Katzenjammer

Ich bin stolze Besitzerin – nein, falsch: Mitbewohnerin einer noch viel stolzeren Katze. Wenn ich telefoniere, denken die Leute am anderen Ende der Leitung, ich hätte ein Baby, weil sie so laut und herzzerreißend schreien kann. Besucher finden es süß, wenn sie sich erst nicht traut, näher heran zu kommen und dann schwuppdiwupps so viel Platz auf dem Sofa einnimmt, dass sie nicht mehr darauf passen.

Ich mag meine Katze auch sehr gerne. Wir sind seit mehr als zehn Jahren ein richtig gutes Team, und außerdem eignet sie sich prima, um Ausreden glaubwürdig erscheinen zu lassen und um neue Bekannte auf Herz, Nieren und Unkompliziertheit (und Tierhaarallergie) zu testen. Aber manchmal… manchmal verspüre ich den starken Drang in mir, sie aus dem Fenster zu werfen. So zum Beispiel heute Nacht: Es ist ein ganz normaler Spätsommerabend, ich gehe zur ganz normalen Uhrzeit ins Bett, weil ich am nächsten Morgen früh aufstehen muss. Klein-Kätzchen schläft mit im Bett und kuschelt sich erstmal auch schnurrend an mich – wie schön, ein Tier bei sich zu haben, das einen liebt, denke ich noch. Doch kaum eingeschlafen und mich selig meinen Träumen hingebend, fängt der Spaß an: Das kleine Tier, das so zerbrechlich wirkt, fängt auf einmal an, putzmunter zu werden und gibt mit einer enormen Energie ein lautes „Maaaau“ von sich. Aber nicht nur einmal, nein; so geht es jetzt fast die ganze Nacht. Zwischendurch gönnt sie mir ein paar Unterbrechungen, aber die reichen gerade mal zum vorsichtigen Wieder-Einschlafen. Alle Gegenmaßnahmen (Katze fest in den Arm nehmen und zwangskuscheln. Katze anfauchen. Ohropax in die Ohren.) wirken nur bedingt bis gar nicht, so dass ich schließlich beschließe, sie einfach aus dem Schlafzimmer auszusperren. Jetzt noch die Ohren mit regenbogenfarbenen Schaumstoffstöpseln gegen das gedämpfte Miauen verschließen, und dann, endlich… klingelt der Wecker. Mist.

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