Katzenwunder

Wie bereits bekannt, lebe ich bereits seit zwölf Jahren mit einer Katze zusammen. Ein manchmal verspieltes, manchmal verschlafenes, gelegentlich sehr quirliges und häufig kuschelbedürftiges Tier, das mir ab und zu die Tage versüßt (Wenn sie auf meinen Schoß springt und schnurrt. Wenn sie wie eine Prinzessin auf dem schönsten Sofakissen liegt. Wenn sie mir um die Beine streicht, um gefüttert zu werden, und dann Leckerlis aus der Hand frisst.) und das ich ab und zu auch am liebsten aus dem Fenster werfen würde (Wenn sie nachts um drei auf einmal ihre wilden fünf Minuten bekommt, die leider häufig länger als fünf Minuten dauern und bei denen sie wie bescheuert durch die Wohnung rennt, extrem laut miauend, versteht sich. Wenn sie sich aufs Sofa erbricht, nur weil ich ihr gerade keine Aufmerksamkeit schenke. Wenn sie jedes Mal aufs Neue auf meinen Küchentisch springt, obwohl ich es ihr immer wieder verbiete.).

Genau dieses kleine Wundertier verhielt sich letzte Woche sehr anders und besorgniserregend, so dass wir die Tierärztin aufsuchten, die einen inoperablen Tumor in der Magenwand diagnostizierte. Die einzige Therapiemöglichkeit: Cortisonspritzen, so lange wie sie darauf anspricht, und wenn das nichts mehr hilft, sanfte Erlösung aka Einschläfern aka Töten aus Mitleid. Nach dieser Diagnose war nicht nur das Kätzchen in einem furchtbaren Zustand, sondern auch ich. Über Leben und Tod eines anderen Lebewesens zu entscheiden – wer bin ich denn, mir das anzumaßen? Und woher weiß ich, ob sie leben oder sterben will, wie stark ihre Schmerzen sind, wie stark der Durchhaltewille? Trotzdem war ich mehrfach kurz davor, sie zum letzten Mal in die Tierklinik zu fahren. Trotz Infusionen und Cortison wirkte sie zeitweilig wie eine bloße Puppe – keine Bewegungen, kein Laut, nur der beißende Geruch nach krankem Tier. Aber: Sie hat überlebt. Sie lag einen Tag nur furchtbar apathisch herum, brauchte zwei weitere Tage, in denen sie sich lediglich ein bisschen bewegte und kläglich miaute – und dann kam der Tag, an dem sie mich Sonntag Morgen um sechs Uhr weckte und ich mich das erste Mal in meinem Leben in so einer Situation darüber freute, dass zu dieser nachtschlafenen Uhrzeit ein Katzenkörper über mein Gesicht streifte. Weiterhin kamen die Tage, an denen ich mich das erste Mal über permanentes Miauen vor der Tür und den Geruch nach Katzenhinterlassenschaften freute. Heute, genau eine Woche nach der katastrophalen Diagnose, liegt sie auf meinem Schoß, macht ab und zu einen Ausflug zum Futternapf und beschwert sich lautstark, wenn ich nicht das mache, was sie gerne hätte. Hoffentlich hat sie noch eine gute Zeit.

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