Verdammt, ich vermisse dich

Ich vermisse dich. Dich oder einfach nur jemanden? Gute Frage. ‚Jemand‘ könnte Linderung verschaffen. Aber eigentlich vermisse ich dich. Deine Umarmungen und deine Küsse. Deine Gedankengänge, deine Ansichten, die fast immer so anders waren als meine und deswegen jedes Mal Anlass zu spannenden Diskussionen gaben. Überhaupt unsere Gespräche, am Telefon und am Küchentisch. All die Dinge, die wir miteinander unternommen und erlebt haben. Aber viel mehr noch die ereignislosen gemeinsamen Abende. Wenn wir uns beim besten Italiener des Stadtviertels etwas zu essen bestellten – du Lasagne, ich Gnocchi Gorgonzola – und den Tag mit einer Folge der Big Bang Theory ausklingen ließen. Ich hab die Staffel noch nicht weiter angeschaut, weißt du? Es kommt mir seltsam vor, so alleine. Außerdem müsste ich bei jedem Witz von Sheldon über Experimentalphysik, bei jeder selbstherrlichen Antwort und bei jedem seiner T-Shirts doch nur wieder an dich denken. Und das tue ich schon oft genug. Heute habe ich es eine Weile geschafft, den Gedanken zu entkommen. Aber dann, Facebook ist schuld, sah ich, dass du bei einem Bild von mir „Gefällt mir“ angeklickt hast. Und irgendwie macht mich das traurig und wütend zugleich. Du warst es, der eine Pause wollte. Du wolltest, wenn auch zeitlich auf ein ganzes, endloses Jahr beschränkt, nichts mehr von mir hören. Vielleicht war dir das alles zu viel. Die Telefonate. Die nervige, zeitaufwendige, teure Pendelei jedes Wochenende. All die Ansprüche, die man aneinander hat und die der andere unmöglich in der kurzen Zeit von Samstag bis Sonntag erfüllen kann. Aber weißt du was? Das gehört dazu in einer Beziehung. Eine Beziehung zu haben, bedeutet nicht nur, dass es jemanden gibt, mit dem man in den Urlaub fahren kann und all die Dinge unternehmen, die zu zweit mehr Spaß machen. Nicht nur regelmäßigen Sex und jemanden, der deine Manuskripte Korrektur liest. Eine Beziehung zu haben heißt auch: Wissen, wie es dem anderen geht. Sich langweilige Geschichten über den Stress in der Arbeit anhören. Akzeptieren, dass der andere deine Vorlieben nicht zu 100 % teilt. Sich auch mal für dessen Interessen interessieren, auch wenn du sie nicht besonders spannend findest. Kompromisse eingehen. Da sein, damit der andere sich auf dich verlassen kann. – Das hat dich überfordert? Du wolltest mal deine Ruhe vor allem? Bitte, jetzt hast du sie. Aber glaub bloß nicht, dass du einfach so wieder kommen kannst, wenn die Ruhe beginnt, dir auf den Geist zu gehen. Ich bin kein Möbelstück, das man auf den Speicher stellen kann, wenn es einem nicht mehr behagt, es ab und zu auf dem Dachboden betrachten und dann wieder runter holen, wenn es zur neuen Wohnungseinrichtung passt. Ach, und deinen Beziehungsstatus solltest du langsam wieder auf „Single“ stellen.

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3 Kommentare zu “Verdammt, ich vermisse dich

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