Frühlingsgefühle

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Trotz mehrfacher Umzüge kam ich nie über ein 2000-Seelen-Dorf hinaus. Als Kind war das toll, spätestens mit dem Einsetzen der Pubertät wurde es nervig und immer nerviger. Die bestandene Führerscheinprüfung war wie eine Befreiung, und das erste eigene Auto anderthalb Jahre später veränderte alles. Unabhängig vom beinahe nicht existierenden Nahverkehr sein, fahren wohin ich will wann ich will mit wem ich will – ich liebte die Möglichkeiten, die mir mein Auto bot. Inzwischen wohne ich in der Stadt und erledige 98 % meiner Alltagsgeschäfte mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr, weil das Autofahren hier einfach unpraktisch ist. Behalten habe ich das Auto trotzdem, als kleinen Luxus und Reminiszenz an vergangene Zeiten – selbst wenn ich inzwischen sogar das Zugfahren wieder zu schätzen gelernt habe, weil sich die Fahrzeit dabei weniger verschwendet anfühlt.

Heute fuhr ich einmal wieder mit dem Auto, zu einem Kaffeetrinktreffen in einem zwanzig Kilometer entfernten Städtchen. Das Wetter war schön, beinahe frühlingshaft; meinen dicken Parka konnte ich offen lassen und im blendenden Sonnenschein war ich mit Mütze vollkommen overdressed. Auf dem Rückweg sauste ich über die Autobahn – zu schnell, ich gebe es zu. Aber bei gutem Wetter und leeren Straßen kommt gelegentlich der Geschwindigkeitsfanatiker in mir zum Vorschein. Wieder im innerstädtischen Bereich angelangt, öffnete ich die Fenster und drehte die Musik noch ein bisschen weiter auf. Der CD-Player spielte wunschgemäß einen meiner persönlichen Feelgoodsongs, durchs Fenster zog eine angenehme leichte Brise frühlingsfrischer Luft, ich gab Gas und fuhr metaphorisch und wortwörtlich der Sonne entgegen. So sehr man aus ökologischer und unfallstatistischer Sicht auch auf den Individualverkehr schimpfen mag: Ein überfülltes Regionalexpressabteil kommt eben doch nicht an das Glücksgefühl einer frühlingsfreien Autofahrt heran.

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2 Kommentare zu “Frühlingsgefühle

  1. Genau so ist es: dieses Gefühl, die eigene Musik, den Ausblick und das eigene Tempo. Das gibts im ÖNV nicht 😉 Wie gut ich dich verstehe. Und Viva la Vida passt so gut zu dieser Stimmung – liebe Grüße von Doris

  2. Auto fahren und dazu die eigene Musik hören – sowas Schönes, besonders jetzt, wo es aussieht, als käme so langsam der Frühling, obwohl ja noch Winter ist. Liebe Grüße und gute Fahrt!

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