Herbstsonne

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Ich bin ein Frühlingskind. Es gibt nichts Schöneres als die ersten warmen Tage im März oder April, wenn man die Jacke wieder offen lassen kann, die Mütze abnimmt und sich die Frühlingssonne auf den Kopf scheinen lässt.
Den Herbst mag ich nicht so sehr. Wenn man langsam auf die dicke Jacke und die gefütterten Schuhe umsteigen muss, wenn der Regenschirm in der Handtasche die Sonnenbrille ersetzt und man das Fahrrad zur Reparatur bringt, weil man jetzt merkt, dass der Dynamo irgendwann im Sommer kaputt gegangen sein muss. Das ist nicht meine Zeit.
Aber manchmal – manchmal gibt es auch im Herbst Frühlingsmomente. Gestern war so ein Tag. Es hatte zwei Wochen lang abwechselnd geregnet oder eisiger Wind geweht, und es machte keinen Spaß, das Haus zu verlassen. Aber dann kam der Tag gestern. Die Sonne verteilte ihre leisen Strahlen über der Stadt, der Himmel hatte diese Farbe, die er nur an einem außergewöhnlich schönen Herbsttag annimmt, die Luft war mild und angenehm und die Menschen auf einmal kollektiv besser gelaunt. Und ich? Ich fuhr mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause und war, obwohl ich einen ziemlich miesen Vormittag hatte, dank des Wetters so fröhlich gestimmt, dass ich auf der Kreuzung, inmitten des Verkehrslärms um mich herum, laut „Yabbadabbadoo“ rief. Es hörten wohl nicht viele, und die, die es taten, sahen mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank, aber das kümmerte mich nicht. In diesem Moment war ich einfach glücklich. (Und da merkt man erst wieder, was für eine hauchdünne, kurzlebige Angelegenheit das Glück doch ist.) Danach ging ich kurz nach Hause, um meine Katze zu versorgen, und setzte mich anschließend noch für eine Dreiviertelstunde auf eine Parkbank in einer kleinen Grünfläche in der Nachbarschaft. Vielleicht waren das die letzten bewusst wahrgenommenen Sonnenstrahlen des Jahres. Ich habe sie genossen.

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5 Kommentare zu “Herbstsonne

    • Naja, der klassische Oktober bietet vielleicht noch ein paar dieser Tage. Die finde ich auch großartig. Aber wenn es dann so kalt und nass und diesig novembermäßig wird… dann mag ich den Herbst nur noch mit Kuscheldecke und einer Tasse Tee auf meinem Sofa 😀

      • Und das ist ein genauso perfekter Herbsttag, wie der draußen in der Sonne, wenn du mich fragst. Im Frühling hat man doch immer ein schlechtes Gewissen, wenn man nicht unterwegs ist, um die ersten Sonnenstrahlen auszunutzen. Im Herbst kann man zur Ruhe kommen.

      • Klaro ist der Kuscheldecken-Sofa-Tag auch super. Nur habe ich leider bloß selten Zeit für solche entspannten Tage. Und wenn dann morgens viel zu früh der Wecker klingelt, ich im Dunkeln aufstehen muss, es im Bad furchtbar kalt ist (ich wohne in einer Altbauwohnung mit undichten Fenstern) und ich dann bei Regen und kaltem Wind zur Arbeit fahre, mich danach wieder auf den Drahtesel schwinge, noch schnell den Einkauf mache und in der Unibib vorbeifahre und es dann schon wieder stockdunkel ist… dann macht mir der Herbst keinen Spaß. Aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden 🙂

  1. Oh ja, genau das Gefühl hatte ich gestern auch (‚yabadabadooooh‘ habe ich zwar nicht gerufen, aber es doch gefühlt). Und ich gebe dir vollkommen recht, die Idee des Herbstes, mit Decke und Tee auf dem Sofa und fiesem Wetter draussen, die ist nur an Sonntagen schön, wenn man da auch wirklich bleiben kann…an jedem anderen Tag ist es deprimierend…im dunkeln aus der Tür und im dunkeln wieder rein…bäh!

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