Prinzessinnen

Heute in meinem ganz persönlichen Fernsehprogramm: „Ein Herz und eine Krone“, mit Audrey Hepburn und Gregory Peck, gedreht 1953. Nun ist das bei weitem nicht der erste Prinzessin-trifft-Bürgerlichen-Film, den ich sehe – bin ja schließlich ein Mädchen. Aber es ist der älteste Vertreter dieser Art von Film, den ich kenne. Und eines finde ich erstaunlich: In den moderneren Varianten – man denke zum Beispiel an „Der Prinz und ich“ – versteckt immer der adelige Partner seine wahre Identität, und dass der bürgerliche Partner ebenfalls ein Geheimnis hat, kommt auch mal vor. Nach ungefähr zwei Dritteln des Films, wenn gerade alles gut zu laufen schien, kommen alle Geheimnisse durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ans Tageslicht. Es gibt einen großen Knall, Streit, Anschreien, Türenknallen, Trennung. Und dann, wenn eigentlich alles in Richtung Untergang steuert, besinnt sich einer der beiden und es kommt zur großen Versöhnung inklusive mindestens dem elterlichen Segen beiderseits für die Beziehung, wenn nicht gar gleich das große Hochzeitsfest gefeiert wird. Happy End.

1953 war das noch nicht so. Da bricht zwar auch die Prinzessin, die eingezwängt war von Repräsentationspflichten, einmal für 24 Stunden aus ihrer Welt aus, um in das bürgerliche Alltagsleben einzutauchen. Und auch dort lernt sie den Mann kennen, der sie scheinbar so liebt, wie sie ist. Der sie zum Lachen bringt und sie beschützt und ihr neue Dinge zeigt. Aber in den Fünfzigern endete die Geschichte anders. Nach einem melancholischen Abschiedskuss kehrt sie in ihr altes Leben zurück und er bleibt in seinem. Keine große Szene, weil er ihr vorenthalten hat, dass er eigentlich Reporter ist und die große Story über sie schreiben wollte. Aber auch keine Skandalgeschichte auf der Titelseite nach ihrer Rückkehr. Wehmut über die Trennung auf beiden Seiten, aber offensichtlich fügt sich jeder in sein Schicksal und schafft es auch noch, nicht allzusehr damit zu hadern.

Warum ist das so? Heutzutage ist Individualität und damit verbunden das individuelle Glück das wichtigste Ziel überhaupt. 1953 war offensichtlich die Gesellschaft an sich und vor allem vermutlich die Aufrechterhaltung der konventionellen Ordnung ein höheres Gut als die privat Glückseligkeit. Ist das ein Fortschritt? Nicht zwingend tun zu müssen, was die Gesellschaft möglicherweise von uns verlangt, empfinde ich als wichtige Bereicherung. Aber andererseits ist damit jeder absolut selbst verantwortlich für alles, was er tut oder nicht tut. Für alle zugeschlagenen Türen, nicht ergriffenen Chancen, schlechten Entscheidungen. Da kann es angenehmer sein, wenn diese Entscheidungen nicht selbst getroffen werden müssen, sondern schon lange von anderen getroffen wurden, oder noch besser: gar nicht erst zur Entscheidung offen standen. Und vielleicht ist es ohnehin vernünftiger, ein neues Leben allenfalls für ein paar Stunden auszuprobieren und dann wieder ins alte, bekannte Leben zurückzukehren. Am Ende ist es wohl einfach eine Risikoabwägung. Und wer geht schon gern ein Risiko ein?

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