ja durch Anderes ersetzen, selbstgebackene Lieblingskekse oder eine Aufmunterungspostkarte zwischendurch.)

  2. Mich dem geschätzten Herrn Guinness anschließend: Ja, es ist eine absolut realistische Wunschliste. Diese Beziehungen gibt es. Und Sie müssen einfach daran glauben, daß es auch Ihnen passiert. Auch fällt mir nur wieder die bonfortionöse Aussage der schmerzlich vermissten MmeMme Contraire ein: „Geben und geben lassen.“ Ich ergänze mit „Sein und sein lassen“.

    • Nun ja, die Frage, die mich derzeit umtreibt, ist die, ob Menschen sich ändern können, hin zu manchen Punkten auf dieser Liste. Weiterhin die, ob man von Liebe sprechen kann, wenn man erwartet, dass der andere sich ändert oder alternativ, dass der andere seine Erwartungen herunterschraubt. Ob Liebe mit diesen Punkten identisch ist oder auch unabhängig davon existieren kann, und wenn letzteres der Fall ist, ob Liebe alleine immer ausreicht für ein Leben zu zweit. Aber das ist ein weites Feld.

      • Menschen können sich schon ändern, wenn sie es von sich aus wollen. Aber nicht, wenn es ihnen von anderen angetragen wird, da wird’s kompliziert. Und da kommt dann tatsächlich die Frage auf: Ist das noch Liebe, wenn wir nicht perfekt füreinander sind? Wenn die imaginäre Waage zugunsten des Meindirguttun und Deinmirguttun ausschlägt und nicht zu Meinemackenundfehler und Deinemackenundfehler, dann ist da eine harmonische und stabile Beziehung möglich.

        • Beim nochmaligen Durchlesen des guinnesschen Fabulöskommentars merke ich, dass ich zu dem Ihrigen gar keinen Senf mehr hinzu gab, der doch ebenfalls wunderbar weise Worte enthält. Ich habe in dieser Hinsicht noch einiges zu lernen – im Idealfall gemeinsam mit Monsieur. Für die herzensweise Frau Knobloch jedenfalls: ❤ ❤ ❤ ❤ ❤ ❤ ❤ <3!

          • Garkeinescheißsondernentzückendlieblichschönherzchen für mich! Und dann auch noch in Orbitösmohnrot. Ich dankefeine von Herzen. Aber ich habe mich im Schatten des Guinness’schen Fabulöskommentares sehr wohl gefühlt. Doch die Herzchen, die nehme ich natürlich gernst.

  3. Vielleicht nur die falsche Wortwahl… ein total schöner text, ABER… eines muss ich gerade los werden..

    Du schreibst: Zunächst mal Selbstverständlichkeiten. Geliebt werden. Respektiert und ernstgenommen werden.Vertrauen und Wahrhaftigkeit.

    Ich möchte darauf erwidern, NICHTS ist in einer Beziehung selbstverständlich. Oft sieht man es irgendwann als solches… Und doch sollte alles ein kleines Wunder bleiben und NICHTS selbstverständlich werden

    Ein wirklich schöner Blog, danke

    • Natürlich sind Respekt und Liebe und Vertrauen nicht per se Selbstverständlichkeiten. Ich finde allerdings, dass sie es – in einer funktionierenden, guten Beziehung – schon sind bzw. sein sollten, nicht im Sinne von „der Andere liebt mich eh, ist also egal, was ich tue, und ich liebe ihn eh, ich muss es ihm also nicht mehr zeigen“, sondern weil das einfach die Grundpfeiler einer Beziehung sind und wenn davon etwas fehlt, ist es auch keine gelungene Beziehung mehr. Oder siehst du das anders?
      Und danke für das Lob! Ich werde demnächst einen Gegenbesuch abstatten. 🙂

      • Natürlich sind es Grundpfeiler (die aber auch jeder für sich selber definiert) Oft hapert es aber schon an diesen Pfeilern. Eigentlich meinte ich auch nur, es wird von vielen ZU selbstverständlich hin genommen und wenn man das einmal ablegt, sich über jede Liebe freut, dann lebt man eine Beziehung viel intensiver

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