Kultur pur

Häufig beschwere ich mich ja über meinen Job. Blöde Arbeit, unregelmäßige Arbeitszeiten und so weiter. Aber ein Gutes hat diese Stelle: Ich komme gelegentlich für wenig oder gar kein Geld zu kleinen und großen Kulturereignissen. Diese Woche ballt es sich; gestern konnte ich mir eine Generalprobe von Verdis „Othello“ ansehen und heute kam ich in den Genuss eines Kammerkonzertes. Das trifft sich gut, denn zuhause ist dank nicht funktionierendem Internetanschluss (dieser Blogeintrag entsteht auf dem iPhone) nur wenig Ablenkung geboten.
Nun bin ich ja eigentlich kein großer Opernfan. Aber da ich nun mal in einem Bereich arbeite, in dem Opern zum Tagesgeschäft gehören und da außerdem meine beste Freundin Operngesang studiert, sehe ich mir doch hin und wieder einmal derartiges an – man möchte ja informiert sein (und außerdem lässt es sich nur mit Kenntnis fundiert lästern). Der Othello gestern entsprach dann auch ungefähr meinen Erwartungen: Die Musik war sehr gut, teils sogar fantastisch; ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Musik (und erst recht die Musik, die von einem großen Orchester und einem vierzig Mann starken Chor erzeugt wird) einen so ganz unvermittelt am emotionalen Wickel packen und von einer Minute zur nächsten riesengroße Gefühle auslösen kann. Von der Inszenierung war ich dafür nicht besonders begeistert; aber das ist ja meistens die Schwäche von Opern. Trotzdem waren es zweieinhalb Stunden solide Unterhaltung, wenngleich die Story auch in einer halben Stunde weniger gut hätte erzählt werden können.
Das Kammerkonzert heute war seit vielen vielen Jahren das erste rein klassische Instrumentalkonzert, das ich besuchte, und insgesamt auch erst das zweite oder dritte dieser Art. Seit vorhin bin ich nun ein Fan von Mussorgsky und habe auch Mahler für mich entdeckt; anderes fand ich dagegen ziemlich langweilig. Überhaupt fehlt mir unterhaltungsindustrieverwöhntem Gör dabei etwas die Show (auch wenn es durchaus spannend sein kann, mal den Instrumentalisten genau auf die Finger zu sehen – aber nicht dreieinhalb Stunden lang!). Für den Moment war das genügend Kulturerlebnis – in anderthalb Wochen geht es dann das nächste Mal ins Theater, aber ins Schauspiel: das ist, bei aller Liebe zur Musik, doch eher mein Ding.

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