Digitaler Overkill

Das vergangene Wochenende bescherte mir gleich zwei neue Spielereien: Zuerst kam ein ersehntes Amazon-Päckchen (in schickem Schwarz) bei mir an, in dem sich ein Kindle 4 befand. Fast gleichzeitig wurde auch mein Freund unerwartet schnell mit einer Paketlieferung überrascht, die sein neues Smartphone enthielt; somit wurde das alte Gerät also quasi überflüssig. Und dank der Großzügigkeit meines Freundes bin ich nun auch stolze Eigentümerin eines iPhones. Der Umstieg von einem Nokia 6020 (jaaaa, 2005 war das noch modern!) auf das iPhone 4 war beziehungsweise ist immer noch ein kleines bisschen merkwürdig, aber es macht schon viel Spaß, wenn man mit dem Handy auf einmal nicht nur telefonieren, SMS verschicken, sich an Geburtstage erinnern lassen und Backgammon spielen kann, sondern auch seine Mails abrufen, Online-Shopping machen, mal schnell eine Postleitzahl für die Geburtstagskarte herausfinden und die Verspätung der geplanten Zugverbindung sehen kann. In gewisser Weise ist das iPhone damit das genaue Gegenteil meines neuen E-Book-Readers: Mit dem kann man nämlich – E-Books lesen. Und E-Books kaufen. Mehr nicht. Und das ist gelegentlich richtig angenehm: Wenn ich mal irgendwo Wartezeiten einplane, habe ich mir bislang immer ein Buch mitgenommen (denn länger als eine Viertelstunde Backgammon spielen wird echt langweilig). Das ist schön, nur leider manchmal ziemlich viel zu schleppen; 1000 Seiten Robert Musil, das hat eben sein Gewicht. Deshalb mein von der Werbung absolut unterstützter Gedankengang: Kindle kaufen, Bücher drauf laden (im Moment lese ich haufenweise Klassiker, um mein Literaturwissen aufzufrischen, und davon gibts bei Amazon sogar ziemlich viele kostenlos), nur noch das Gewicht von knapp zwei Schokoladentafeln tragen und los geht es mit dem Lesevergnügen. Das einzige Problem: Weil das iPhone den unschlagbaren Vorteil hat, dass ich gleich eine Hülle dazu bekommen habe, während ich mir für den Kindle noch eine nähen muss, liegt der Kindle auf dem Sofa zuhause, während ich in meiner Handtasche – ein Buch und das iPhone herumtrage. Und wenn ich dann wo bin, wo ich warten muss: Anstatt meine Zeit mit literarisch Wertvollem zu verbringen, spiele ich lustige Jump & Run-Abenteuer, in denen ich eine Figur, die aussieht wie Waldmeisterwackelpudding in einer Luftblase, durch aberwitzige Welten lenke, damit sie am Ende ihre Unterhose wiederfindet und auf dem Weg möglichst viele Klopapierrollen aufsammelt. Verrückte Welt.

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