Trauer die Zweite

Dieses Jahr büßt der Advent einiges von seiner wärmend-heimeligen Grundstimmung ein, die er sonst hat oder haben sollte. Nach dem Todesfall in der letzten Woche betrifft mich das Thema nun noch etwas direkter: Gestern starb meine Oma. Meine Omi, die so oft auf mich aufgepasst hat, als ich noch klein war, die unzählige Stunden mit mir auf Spielplätzen verbracht hat, die im Schlafzimmer einen Süßigkeitenschrank hatte und dem kleinen gnäschigen Mädchen alle kulinarischen Sonderwünsche erfüllt hat. Oma, von der ich den Sturkopf und das Faible für Kreuzworträtsel geerbt habe, die für mich und die ganze Familie Wollsocken im Übermaß gestrickt hat und ohne die ich meinen Führerschein nie hätte bezahlen können. Oma, die in den letzten Jahren immer mehr abgebaut hat, die täglich unzählige verschiedene Sorten Tabletten nehmen musste, die am Ende kaum mehr laufen konnte und ihre letzten Wochen in einem Krankenhausbett verbrachte. Das letzte Mal besucht habe ich sie fünf Tage vor ihrem Tod. Sie sah schlecht aus, abgemagert, Schläuche überall, ihr Gesicht eingefallen und kaum noch zu erkennen. Doch in Erinnerung behalten werde ich sie anders: Sitzend in ihrem Lieblingssessel, in den Händen die klappernden Stricknadeln und im Aschenbecher auf dem Wohnzimmertisch die Zigarette, von der sie regelmäßig zog.

Tschüss, liebe Oma. Es geht dir jetzt sicher besser. Wir werden uns wiedersehen.

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7 Kommentare zu “Trauer die Zweite

  1. Es klingt ja danach, dass der Tod ihr eher eine Befreiung ist, aber dennoch haut das natürlich noch einmal rein. Schön, dass ein schönes Bild von ihr behalten wirst. Ich erinnere mich auch immer wieder gern an eine Oma (nicht meine direkte, aber die Mutter des Freundes meiner Mutter, nur dass die mittlerweile getrennt sind). Sie rannte immer über den Hof und brachte gern mal etwas zu essen vorbei, das wir uns aufwärmen konnten. Sie war einfach eine herzenswarme Persönlichkeit.

    • Sie hat auf jeden Fall gelitten in dem Zustand, in dem sie war, und es gab eigentlich keine Chance auf eine deutliche Verbesserung. Von daher ist es wahrscheinlich gut so, wie es ist. Traurig für alle Hinterbliebenen ist es trotzdem, naturgemäß.
      Und ich finde übrigens, dass das Oma-Sein nicht zwangsläufig etwas mit der biologischen Verwandtschaft zu tun hat. Ich hatte auch einen klasse Stiefopa und dann gibt es da noch eine tolle Ex-Nachbarin, die sich zur großartigen Ersatz-Oma entwickelt hat.

  2. Mein aufrichtiges Beileid und viel Kraft dir und deiner Familie in diesen traurigen Stunden. Behalt dir die schönen Erinnerungen an deine Omi wie einen wärmenden Sonnenstrahlen im Herzen.

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