Kreativlust

In der letzten Zeit haben mir mehrere Menschen, die ich zum Teil erst ganz frisch kennengelernt hatte, gesagt, ich würde Kreativität ausstrahlen. Ich sähe so aus, als wäre ich künstlerisch tätig. Und dann waren sie alle ganz erstaunt, als ich sagte, dass ich das nicht bin. Dass ich nicht zeichne, nicht male, nicht dichte, nicht bastele, keine Romane schreibe und keine Songs, kein Instrument spiele und nicht mal stricke. Dabei habe ich tatsächlich manchmal das Gefühl, als wäre da irgendetwas in mir drin, was manchmal ruhig ist, manchmal brodelt, aber einfach noch keinen Kanal nach außen gefunden hat. Denn immer, wenn ich doch mal etwas anfange – zum Beispiel das Zeichnen oder Schreiben -, ruft das nach kürzester Zeit meinen Perfektionismus auf den Plan, der dazu führt, dass ich mit allem Begonnenen unzufrieden bin und es doch wieder lasse. Weil die Bilder, die ich aufs Papier bringe, niemals so gut aussehen, wie sie das in meinem Kopf tun, und die Texte aus meiner Feder mir so unbedeutend und unnütz vorkommen im Vergleich zu denen, die andere Menschen bereits geschrieben haben.

Gestern war ich nach Feierabend noch mit zwei Kolleginnen bei einer Ausstellungseröffnung, bei der eine Band spielte. (Meine Kolleginnen kannten die Sängerin, gingen nur deshalb dorthin und nahmen mich eben ins Schlepptau, aber das ist eine andere Geschichte.) Die Band war ziemlich großartig, sie machten klasse Musik und hatten zudem – was ich sehr wertschätze – intelligente und feinfühlige Songtexte. Nach wenigen Minuten konnte ich einfach nicht mehr ruhig vor der Bühne stehen bleiben, sondern begann, ein wenig zu tanzen. Und da passierte es: Ich hatte auf einmal das ziemlich surreale Gefühl, als würde dieses Etwas, das irgendwie in mir drin ist und das wohl Kreativität genannt wird, bei jeder Bewegung, jedem Heben des Arms, bei jedem rhythmischen Wippen mit den Füßen und jedem Hüftschwung auf eine gute Art und Weise aus mir heraus fließen, einmal den Raum durchwandern und schließlich wieder zurück kommen. Klingt merkwürdig? Stimmt. War aber so.

Ich weiß jetzt immer noch nicht so genau, was ich mit diesem kreativen Fluss, den ich da spürte, anfangen soll. Aber klar ist auf jeden Fall: Irgendeine Form werde ich dafür finden.

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7 Kommentare zu “Kreativlust

  1. Oh das kenne ich! Sowohl das Gefühl nicht zu wissen, wohin damit, als auch das nicht still stehen können, wenn gute Musik läuft. Mein liebster Kanal ist zur Zeit aber mein Blog. Oh und Kochen und Backen!

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