Habemus papam

Jetzt ging es doch schneller, als ich erwartet hatte. Franziskus I., ein Name, der auf einen Heiligen zurückgeht, der sich von allem materiellen Besitz trennte, sich zu den Ausgestoßenen gesellte, die Würde von Tieren anerkannte und es im Zweifelsfall für wichtiger hielt, angebotene Gastfreundschaft anzunehmen anstatt Fastenregeln einzuhalten. Es würde mich freuen, wenn die Namenswahl bereits ein Hinweis auf den Kurs wäre, den Jorge Mario Bergoglio mit seiner Wahl zum Papst einschlagen möchte.

Ich bin katholisch getauft und aufgewachsen, habe auch sämtliche weiteren Pflichttermine – erste Kommunion, Firmung – brav eingehalten und bin mittlerweile selbst Taufpatin geworden. Ich glaube an einen Gott; nur der Institution der katholischen Kirche stehe ich kritisch gegenüber. Für mich ist es wichtiger, einem Menschen in seiner persönlichen Situation zu helfen, als mich mit pedantischer Genauigkeit an Kirchengesetze zu halten. Die Bibel sehe ich als historisches Dokument, das in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort aus bestimmten Gründen geschrieben wurde, aber dessen Inhalt nicht 1:1 in unsere Zeit und Lebenswirklichkeit übertragen werden kann. Ich finde es eine Schande, wie die katholische Kirche mit Frauen, Homosexuellen und Geschiedenen umgeht und glaube, dass das System prinzipiell anfällig ist für vor allem junge Männer, die aus Unsicherheit oder Überheblichkeit Machtpositionen suchen und diese dann gegebenenfalls auch missbrauchen – und damit meine ich nicht nur die furchtbaren sexuellen Übergriffe, von denen man in der letzten Zeit verstärkt hörte, sondern auch die Priester, die untereinander über Gemeindemitglieder lästern, sich über Beichtinhalte lustig machen oder alleine die Tatsache, dass das Bistum für bis zu drei Kinder eines Pfarrers zahlt, so lange alle Beteiligten das Stillschweigen wahren. Insgesamt stehe ich wohl auf einem humanistisch-christlichen Standpunkt, sofern es das denn gibt – wenn nicht, erfinde ich ihn für mich und alle ähnlich Denkenden neu.

Franziskus I. wird sicher nicht auf allen Gebieten Reformen anstoßen. Dass auch Homosexuelle ihre Partnerschaft vor Gott – oder besser: anerkannt von der katholischen Kirche, denn ich bin sicher, Gott sieht liebevoll auf alle Menschen, die ihren Partner lieben, achten und Verantwortung für ihn übernehmen – schließen können, das wird unter dem neuen Papst sicher nicht passieren. Und auch in Punkto Frauenordinariat erwarte ich keine großen Sprünge. Aber wenn er sich zumindest den sozialen Nöten annehmen würde und wenigstens in diesem Bereich dazu beitragen, dass eine Kirche mit mehr als einer Milliarde Mitgliedern auf der ganzen Welt für die Bedürfnisse der materiell Ärmsten unter uns sensibilisiert wird, dass mit dem Geld, das in vertuschte Kinder und Kardinalslimousinen gesteckt wird, den Menschen, die es wirklich nötig haben, geholfen wird – dann wäre dieses Pontifikat ein gelungenes.

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Ein Kommentar zu “Habemus papam

  1. Also er scheint ja zumindest auf dem richtigen Weg zu sein…ich bin selbst evangelisch getauft und konfirmiert und in der Kirche aufgewachsen…das Prinzip eines Papstes war mir immer fremd, aber der neue, der kommt echt cool und vor allem…ganz anders…was er darüber sagt, dass die Kirche weg vom verteufeln und zurück zur Barmherzigkeit muss, das fand ich ganz klasse und damit hat er sich meinen Respekt gewonnen…und die katholische Kirche sich ihren, in dem sie diesen Menschen gewählt hat, habe ich ihr nicht zugetraut! 🙂

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